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Werbetrommel für 5G-Speed: Branche aktiviert neue Masten

Wichtige Frequenzen für den Mobilfunkstandard 5G sind versteigert, nun kommt der Ausbau in Gang. Auf der IFA in Berlin rühren Telekom und Vodafone kräftig die Werbetrommel. Doch ob die neue Technik auch dem Privatkunden wesentlich weiterhilft, ist fraglich.



5G-Netz
Telekombranche aktiviert 5G-Masten für besseren Mobilfunk-Speed.   Foto: Federico Gambarini

Das Kürzel 5G steht für ein großes Versprechen. Eigentlich zunächst als superschnelles Netz für Geschäftskunden und industrielle Anwendungen beworben, adressiert die Mobilfunk-Branche nun auf der IFA in Berlin verstärkt die Privatleute.

Die Deutsche Telekom gab auf der Technikmesse bekannt, dass ihre ersten Antennen nun 5G funken. Samsung kündigte zwei weitere Smartphone-Modelle an, die 5G unterstützen werden. Und Vodafone nutzt die neuen Geräte, um für ihr eigenes 5G-Netz und die kostenlosen Zubuch-Optionen zu werben.

Mit dem neuen ultraschnellen Mobilfunkstandard soll Deutschlands Industrie wettbewerbsfähig bleiben - Fabriken werden vernetzt, Produkte wie autonom fahrende Autos können hierzulande auch dank 5G entwickelt und irgendwann einmal auf die Straßen kommen. Auf der IFA stehen allerdings die privaten Verbraucher im Fokus.

Ins Schwärmen geriet bei dem Branchentreff Michael Hagspihl, der bei der Telekom für das Privatkunden-Geschäft zuständig ist. «Mit 5G bricht ein neues Zeitalter an - und das nicht nur für Geschäftskunden, sondern auch für Privatkunden», sagte der Manager und betonte: «5G löst LTE aber nicht ab, 5G kommt «on top» dazu.»

Vor etwa drei Monate endete die Frequenzauktion der Bundesnetzagentur - insgesamt 6,6 Milliarden Euro ließen sich die Netzbetreiber das 5G-Frequenzspektrum kosten. Nun müssen sie den Ausbau stemmen, der noch ziemlich am Anfang steht. Bislang gab es lediglich zwei Smartphones, die den Standard unterstützen. Neben dem Mate X von Huawei hatte Samsung sein Galaxy S10 und Galaxy Note 10 in einer 5G-Variante angeboten. Samsung kündigte mit dem Galaxy A90 5G auch ein Mittelklasse-Gerät an, mit dem es ebenfalls klappt mit dem ultraschnellen Datendownload und der Quasi-Echtzeit-Reaktion (Latenz). Damit wolle man die 5G-Technologie «einer breiten Masse zugänglich» machen, sagte Samsung-Manager Olaf May.

Breite Masse? Nun ja. Bei einem Blick auf die Landkarte erscheint das derzeit noch schwer vorstellbar. Die Telekom beispielsweise funkt mit 129 Antennen in Berlin, München, Köln, Bonn und Darmstadt in Bandbreiten von einem Gigabit pro Sekunde und mehr. Auf einer Deutschlandkarte bietet das Unternehmen einen guten Überblick über die Straßen, wo 5G zu empfangen ist. Selbst wenn man nah ran scrollt, sind es nur kleine Kleckse - der größte von ihnen ist in Berlin-Mitte, wo 66 Antennen in dem ultraschnellen Standard funken. Bis Jahresende sollen es 300 Antennen sein, die auch in Hamburg und Leipzig stehen.

Im Wettrennen zwischen den Netzbetreibern hat Vodafone derzeit zahlenmäßig etwas die Nase vorn. Die Firma aus Düsseldorf kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 150 5G-Antennen, die sich auf 52 Standorte verteilen. Bis Jahresende sollen es etwa 150 Standorte sein. Telefónica, der dritte deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber, ist noch nicht so weit - bisher ist es also nur ein Zweikampf um die Gunst von 5G-Privatkunden.

Die beiden Unternehmen gehen dabei unterschiedlich vor: Vodafone hat 5G-Antennen schon in 38 Städten aktiviert, wo es aber nur jeweils ein Mini-5G-Netz gibt. Die Telekom hingegen fokussiert sich auf weniger Städte, wo aber mehr Fläche abgedeckt ist - wer beispielsweise vom Brandenburger Tor zu Fuß nach Kreuzberg geht, der geht großteils über 5G-Terrain. «Wir setzen auf zusammenhängende Gebiete, nicht auf symbolische Orte», sagte Hagspihl.

Manche Experten sehen den Vorstoß der Unternehmen aber kritisch: 5G für Privatkunden sei «reines Marketing und viel Lärm um sehr wenig», moniert Torsten Gerpott, Telekommunikationsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Die Flächen, auf denen Kunden der Telekom und von Vodafone die neue Mobilfunktechnik nutzen könnten, seien sehr klein und auf einer Deutschlandkarte kaum erkennbar. Zudem brauchten die allermeisten Handynutzer 5G derzeit noch gar nicht. «Wer muss heute schon unbedingt 8k-Videos auf seinem Smartphone streamen - in einer niedrigeren Auflösung sind die auch noch sehr gut anzuschauen.» Es gebe noch kaum Anwendungen, für die man unbedingt 5G benötige. «Bis 5G im Massenmarkt ankommt, vergehen noch drei bis vier Jahre.»

Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
16:23 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 09. 2019
16:23 Uhr



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