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Vertuschungsvorwurf gegen Papst: Vatikan startet Gegenschlag

Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche ist Papst Franziskus selbst unter Druck geraten. Nun rüffelt ein ranghoher Kardinal den Verantwortlichen für die massiven Vorwürfe gegen den Pontifex.



Papst bei Bischofssynode
Papst Franziskus bei der Bischofssynode: Der kirchliche Missbrauchsskandal ist wieder voll aufgebrochen.   Foto: Gregorio Borgia/AP

Der Vatikan holt nach Vertuschungsvorwürfen gegen den Papst im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in den USA zum Gegenschlag aus.

Der «ungeheuerliche Vorwurf», Franziskus habe Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen US-Kardinal jahrelang ignoriert, entbehrten jeder Grundlage, schrieb der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, in einem am Sonntag veröffentlichten Brief. Diesen richtete er direkt an den ehemaligen US-Botschafter des Vatikans, Carlo Maria Viganò.

Viganò hatte vor sechs Wochen mit einem elfseitigen Papier für Aufruhr gesorgt, in dem er auch den Rücktritt von Papst Franziskus forderte. Im Kern ging es dabei um die Vorwürfe gegen den inzwischen abgesetzten US-Kardinal Theodore McCarrick.

Der frühere Erzbischof von Washington soll in den vergangenen Jahrzehnten reihenweise Seminaristen und selbst Minderjährige missbraucht haben. Im Juli entzog Franziskus McCarrick die Kardinalswürde. Doch Viganò behauptet, Franziskus habe schon viel länger von den Anschuldigungen gewusst und Sanktionen gegen McCarrick aufgehoben.

Die Replik von Ouellet liest sich vernichtend: Der Kardinal wirft Viganò Sarkasmus und Blasphemie vor und dass er den massiven Missbrauchsskandal in den USA ausnutze, um dem Pontifex einen «unerhörten und unverdienten Schlag zu versetzen». Viganò solle Reue zeigen und sich mit dem Papst versöhnen.

Darüber hinaus erklärte Ouellet, was er über den Fall McCarrick weiß. Nachdem dieser 2006 in Ruhestand gegangen sei, sei er aufgefordert worden, weder zu reisen noch in der Öffentlichkeit aufzutreten, um «weiteres Gerde über ihn» zu vermeiden. Es sei aber falsch, dies als «Sanktionen» darzustellen, die von Benedikt XVI. verhängt und von Franziskus aufgehoben wurden, schreibt Ouellet. «Im Gegensatz zu heute» hätten vor diesem Sommer keine hinreichenden Beweise über McCarricks mutmaßliche Schuld vorgelegen. Dass es mit Blick auf den Ex-Kardinal von Seiten der Kurie aber Fehleinschätzungen gegeben habe, schloss Ouellet dabei nicht aus.

Viele Beobachter sehen in den Anschuldigungen Viganòs eine Kampagne ultrakonservativer Kirchenmänner gegen Franziskus. Den Fall McCarrick selbst will der Vatikan nun weiter untersuchen lassen, wie der Heilige Stuhl am Samstag mitgeteilt hatte. Papst Franziskus selbst rief die Gläubigen am Sonntag zum Gebet auf - um die «Attacken des Teufels abzuwehren, der die Kirche teilen will».

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2018
18:12 Uhr

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07. 10. 2018
18:12 Uhr



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