Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Computer

Die Computermaus wird 50 Jahre alt

Wer hat vor 50 Jahren die Computermaus erfunden? Steve Jobs? Oder Bill Gates? Beide Antworten sind falsch. Die Antwort auf diese Frage führt nicht nur ins kalifornische Silicon Valley, sondern auch nach Konstanz am Bodensee.



Originalmaus
Die Originalmaus: Der Prototyp bestand aus einem Holzkästchen mit Strippe, einer roten Taste zum Klicken und einem Rad, das die Bewegungen des Geräts auf dem Bildschirm umsetzte.   Foto: Logitech

Das Auditorium der Brooks Hall in der Innenstadt von San Francisco ist schon seit 1993 geschlossen.

Nichts erinnert daran, dass hier vor 50 Jahren ein Meilenstein in der Computer-Geschichte gesetzt wurde. Lange bevor der erste Personal Computer auf den Markt kam, demonstrierte am 9. Dezember 1968 der Tüftler Douglas C. Engelbart erstmals eine Computermaus. Es gingen dann aber noch über zehn Jahre ins Land, bevor die Maus mit dem Apple Macintosh für ein Massenpublikum verfügbar wurde.

Engelbart hatte sich vor der großen Präsentation vor über 1000 Computerexperten in San Francisco jahrelang mit dem Entwurf eines Gerätes beschäftigt, das die Interaktion zwischen einem Menschen und einem Röhrenbildschirm erlaubt. Computer waren damals so teuer, dass nur Universitäten, große Unternehmen und das Militär sich die großem Rechenschränke leisten können. Und sie waren unglaublich kompliziert zu bedienen: Um mit der Maschine kommunizieren zu können, musste man lange Befehlsfolgen eintippen oder vorab in Lochstreifen gestanzte Befehle einlesen.

In der Vision von Engelbart sollten Symbole auf dem Bildschirm erscheinen, die man mit einem Zeiger ansteuern und aktivieren kann. 1962 veröffentlichte der ehemalige Navy-Radartechniker am Stanford Research Institute (SRI) in Menlo Park ein wissenschaftliches Papier unter dem Titel «Augmenting the Human Intellect: A conceptual framework» (Erweiterung des menschlichen Intellekts: Ein Grundkonzept).

Zwei Jahre später baute Engelbart zusammen mit seinem Chefingenieur Bill English den ersten Maus-Prototypen. Diese Originalmaus, die in einem Holzgehäuse untergebracht war, enthielt ein Rad, das die Bewegung des Gerätes in Cursorbewegungen auf dem Bildschirm umsetzte. Ein Mitarbeiter in Engelbarts Labor meinte, das Holzkästchen sehe mit der roten Taste oben und dem Kabel hinten wie eine Maus. Der Name blieb hängen.

Es dauerte dann bis zum 9. Dezember 1968, bis Engelbart das Konzept der Öffentlichkeit vorstellte. Die 90-minütige Live-Präsentation auf der «Fall Joint Conference», die in einem Video für die Nachwelt erhalten geblieben ist, ging als «Mutter aller Demos» in die Geschichte ein.

Engelbart führte damals den Einsatz einer Maus vor, die auf einem Bildschirm einen schwarzen Punkt bewegte. «In unserer Vision gingen wir davon aus, dass die Menschen zur Lösung von Problemen computergestützte Arbeitsstationen einsetzen werden», sagte Engelbart 30 Jahre später in einem Interview. «Diese Stationen setzten voraus, dass man mit Hilfe eines Geräts einen Cursor und damit die Informationen auf dem Bildschirm ansteuern konnte.» Er habe damals im Auftrag der Weltraumorganisation Nasa verschiedene Geräte ausprobiert, darunter einen Lichtgriffel und auch Joysticks. «Es stellte sich schnell heraus, dass die Maus besser als alle anderen Geräte funktionierte.»

Fast in Vergessenheit geraten ist, dass in dieser Zeit auch in Deutschland an dem Konzept einer Computermaus gearbeitet wurde. Für die Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) in Frankfurt entwickelte eine Abteilung des Elektro-Pioniers Telefunken in Konstanz ein System, in dem ein Zeiger benötigt wurde. Eine «Rollkugelsteuerung» sollte den Fluglotsen ermöglichen, auf einem großen Radar-Bildschirm Darstellungen von Flugzeugpositionen zu markieren. Einige Wochen vor der Demo in San Francisco stellte Telefunken sein Konzept vor.

Engelbart hatte die Idee also nicht allein. Doch im Gegensatz zu den Deutschen ließ sich sein Arbeitgeber SRI die Erfindung 1970 als «X-Y-Positionsanzeigesteuerung für die Bewegung per Hand über eine beliebige Oberfläche zur Verschiebung eines Positionsanzeigers auf dem Bildschirm» unter der Nummer 3,541,541 als Patent eintragen.

Einen Erfolg im Massenmarkt konnten damals aber weder Telefunken noch das Team in Kalifornien feiern. Engebarts Auftraggeber Nasa konnte mit der ersten Maus nicht viel anfangen, auch weil bald deutlich wurde, dass seine Maus in der Schwerelosigkeit nicht angewandt werden konnte. Und Telefunken baute die «Rollkugelsteuerung» zwar in seinen Großrechner TR440 ein, doch diese Computerschränke bekam kaum jemand zu Gesicht. Die Großrechner kosteten bis zu 15 Millionen D-Mark und wurden in geringen Stückzahlen von der Bundesanstalt für Flugsicherung und anderen Behörden verwendet.

Das Konzept der Computermaus verschwand für einige Jahre wieder in der Versenkung, wurde dann vom legendären kalifornischen Forschungszentrum Xerox Parc aufgegriffen, wo auch eine grafische Benutzungsoberfläche für den Computer Xerox Alto entwickelt wurde. Aber auch dieser Rechner war für ein Massenpublikum viel zu teuer. Apple-Mitgründer Steve Jobs sah den Alto 1979 und übernahm das Konzept der grafischen Bedienoberfläche. Apples «Lisa» war der erste Computer, der für die Maus ausgelegt war. Mit dem Macintosh erreichte die Maus 1984 dann den Durchbruch. Dieser Erfolg beeindruckte wiederum Microsoft-Mitbegründer Bill Gates so sehr, dass er sich von der Kommandozeile von MS-DOS verabschiedete und nach dem Vorbild des Apple Macintosh dann Maus und Icon als Standard bei Windows einführte.

Die von Engelbart entwickelte Computermaus hat mit den heutigen Mäusen nur wenig gemeinsam. Der erste Maus-Prototyp besaß anstelle einer Kugel ein Rad für die Cursorbewegungen. In den siebziger Jahren passte der Schweizer Jean-Daniel Nicoud das Konzept an, indem er die Regelwiderstände in Engelbarts Maus durch optische Messgeber ersetzte - und damit auch den Grundstein für den unternehmerischen Erfolg der Firma Logitech legte. Heutige Computermäuse funktionieren zumeist mit Laserdioden, die auf Infrarot-Technik basieren.

Als Eingabeinstrument wird die Maus aber inzwischen vom menschlichen Finger überholt. Auf Milliarden von Smartphones und Tabletcomputern wird ohne Maus gewischt und getippt. Und in Zukunft könnte die menschliche Sprache wiederum zur populärsten Dialogmethode zwischen Mensch und Maschine werden.

Douglas C. Engelbart hat diese Zeitenwende noch mitbekommen. Er starb am 2. Juli 2013 im Alter von 88 Jahren in Atherton (Kalifornien).

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Arbeitsstellen Bildschirme Bill English Bill Gates Bundesamt für Strahlenschutz Bundesanstalten Computergeschichte Großrechner MS-Dos Macintosh NASA Silicon Valley Steve Jobs Telefunken Xerox
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Apple

31.10.2018

Apple erneuert Einstiegs-Laptop MacBook Air und iPad Pro

Zuletzt schien Apple Käufer von Laptops in der Preisklasse um 1000 Euro zu vernachlässigen. Jetzt gibt es schließlich eine neue Version des günstigsten MacBook Air unter anderem mit besserem Bildschirm. Mit den deutliche... » mehr

Mate X

24.02.2019

Huawei setzt Preisrekord mit seinem faltbaren Smartphone

Der Wettlauf um die Zukunft des Smartphones ist eröffnet: Nach Samsung schickt auch Huawei sein faltbares Gerät Mate X ins Rennen. Nicht nur im Design will das chinesische Unternehmen seinen Rivalen «toppen» - das Mate X... » mehr

Samsung stellt Neuheiten vor

21.02.2019

Samsungs aufklappbares Smartphone soll 2000 Euro kosten

Samsung bringt das Smartphone, das man zu einem Tablet aufklappen kann, tatsächlich auf den Markt. Mit der neuen Technologie testen die Südkoreaner aus, wie teuer ein Smartphone sein darf. Als der Preis auf dem Event ver... » mehr

Apple

03.09.2018

Apple meldet erstmals Auffahrunfall mit Roboterwagen

Ein selbstfahrendes Auto mit Roboterwagen-Software von Apple ist bei einer Fahrt im Silicon Valley von einem anderen Auto angefahren worden. Es ist die erste Unfallmeldung aus dem Testprogramm des iPhone-Konzerns. » mehr

Innovationskonferenz DLD

20.01.2019

DLD-Konferenz: Europa droht Niederlage im Technologie-Rennen

«Optimismus und Mut» ist das diesjährige DLD-Motto. So rosig die Chancen der Digitalisierung auf der Innovationskonferenz von vielen beschrieben werden - Europa droht bei Schlüsseltechnologien den Anschluss zu verlieren,... » mehr

Hasso Plattner wird 75

15.01.2019

Der Unermüdliche - SAP-Gründer Hasso Plattner wird 75

Mit dem richtigen Gespür für künftige Trends brachte Hasso Plattner seinen Softwarekonzern SAP an die Weltspitze. Im Alter von 75 Jahren steht der streitbare Segelfan immer noch an der Spitze des Aufsichtsrats. Dabei den... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Demo gegen Artikel 13 in Hof

Demo gegen Artikel 13 in Hof | 23.03.2019 Hof
» 12 Bilder ansehen

9. Hofer-Stein-Party in der BG

9. Hofer-Stein-Party in der BG | 23.03.2019 Hof
» 33 Bilder ansehen

Testspiel: SpVgg Bayern Hof - 1. FC Nürnberg (U19-Bundesliga)

Testspiel: SpVgg Bayern Hof - 1. FC Nürnberg (U19-Bundesliga) | 24.03.2019 Hof
» 84 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 12. 2018
10:05 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".