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Verschollenes argentinisches U-Boot im Südatlantik entdeckt

Vor fast genau einem Jahr sank das U-Boot «ARA San Juan» mit 44 Mann Besatzung im Südatlantik. Nun wurde das Wrack in großer Wassertiefe gefunden. Die Familien der Opfer hatten vor allem unter der Ungewissheit über das Schicksal der Seeleute gelitten.



Verschollenes U-Boot
Die «ARA San Juan» wird seit Mitte November 2017 vermisst.   Foto: Argentinische Marine/AP

Seit einem Jahr fehlte von der «ARA San Juan» jede Spur - jetzt hat eine Suchmannschaft das U-Boot der argentinischen Marine in den eisigen Tiefen des Südatlantiks entdeckt.

Das Schiff sei von der privaten Firma Ocean Infinity rund 460 Kilometer von der Küste entfernt geortet worden, teilte die Marine mit.

Das Schiff sei in einer Tiefe von 907 Metern entdeckt worden, sagte der Kommandant der Marinebasis Mar del Plata am Samstag vor Angehörigen der Seeleute. «Die Hülle ist noch in einem Stück, sie ist total deformiert und implodiert, aber ohne nennenswerte Risse», erklärte Kapitän Gabriel Attis. Abgerissene Teile des U-Boots wurden demnach in einem Radius von 70 Metern um das Wrack gefunden.

Die «ARA San Juan» war am 15. November 2017 mit 44 Seeleuten an Bord auf der Fahrt von Ushuaia im äußersten Süden Argentiniens nach Mar del Plata verschwunden. Zuvor hatte es technische Probleme an Bord gegeben. Zudem wurde in der Nähe der letzten bekannten Position des U-Boots eine Explosion registriert.

«Ab heute wird sich ein Teil der Wunde schließen», sagte Isabel Polo, die Schwester eines Seemanns, am Samstag im Fernsehen. Jorge Villarreal, der Vater eines weiteren Besatzungsmitglieds, sagte: «Jetzt wissen wir, wo unsere Kinder sind. Wir wollen ihnen den Abschied bereiten, den sie verdienen. So können wir Frieden finden.»

Die «ARA San Juan» war gegen illegale Fischerei am Außenrand der Wirtschaftszone Argentiniens im Südatlantik im Einsatz gewesen. Die Grenze der Wirtschaftszone verläuft am Kontinentalsockel entlang, bei dem die Meerestiefe von 200 auf bis zu 3000 Meter abfällt. Das Wrack sei nun vor dem Golf von San Jorge und südlich von Mar del Plata entdeckt worden, wie die Zeitung «La Nación» berichtete.

Dort war bisher bei der Suche nichts gefunden worden. Allerdings hatten die Angehörigen der vermissten Seeleute darauf gedrängt, an dieser Stelle noch einmal zu suchen. «Ich fühle Erleichterung, aber auch Trauer und Unsicherheit», sagte Luisa Rodríguez, die Mutter eines Besatzungsmitglieds, am Samstag im Fernsehen. «Wir fühlen uns alleingelassen von der Regierung, vom Präsidenten, von (Verteidigungs-)Minister (Oscar Raúl) Aguad.»

Nach einer wochenlangen erfolglosen Suche der Streitkräfte nach dem Unglück im vergangenen Jahr hatte die Regierung zuletzt das Unternehmen Ocean Infinity engagiert, um die Suche fortzusetzen. Die US-Firma war bereits kurz davor, die Suche abzubrechen, weil die vertraglich festgelegten 60 Einsatztage beinahe ausgeschöpft waren. Für den Fund des U-Boots soll Ocean Infinity nun 7,5 Millionen US-Dollar (6,5 Mio Euro) erhalten.

Die «ARA San Juan» mit einer Kiellänge von 65 Metern wurde im Auftrag der argentinischen Kriegsmarine von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 in Dienst gestellt. Das U-Boot mit einem diesel-elektrischen Antrieb war für Tauchfahrten bis 300 Meter Tiefe ausgelegt. Offenbar war es an Bord zu einer Explosion gekommen und das Schiff darauf gesunken.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte der argentinische Präsident Mauricio Macri am ersten Jahrestag des Verschwindens des U-Boots versprochen: «Wir werden nicht aufgeben. Wir werden weitersuchen, bis wir es finden.»

Die Familien der Seeleute litten in vergangenen Jahr vor allem unter der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen. Nach der Entdeckung des Wracks schwanken sie nun zwischen Erleichterung, Trauer und Wut. «Ich will wissen, was passiert ist», sagte Oscar Vallejos, der Vater eines der Soldaten, im Fernsehsender C5N. «Sie wussten schon, wo sie sind und haben gewartet, bis ein Jahr vergangen ist. Ich habe meine Zweifel. Welch ein Zufall.»

Ob das U-Boot und die Leichen der Seeleute aus 900 Metern Tiefe geborgen werden können, ist allerdings noch unklar. «Wir glauben, dass es sehr schwierig ist», zitierte die Zeitung «Clarín» aus Kreisen des Verteidigungsministerium.

Die Familien aber wollen ihre Angehörigen beerdigen und fordern eine umfassende Aufklärung des Unglück. «Wir wollen, dass das U-Boot an die Oberfläche geholt wird. Wir wollen die Wahrheit wissen und die Justiz soll klären, wer dafür bezahlen muss», sagte Juan Aramayo, der Vater eines weiteren Besatzungsmitglieds.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 11. 2018
16:36 Uhr

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17. 11. 2018
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