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Experten warnen vor Radarfunktion in Dating-App Lovoo

Bei der Dating-App Lovoo war es laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks möglich, genaue Bewegungsprofile der Nutzer zu erstellen.



Lovoo
Bei der Dating-App Lovoo ist es laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks möglich, genaue Bewegungsprofile der Nutzer zu erstellen.   Foto: Monika Skolimowska

Damit habe man Rückschlüsse auf die Wohn- und Arbeitsorte der Anwender ziehen können, da die Ortung auf 30 bis 50 Meter genau möglich gewesen sei, berichtet der Sender am Freitag. Demnach ist es den Datenjournalisten des «BR» gelungen, über eine technische Schnittstelle Informationen von Nutzern gezielt und in großer Anzahl in München abzurufen.

Lovoo erklärte dazu am Freitagabend, da der Bayerische Rundfunk der Firma seine Testergebnisse oder -methoden nicht habe zukommen lassen, sei es nicht möglich gewesen, diese zu überprüfen. «Dennoch, auch wenn diese korrekt sind, ist uns kein Fall bekannt, in dem ein Nutzer wie im Test beschrieben geortet, geschweige denn in irgendeiner Weise geschädigt wurde.» Vor der Veröffentlichung der Recherche habe Lovoo Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass der Standort von Nutzern nicht genauer als auf 1000 Meter bestimmt werden könne. Außerdem haben wir die mehrfache Abfrage des Standorts von Nutzern in der Umgebung eingeschränkt worden, um Triangulation zu verhindern.

Wie auch andere Dating-Apps zeigt Lovoo seinen Nutzern über eine Radarfunktion an, welche Nutzer der App sich ebenfalls in der näheren Umgebung befinden. Mit Hilfe eines einfachen geometrischen Messverfahrens über drei verschiedene Einwahlpunkte könne jedoch der Standort wesentlich genauer, auf bis zu 30 Meter, bestimmt werden, erklärte zuvor der Bayerische Rundfunk. Kombinieren lasse sich der Standortverlauf außerdem mit weiteren Profilinformationen wie der sexuellen Orientierung oder den hinterlegten Bildern. Lovoo erklärte dazu, die sexuelle Orientierung sei kein Bestandteil des öffentlich einsehbaren Profils.

Über fünf Tage hinweg sammelten die Datenjournalisten demnach über ein angelegtes Profil die Daten von neun verschiedenen Standorten. Alle 15 Minuten hätten sie dann Informationen über Nutzer bekommen, die sich in dem Bereich bewegten, darunter Alter, Geschlecht und Profilbild.

IT-Sicherheitsexperte Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC) warnte, dass ein Missbrauch nie ganz ausgeschlossen sei: «In dem Moment, in dem ich als Nutzer meine Standortdaten mit wildfremden Menschen teile, gibt es natürlich immer eine Gefahr. Auch wenn diese Daten ungenauer hinterlegt werden, wäre immer noch zu erkennen, in welcher Stadt und in welchem Stadtteil ich mich befinde und wo ich mich regelmäßig bewege.» Neumann riet dem App-Betreiber, die Nutzung der Schnittstelle einschränken, wie viele Abfragen ein Profil schicken darf. Damit könnte man verhindern, dass ein Profil binnen Sekunden von drei unterschiedlichen Orten aus abfragt. Auch wäre es möglich, die Anzahl der Dating-Partner einzugrenzen, die einem angezeigt werden.

Die Dating-App-Betreiber teilten dem «BR» mit: «Um die Daten unserer Nutzer zu schützen, setzen wir eine Vielzahl von technischen und organisatorischen Maßnahmen ein.» So würden etwa ausschließlich ungenaue Koordinaten und Distanzen an die Nutzer verschickt. Das reiche jedoch offenbar nicht aus, folgert der «BR». Bei anderen Dating-Apps wie etwa Tinder sei eine genaue Ortung des Standorts von vornherein kaum möglich.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
21:26 Uhr

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