Lade Login-Box.
Topthemen: Hofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Brennpunkte

Viel Lärm um Kuhglocken - Kommt ein nächtlicher Ortstermin?

Wenn Kühe nachts schlafen - bimmeln ihre Glocken dann so laut wie am Tag? Und wie sehr stört das den Schlaf von Menschen, die neben der Weide wohnen? Im juristischen Gezerre erwägen Münchner Richter auch eine persönliche Klärung.



Rechtsstreit um störende Kuhglocken
Ein Ehepaar in Oberbayern fühlt sich von Kuhglocken gestört und will eine Ende des Gebimmels erstreiten.   Foto: Peter Kneffel

Im «Holzkirchner Kuhglocken-Streit» ringen die seit Jahren beklagte Bäuerin, das Nachbarsehepaar und Vertreter der Gemeinde erneut um eine Lösung. Am Mittwoch traf man sich in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht München (OLG).

Dieses brachte eine neue Variante ins Spiel: Wenn sich die Parteien nicht einigen könnten, müsse man womöglich die Sache selbst in «Augen- und Ohrenschein» nehmen, sagte der Vorsitzende Richter Johannes Nagorsen. Da es um die Nachtruhe gehe, würde es darauf hinauslaufen, «dass wir mit oder ohne Sachverständigen dort ein Nacht verbringen». Das Ehepaar würde die Übernachtung auf jeden Fall möglich machen, sagte dessen Anwalt Peter Hartherz später. Schließlich wünschten sich die beiden endlich Ruhe.

Erst einmal suchte das Gericht nach Kompromissen. Ob es möglich sei, mit einer einzigen Kuhglocke auszukommen, warum es in einer umzäunten Weide überhaupt Glocken brauche - und was die Bäuerin Regina Killer von einer Entschädigung halte? Der Kläger habe klar gemacht, dass er sich großzügig zeigen würde, sagte Nagorsen. Das könne sich «für eine Bäuerin lohnen». Doch die lehnte ab: «Ich bin nicht bestechlich.» Die Weide sei die beste, die sie habe; Bäume böten Schutz für ihre Tiere.

Auch Vertreter der Gemeinde äußerten sich skeptisch, mit einer Entschädigung eine Einstellung der Weidehaltung zu erreichen. Die Gemeinde - ebenfalls beklagt, weil sie das Grundstück an die Bäuerin verpachtete - stütze die Landwirtschaft.

Das Ehepaar fühlt sich auch von Fliegen gestört, die um die Kühe und von dort auf ihr idyllisches Anwesen schwirren, und vom Ausbringen von Gülle. Nachdem erst der Mann und dann seine Frau in getrennten Prozessen vor dem Landgericht München II gescheitert waren, zog nun der Mann vor das OLG.

Beide waren in erster Instanz vor allem wegen eines vom Ehemann 2015 mit der Bäuerin geschlossenen Vergleichs gescheitert. Demnach dürfen nur im entfernteren Teil der Wiese mit gut 20 Meter Abstand Kühe mit Glocke grasen. Dem Ehepaar war es aber weiterhin zu laut.

Das OLG muss nun prüfen, ob der Vergleich den Kläger weiter bindet oder ob er ergänzt werden kann. Für ihre Klage gegen Insekten und Gülle machte Richter Nagorsen dem Ehepaar keine Hoffnung. Das Ausbringen von Gülle sei ortsüblich, die zeitweise Geruchsbelästigung «muss man halt einfach hinnehmen». Und bei den Insekten sei kaum nachprüfbar, ob sie von den Kühen kämen.

Die beste Lösung wäre für seinen Mandanten, wenn auf der Wiese keine Kühe mehr grasen würden, sagte Hartherz. Dafür würde er hinnehmen, dass öfter Gülle ausgebracht werde.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 02. 2019
18:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bestechlichkeit Ehepartner Insekten Kläger Lärm Oberlandesgericht München Ortstermine
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
NSU

15.08.2019

NSU-Mordserie ist bis heute Bezugspunkt für Extremisten

Der Terror des NSU hat Deutschland erschüttert. Auch weil die Sicherheitsbehörden über Jahre in die falsche Richtung ermittelt hatten. «NSU» ist bis heute ein Synonym für rechten Terror. » mehr

Justizzentrum Aachen

21.08.2019

Gericht hebt Ausreiseverbot für Syrer auf

Die Sicherheitsbehörden sahen 2015 in dem 35-Jährigen eine Bedrohung und zogen den Reisepass ein. Vier Jahre später hebt ein Gericht das Ausreiseverbot gegen den Syrer auf - die Lage habe sich verändert. » mehr

Prozess wegen Mitgliedschaft im IS

18.07.2019

Prozess um verdurstetes Kind - IS-Sklavin sagt weiter aus

Vor dem Oberlandesgericht München soll eine mutmaßliche IS-Sklavin ihre Aussage fortsetzen. In dem Prozess gegen eine junge Deutsche um ein verdurstetes jesidisches Mädchen ist sie die wichtigste Zeugin. » mehr

Bundeskriminalamt

18.08.2019

Streit vor Gericht über Datensammlung von Rechtsextremen

Das Bundeskriminalamt steht vor Gericht. Ein Journalist hat das BKA vor das Verwaltungsgericht gebracht. Er will die Herausgabe sogenannter Feindeslisten rechtsextremer Gruppierungen erzwingen. » mehr

Tornado in Roetgen

14.03.2019

Tornado in der Eifel: Zahl der Verletzten steigt auf fünf

Plötzlich ein dunkler Himmel und unbeschreiblicher Lärm - dann wütet ein Wirbelsturm durch ein Eifel-Dorf. Dutzende Häuser haben Schäden. Ein Glück, dass keiner tot ist, sagt ein Augenzeuge. » mehr

Walnüsse unter der Motorhaube

10.10.2019

Nager horten mehr als 200 Walnüsse unter Motorhaube

Ein ungewöhnliches Winterversteck hat ein Ehepaar im US-Bundesstaat Pennsylvania entdeckt: Unter der Motorhaube seines Autos hatten Eichhörnchen nahe der Stadt Pittsburgh offenbar mehr als 200 Walnüsse und Gras gehortet,... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Liebeslieder mit den Paradiesvögeln Marlesreuth

Liebeslieder mit den Paradiesvögeln | 19.10.2019 Marlesreuth
» 14 Bilder ansehen

Malle feiern alle! Weißenstadt

Malle feiern alle! | 18.10.2019 Weißenstadt
» 59 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg - Selber Wölfe

Eisbären Regensburg - Selber Wölfe | 18.10.2019 Regensburg
» 44 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 02. 2019
18:12 Uhr



^