Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Brennpunkte

Verteidigung im All: Nato will Space Center aufbauen

Die Nato bereitet sich darauf vor, dass Kriege künftig auch im Weltraum ausgetragen werden. Im rheinland-pfälzischen Ramstein soll deswegen nun ein Space Center entstehen. Ein weiterer Nato-Standortwettbewerb mit deutscher Beteiligung läuft noch.



Nato-Fahne
Seit 2019 gilt das All für die Nato als eigenständiges Operationsgebiet.   Foto: Daniel Naupold/dpa

Die Nato treibt ihre Vorbereitungen für die Bündnisverteidigung im Weltall voran. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und der «Süddeutschen Zeitung» wollen die Verteidigungsminister der 30 Mitgliedstaaten an diesem Donnerstag den Aufbau eines Space Center ankündigen.

Es soll an das Luftwaffenoberkommando der Nato im rheinland-pfälzischen Ramstein angegliedert werden und vor allem als Koordinationsstelle für die Weltraumüberwachung dienen. So könnten in Ramstein künftig Informationen über mögliche Bedrohungen gegen Satelliten zusammenfließen. Denkbar ist auch, dass das Space Center später zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut wird.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll in Kürze zudem auch eine Art Thinktank für die Weltraumaktivitäten der Nato aufgebaut werden. Als Standort für das sogenannte Kompetenzzentrum waren zuletzt Kalkar in Nordrhein-Westfalen und das französische Toulouse in der Diskussion. In Kalkar hat schon heute das Kompetenzzentrum für die Nato-Luftstreitkräfte (Joint Air Power Competence Centre - JAPCC) seinen Sitz. Toulouse wirbt damit, dass dort derzeit auch das nationale französische Raumfahrtkommando aufgebaut wird.

Die Planungen der Nato sind Folge der im vergangenen Jahr getroffenen Grundsatzentscheidung, das All zu einem eigenständigen Operationsgebiet zu erklären. Der Beschluss ermöglicht es der Nato zum Beispiel, bei Alliierten für Einsätze die Bereitstellung von Kapazitäten für Satellitenkommunikation oder Bilddatentransfers anzufordern. Zudem hat er dazu geführt, dass in der Allianz noch intensiver darüber diskutiert wird, in welchem Fall mögliche Angriffe aus oder im Weltraum künftig als Bündnisfall behandelt werden sollten.

«Die Nato hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben», erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg im vergangenen Jahr zum Thema. Das All sei zum Beispiel für Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navigation von entscheidender Bedeutung.

Der Norweger spielte damit darauf an, dass die Nato immer mehr von Technik im All abhängig ist. Über Satelliten läuft die Kommunikation bei Militäreinsätzen, sie werden zur Aufklärung und Spionage sowie für Navigationssysteme genutzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Angriff auf Satelliten der Nato-Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit erheblich einschränken könnte.

Hinzu kommt, dass Angriffe auf Satelliten im Fall eines Krieges genutzt werden könnten, um Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen. So könnten zum Beispiel die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs oder Navigationssysteme für den Straßen-, See- und Luftverkehr schwer beeinträchtigt werden.

Neben dem Nato-Land USA haben zuletzt vor allem Staaten wie Russland, China und Indien ihre Fähigkeiten im Weltraum erheblich ausgebaut. So sorgte Russland in diesem Jahr mit mehreren Tests von Anti-Satelliten-Waffen für Aufsehen, nachdem Indien bereits im vergangenen Jahr durch das Abschießen eines eigenen Satelliten erfolgreich eine Anti-Satelliten-Rakete getestet hatte.

Ebenfalls bereits 2019 hatten die US-Streitkräfte ihr neues Führungskommando für Einsätze im Weltraum in Betrieb genommen. «Wenn es darum geht, Amerika zu verteidigen, reicht es nicht, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben», sagte US-Präsident Donald Trump damals. «Wir müssen amerikanische Vorherrschaft im Weltall haben.» Die Feinde der USA könnten in der Umlaufbahn der Erde mit neuer Technologie Satelliten angreifen, die «entscheidend sind für unsere Einsätze auf dem Schlachtfeld und für unser Leben zu Hause».

Mit deutlich weniger martialischen Worten wurde vor wenigen Wochen in Uedem (Nordrhein-Westfalen) ein neues Weltraumoperationszentrum der deutschen Luftwaffe in Dienst gestellt. Das sogenannte Air and Space Operations Centre (ASOC) soll vor allem helfen, Satelliten vor Störungen und Angriffen zu schützen und auch Flugkörper beobachten, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zur Gefahr für besiedelte Gebiete werden können. Es beobachtet und katalogisiert dazu Weltraumobjekte und den sogenannten Weltraummüll. Es gehe hier nicht um Weltraumwaffen, betonte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz.

Europas Raumfahrtchef Jan Wörner warnte am Montag vor einer Aufrüstung im Weltraum. «Ich sehe größere militärische Bewegungen im All skeptisch», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Eine Militarisierung des Kosmos sei kein Fortschritt - schon gar nicht für die Raumfahrt. «Das kann das Vertrauen zerstören, das im All für eine internationale Zusammenarbeit nötig ist», sagte der Leiter der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa.

© dpa-infocom, dpa:201019-99-993450/7

Veröffentlicht am:
19. 10. 2020
15:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeswehr Deutsche Presseagentur Donald Trump Drohung und Bedrohung Europäische Weltraumorganisation Jens Stoltenberg Luftverkehr Luftwaffe Militäroperationen Nato Raumfahrt Raumfahrtbehörden Satelliten Satellitenfunktechnik Weltraummüll Weltraumwaffen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zentrum Luftoperationen

21.09.2020

Die Luftwaffe hat ein neues Weltraumoperationszentrum

Es klingt nach Star Wars, doch tatsächlich hat die Sicherheit im Weltraum für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft enorme Bedeutung gewonnen. Weltraummüll oder gezielte Angriffe auf Satelliten sind die Stichworte. Deutschl... » mehr

Donald Trump

18.11.2020

Trump befiehlt weiteren Truppenrückzug

Die jüngsten militärischen Befehle von Donald Trump versetzen die Nato-Partner in Aufruhr. Sorgt der Verlierer der US-Wahl in den letzten Tagen seiner Amtszeit dafür, dass der lange Militäreinsatz in Afghanistan vollkomm... » mehr

Trump in Afghanistan

17.11.2020

USA ziehen weitere Truppen aus Afghanistan und dem Irak ab

Seinen Wählern hatte Trump versprochen, einen Schlusspunkt hinter die «endlosen Kriege» zu setzen. Das hat er in seiner Amtszeit nicht geschafft. Kurz vor ihrem Ende schafft er aber noch mal Fakten. » mehr

Taliban begrüßen Trumps Ankündigung zum Truppenabzug

08.10.2020

Trump kündigt schnelleren Truppenabzug aus Afghanistan an

Knapp vier Wochen vor der US-Wahl kündigt Präsident Trump einen rascheren Truppenabzug aus Afghanistan an. Es dauert nicht lange, bis sich Kabul und die Taliban zu Wort melden. » mehr

Fahnen

04.11.2020

Reaktionen auf die US-Wahl: Schock und Empörung in Europa

Vor der US-Wahl wünschte sich in Umfragen eine Mehrheit der Menschen in Deutschland und Europa eine Niederlage von Präsident Trump. Am Tag nach der Wahl starrten viele mit Entsetzen nach Washington. » mehr

Bundeswehr

21.10.2020

Berlin sagt Nato Soldaten für mögliche Covid-19-Einsätze zu

Die sich weiter zuspitzende Corona-Pandemie wird möglicherweise auch zu neuen Auslandseinsätzen der Bundeswehr führen. Deutschland hat der Nato Unterstützung für einen Notfallplan zugesagt. Das Bündnis will im Fall der F... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw kracht in Warnleitanhänger Berg/Bad Steben

A 9: Lkw kracht in Warnleitanhänger | 24.11.2020 Berg/Bad Steben
» 35 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 10. 2020
15:41 Uhr



^