Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Computer

Es ist wenig los beim «Internethändler von nebenan»

Als der Siegeszug des Online-Handels begann, hofften viele Gemeinden, den Händlern in den Innenstädten mit lokalen Internet-Marktplätzen im Kampf gegen Amazon und Co. helfen zu können. Doch die bisherige Bilanz ist ernüchternd.



Online-Handel
Mit lokalen Internet-Marktplätzen versuchen sich Gemeinden im Online-Handel zu platzieren.   Foto: Arno Burgi/zb/dpa

Sie heißen Flensburg-Shopping.de, Online-City Wuppertal oder Kauf-im Allgaeu.de. Mit lokalen Internet-Marktplätzen und digitalen Schaufenstern versuchen zahlreiche Städte und Gemeinden dem Siegeszug des Online-Handels etwas entgegenzusetzen.

Doch es mehren sich bei Handelsexperten Zweifel an der Wirksamkeit der gut gemeinten Initiativen. «Der Versuch, durch lokale Online-Marktplätze die Innenstädte zu beleben, ist gescheitert», urteilt etwa der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Seine Erklärung dafür: «Lokale Marktplätze funktionieren im Internet einfach nicht. Es fehlt ihnen an allem, was das Einkaufen im Internet attraktiv macht, von der großen Auswahl bis zu den günstigen Preisen.» Stattdessen werde auf das Prinzip Hoffnung oder vielleicht eher noch auf das Mitleid der Verbraucher gesetzt. «Aber das war im Handel noch nie ein Rezept, das funktioniert.»

Dieses düstere Bild teilen natürlich nicht alle Beteiligten. Roman Heimbold, der mit seinem Unternehmen Atalanda allein in Deutschland insgesamt 19 Online-Marktplätze zwischen Alfeld (Leine) in Niedersachsen und Freilassing in Bayern betreut, wehrt sich dagegen, den Erfolg der Online-Marktplätze auf die im Internet erzielten Umsätze zu reduzieren. Auf den von Atalanda betreuten Marktplätzen seien inzwischen zusammen um die 1000 Teilnehmer vertreten. Doch nur jeder zehnte davon biete tatsächlich im Netz Produkte zum Verkauf an.

Für viele Händler und insbesondere für Dienstleistungsunternehmen sei es viel wichtiger, im Internet sichtbar zu werden. «Wir arbeiten vor allem mit kleineren und mittleren Unternehmen zusammen und viele davon sind beim Thema Digitalisierung noch sehr entwicklungsbedürftig», betonte er. Der Auftritt auf dem lokalen Marktplatz könne dann auch ein erster Schritt sein, um später seine Waren auch auf Amazon oder Ebay anzubieten.

Ganz ähnlich sieht man das in Wuppertal, das mit dem Portal Online-City 2014 einer der Vorreiter bei den lokalen Marktplätzen im Netz war. Auch Rolf Volmerig, Vorstand der Wirtschaftsförderung Wuppertal, räumt ein, dass die online erzielten Umsätze noch nicht sehr beeindruckend seien. Doch berichteten viele Händler, dass durch den Online-Auftritt neue Kunden in den Läden kämen. Hier mache sich die gesteigerte Sichtbarkeit der Unternehmen im Internet positive bemerkbar. Außerdem sei die Zusammenarbeit zwischen den Händlern gestärkt worden.

Eine aktuelle Marktanalyse des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, dass die lokalen Marktplätze im Online-Handel bislang keine nennenswerte Rolle spielen. «Kein einziger von Ihnen hat es in unser Ranking der 1000 größten Online-Händler geschafft. Sie tun sich sehr schwer», berichtet EHI-Experte Lars Hofacker.

Horst Hesse von der Hochschule Koblenz sieht einen der größten Schwachpunkte der lokalen Online-Plattformen in der geringen Zahl der teilnehmenden Händler. In der Regel fänden sich dort nur zwischen 30 und 60 Anbieter pro Ort. Das Ziel, das Shopping-Angebot einer Stadt im Internet abzubilden, lasse sich damit nicht erfüllen, bemängelt er. Er sehe deshalb keine schnellen Erfolge.

Ein Blick auf die Online-City Wuppertal bestätigt seine Einschätzung. Aktuell sind gerade einmal 65 Händler aus der bergischen Stadt auf dem Internet-Markplatz präsent. Und die allermeisten von ihnen bieten nicht mehr als ein paar Hundert, oder gar nur ein paar Dutzend Artikel auf dem Marktplatz an. Zum Vergleich: Die Zahl der auf amazon.de angebotenen Waren wird auf mehr als 200 Millionen geschätzt.

Für einen Abgesang auf die Online-Marktplätze scheint es dennoch zu früh. Atalanda-Geschäftsführer Heimbold plant für dieses und das nächste Jahr den Start weiterer lokaler Marktplätze. Und auch der EHI-Experte Hofacker meint: «Für einen Händler, der keine Erfahrung mit dem Internethandel hat, sind Online-Marktplätze eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln. Das macht es einfacher, in der eigenen Stadt digital sichtbar zu werden.» Doch fügt er dann noch hinzu: Um wirklich nennenswerte Verkaufszahlen zu erzielen, müsse ein Händler dann doch auf großen Marktplätzen wie Amazon oder Ebay präsent sein.

Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
12:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Dienstleister Hochschule Niederrhein Händler Innenstädte Internet Internethandel und E-commerce Kunden Marktplätze Schaufenster Städte Städte und Gemeinden eBay
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Online-Einkauf

08.10.2019

Das Internet ist kein Schnäppchenjäger-Paradies mehr

Die Suche nach dem günstigsten Angebot ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Daran können auch Preissuchmaschinen und Hotelbörsen nicht viel ändern. Oft hilft bei der Suche nach dem Super-Schnäppchen ... » mehr

20 Jahre Amazon.de

30.08.2019

20 Jahre Amazon in Deutschland: Sektlaune und Kritik

Amazon ist zum weltgrößten Online-Händler aufgestiegen. Angefangen in Deutschland hat alles vor 20 Jahren im hessischen Bad Hersfeld - dort wurde das erste eigene Warenlager hierzulande eröffnet. Die Gewerkschaft gratuli... » mehr

Matratze

03.07.2019

Online-Shop muss Matratze auch ausgepackt zurücknehmen

Wer im Internet einkauft, schickt vieles problemlos zurück. Auf bestimmten Produkten bleiben Kunden allerdings sitzen. Ein BGH-Urteil stärkt ihr Widerrufsrecht. Nur eine Frage bleibt dabei offen. » mehr

Amazon

11.09.2019

Bericht: Auch US-Regulierer überprüfen Amazons Marketplace

Amazons Händler-Plattform Marketplace gerät nach Wettbewerbsermittlungen in Europa auch ins Blickfeld amerikanischer Regulierer. » mehr

Ebay-Logo

20.06.2019

Ebay feiert 20. Geburtstag in Deutschland

Ebay feiert seinen 20. Geburtstag in Deutschland und hat dafür ab dem 20. Juni zahlreiche Aktionen für seine Nutzer angekündigt. » mehr

Amazon-Prime-Pakete

25.06.2019

Amazon verlängert Abokunden-Aktion Prime Day auf 48 Stunden

Viele Kunden warten mit dem Kauf ihrer Wunschobjekte, bis es spezielle Angebotze gibt. Für Kunden von Amazon Prime haben daher zwei Tage im Juli eine besondere Bedeutung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

A 9: Lkw-Anhänger geht in Flammen auf Rudolphstein/Bad Lobenstein

A 9: Lkw-Anhänger geht in Flammen auf | 11.11.2019 Rudolphstein/Bad Lobenstein
» 20 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
12:34 Uhr



^