Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

Brennpunkte

Verbände warnen vor «E-Scooter-Chaos»

Auf deutschen Straßen rollen nun immer mehr E-Scooter. Es ist bereits zu vielen Unfällen gekommen, auf Bürgersteigen abgestellte Tretroller behindern Fußgänger. Wie soll es weitergehen?



E-Tretroller im Straßenverkehr
Auf zwei winzigen Rädern im Innenstadtverkehr, die Augen fest aufs Handy geheftet: Ein Tourist fährt durch Berlin-Mitte.   Foto: Bernd von Jutrczenka » zu den Bildern

Knapp einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern haben Verkehrsverbände eine kritische Zwischenbilanz gezogen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC forderten angesichts erster Unfälle eine bessere Aufklärung über Sicherheitsgefahren.

Aus Berlin und anderen Städten seien seit der Zulassung zum Teil schwere Unfälle gemeldet worden, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Presse-Agentur. «Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird.»

Dringend notwendig sei eine breite Aufklärung. «Alle müssen wissen, wie man mit den Fahrzeugen fährt und wann welche Unfallrisiken bestehen.» Gefordert seien dabei auch die Hersteller und Sharinganbieter, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten.

Unachtsam abgestellte E-Scooter

«Immer häufiger sind unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen», sagte Kellner. Das müsse verhindert werden - auch dass diese Fahrzeuge zu zweit benutzt werden. «Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken», sagte Kellner. «Dann müsste die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Verordnung entsprechend anpassen.»

E-Tretroller dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine «helltönende Glocke». Erlaubt sind sie ab 14 Jahren, eine Helmpflicht gibt es nicht. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen - gibt es keine, muss es die Fahrbahn sein.

In den vergangenen Wochen war es der Polizei zufolge bereits zu einigen Unfällen auf den Straßen und Gehwegen gekommen. In Berlin wurden bislang mindestens sieben E-Tretroller-Unfälle und mindestens acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten eine einstellige Zahl an Unfällen, München zählte bislang mindestens sechs. In Stuttgart waren der Behörde zunächst keine Unfälle bekannt. In Sachsen spielen die mit Strom betriebenen Roller bisher kaum eine Rolle.

Zudem wurden in den Städten bereits zahlreiche E-Tretroller-Fahrer für Verwarnungsgelder zur Kasse gebeten - oft, weil sie auf den Rollern betrunken, zu zweit oder auf dem Gehweg unterwegs waren.

Verkehrsverbände

Kellner vom Verkehrssicherheitsrat sagte, die Koalition habe sich das Ziel gesetzt, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr zu senken. Neben umfassenden Aufklärungsmaßnahmen gehöre dazu dann auch, in infrastrukturelle Maßnahmen zu investieren. Wege müssten sicherer gemacht werden, es müsse ausreichend Platz für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden - so sicher, dass man auch mit E-Scootern sicher ankommen könne.

Auch eine Sprecherin des ADAC verwies auf zunehmende Probleme mit den E-Scootern. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend verhalten. Fahrer auf dem E-Scooter seien «schutzlos», im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

Dass es reihenweise zu Alkohol-Fahrten komme, zeige für den ADAC die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung: «E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren.» Das sei angesichts von Geschwindigkeit und Gefährdung auch richtig. Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller jedoch eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein.

Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. «Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein», sagt die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Trainings anbieten: «Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt.»

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
22:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Auto Autofahren Debakel Deutsche Presseagentur Fahrzeuge und Verkehrsmittel Fußgänger Gefahren Polizei Radwege Verkehr Verkehrsclubs Verkehrsteilnehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Auf dem Rad

07.06.2019

Fahrradfahren soll sicherer werden

Der Radweg ist zugeparkt, Autos ziehen beim Überholen dicht vorbei, Laster biegen riskant rechts ab - Fahrradfahren kann gefährlich sein, vor allem in der Stadt. Neue Vorschriften sollen das ändern. » mehr

Elektro-Tretroller

29.06.2019

Autoclubs fordern wegen E-Tretrollern breitere Radwege

Gerade für kurze Wege können E-Tretroller praktisch sein: Seit kurzem sind Menschen damit auf den Straßen unterwegs. Doch es gibt auch Gefahren - für die Autoclubs Lösungen sehen. » mehr

E-Scooter

12.06.2019

Zulassung von E-Tretrollern tritt am Samstag in Kraft

Kleine Flitzer mit E-Antrieb sollen bald in Deutschland unterwegs sein können - aber nach bestimmten Regeln. Doch wie wird überprüft, dass die auch eingehalten werden? Bußgelder stehen schon fest. » mehr

Stau vor dem Gotthardtunnel

19.04.2019

Mühseliger Start ins Osterwochenende: Staus auf Autobahnen

Ostern = langes Wochenende. Mancher nutzt das für eine Urlaubsreise, andere besuchen die Verwandtschaft. Autofahrer bekommen die Folgen zu spüren. » mehr

E-Tretroller

16.06.2019

E-Scooter: Erste Anbieter vor Start, Verbraucher skeptisch

Schon bald können Elektro-Tretroller bundesweit über die Radwege düsen. Richtig gut finden das aber anscheinend nicht allzu viele Menschen. » mehr

Verkehrstote

09.07.2019

Bundesamt korrigiert Zahl: Mehr Verkehrstote im Jahr 2018

Im vergangenen Jahr kamen 3275 Menschen auf Deutschlands Straßen ums Leben. Damit sind die Zahlen erstmals nach zwei Jahren wieder gestiegen. Besonders bei den Radfahrern sieht es nicht gut aus. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frankenpost-Firmenlauf 2019

Frankenpost-Firmenlauf 2019 | 19.07.2019 Untreusee Hof
» 395 Bilder ansehen

Plassenburg-Open-Air mit Stahlzeit

Plassenburg-Open-Air mit Stahlzeit | 16.07.2019 Kulmbach
» 9 Bilder ansehen

FC Eintracht Bamberg - SpVgg Bayern Hof 6:4

FC Eintracht Bamberg - SpVgg Bayern Hof 6:4 | 20.07.2019 Bamberg
» 34 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
22:07 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".