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Chinas Wachstum fällt auf historisches Tief

Der Handelskrieg mit den USA bremst Chinas Wirtschaft und legt Schwächen offen. Mit Konjunkturmaßnahmen stemmt sich Peking gegen den Abschwung. Präsident Xi Jinping fürchtet Risiken für Wirtschaft und Stabilität. Wie schwer wird es deutsche Unternehmen treffen?



Autobahnkreuz in Shanhgai
Das Bild zeigt den Blick auf ein Autobahnkreuz in Shanhgai bei Nacht.   Foto: Li He/Xinhua/Illustration

Chinas Wirtschaftswachstum ist auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gefallen.

Vor dem Hintergrund des Handelskrieges mit den USA und hausgemachter Probleme legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr nur noch um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Auch deutsche Unternehmen müssen sich auf schwierigere Zeiten in China einstellen.

Der Rückgang verschärfte sich zum Jahresende. Das Wachstum fiel im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar auf nur noch 6,4 Prozent - ähnlich niedrig wie zuletzt 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise. Trotzdem versicherte der Chef des Statistikamtes, Ning Jizhe, die Grundlagen für eine langfristige gesunde Entwicklung Chinas blieben unverändert.

Ohne konkret auf neue Unsicherheiten oder den Handelsstreit mit den USA einzugehen, rief Staats- und Parteichef Xi Jinping alle Mitglieder der Führung auf, «größere Risiken zu vermeiden und zu entschärfen, um eine anhaltende und gesunde wirtschaftliche Entwicklung und soziale Stabilität sicherzustellen», wie Chinas Staatsagentur Xinhua von seiner Rede an der Parteischule berichtete.

Die Aussichten für das angelaufene Jahr sind alles andere als rosig. Die Weltbank und Experten rechnen damit, dass das Wachstum unter 6,5 Prozent fallen wird. Wie stark die Marke unterschritten wird, hängt davon ab, ob die Handelsspannungen mit den USA eskalieren oder eine Einigung gefunden werden kann.

«Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer wachsenden Unsicherheit bemerkbar», sagte Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft beim China-Institut Merics. Schwächelnde Exporte und Zurückhaltung bei Investitionen wirkten sich bereits auf das Wachstum aus: «Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt.»

Die USA haben China eine Frist bis 1. März gesetzt und drohen bei mangelndem Entgegenkommen mit neuen Strafzöllen auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. US-Präsident Donald Trump will das Handelsdefizit der USA mit China verringern, fordert mehr Marktöffnung und einen wirksamen Kampf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums und erzwungenen Technologietransfer.

Chinas Wachstum ist so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Es lag 2018 noch knapp über dem amtlichen Ziel von 6,5 Prozent, fiel aber von 6,8 Prozent im Vorjahr. So ist die Regierung «besorgt», wie informierte Kreise berichteten, die von höchster Stelle unterrichtet wurden. «Es sind Stimulusmaßnahmen geplant.» Im neuen Jahr sollen möglicherweise nur noch 6,0 bis 6,5 Prozent als Wachstumsziel vorgegeben werden.

Nicht nur der Handelskrieg bremst die Wirtschaft. Experten verweisen auch auf den Kampf gegen das ausufernde Kreditwachstum und andere Faktoren. «Die Stimmungslage im Land hat sich grundsätzlich verändert», sagt Merics-Ökonom Zenglein. Das mache sich sowohl in einer größeren Zurückhaltung aufseiten der Konsumenten als auch aufseiten privater Unternehmen bemerkbar, die weniger investierten.

Deutsche Unternehmen dürften sich in China künftig mehr zurückhalten. «Es ist zwar mit keinem dramatischen Einbruch in der Nachfrage nach deutschen Waren zu rechnen, allerdings werden die deutschen Unternehmen sich an die neuen Realitäten anpassen müssen», meint Zenglein. Deutsche Autobauer, die stark von China abhängig sind, müssen sich bereits auf den ersten Einbruch des größten Fahrzeugmarktes der Welt seit zwei Jahrzehnten einstellen.

Ein Rückgang des Wachstums in China gehört nach einem Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF), das diese Woche im Schweizer Davos zusammenkommt, zu den größten wirtschaftlichen Risiken in diesem Jahr. Vergangene Woche hatte Chinas Statistikamt die Wachstumszahl für 2017 nachträglich von 6,9 auf 6,8 Prozent korrigiert.

Im internationalen Vergleich sind 6,6 Prozent Wachstum zwar weiter viel. Auch hat sich die Größe der chinesischen Wirtschaft seit 2008 fast verdreifacht. Experten verweisen aber darauf, dass China als Schwellenland großen Nachholbedarf habe, den Schwung erhalten und Arbeitsplätze schaffen müsse. Viele Widersprüche in seiner Entwicklung ließen sich nur mit schnellem Wachstum bewältigen. Langsames Wachstum in China drücke auch die Weltkonjunktur.

Kurz vor der Vorlage der neuen Zahlen sagte Ministerpräsident Li Keqiang, China werde das Wachstum im neuen Jahr durch Innovation und bessere makroökonomische Steuerung «innerhalb einer vernünftigen Spannweite» halten - trotz größerer Schwierigkeiten in diesem Jahr.

China greift aber eher zu alten Methoden. Angekündigt wurden weitere Neuinvestitionen in die Infrastruktur wie beim Ausbau der Eisenbahn sowie Steuererleichterungen für Haushalte und Unternehmen. Die Führung ist besorgt über den Arbeitsmarkt, auf dem die Löhne schon langsamer steigen. Unternehmen zögern schon bei Neueinstellungen. Auch wurden viele Arbeiter früher als sonst in den Jahresurlaub um das chinesische Neujahrsfest Anfang Februar geschickt.

Der Handelskrieg ist aus Sicht der unabhängigen Expertin Ye Tan nur einer der Gründe für den Rückgang. «Der Hauptgrund ist die wirtschaftliche Transformation.» Die Regierung steuere dagegen, indem die Geldpolitik gelockert und Steuern gekürzt worden seien. Der Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Pekinger Volksuniversität nannte den Kampf gegen Überkapazitäten und die Anpassung der Industriestruktur, die «nicht reibungslos» liefen.

Experten argumentieren, dass der Handelskrieg die Schwachstellen der chinesischen Wirtschaft offenlegt, die stark von hoher Verschuldung und dem Bauboom abhängig ist. Auf dem spekulativen Immobilienmarkt steht nach Berichten jede fünfte Wohnung leer. Es wird auch auf den Widerspruch zwischen der wachsenden staatlichen Kontrolle und der Notwendigkeit verwiesen, ein dezentrales und verbrauchergetriebenes Wirtschaftssystem zu schaffen, um nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 01. 2019
14:39 Uhr

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21. 01. 2019
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