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Der König lächelt nicht - Rama X. pompös gekrönt

Die Thais haben wieder einen gekrönten König. In einer Zeremonie mit viel Pomp setzt sich Rama X. die Krone auf. Dann lässt er sich von 200 000 Leuten bejubeln. Trotzdem wirkt vieles merkwürdig freudlos - was nicht nur an der brutalen Hitze liegen kann.



Thailands König gekrönt
Thailands König Maha Vajiralongkorn neben Königin Suthida bei seiner Krönung am 4. Mai 2019.   Foto: Thai TV Pool/AP » zu den Bildern

Keine leichte Sache, so eine Krönung. In Thailand lässt sich sogar ziemlich genau sagen, wie schwer: 7,3 Kilogramm. Zudem 66 Zentimeter hoch, aus purem Gold und bis oben mit Edelsteinen besetzt.

Die «Goldene Krone des Sieges» (auf Thai: Phra Maha Phichai Mongkut) sieht anders aus als die Kronen, die man aus Europa kennt. Eher ein hoher Kegel. König Maha Vajiralongkorn muss kämpfen, bis er sie oben hat. Zwischenzeitlich verheddert er sich in einer Kette.

Fast 70 Jahre ist es her, dass es in Bangkok zum letzten Mal eine Krönung gab. Das war im Mai 1950, der Vater des jetzigen Monarchen: König Bhumibol, auch bekannt als Rama IX.. Die Zeremonie im Großen Palast ist für fast alle eine Premiere. Auch für die Hauptperson.

Rama X., inzwischen 66, war damals noch gar nicht geboren. Seit dem Tod des Vaters ist er nun schon zweieinhalb Jahre König. Das Volk bekam ihn bislang nur wenig zu Gesicht. Viel Zeit verbrachte er in Bayern, in seiner Villa am Starnberger See, wo sich lockerer leben lässt als zuhause. Aber in Bangkok gilt das strenge Protokoll des Hofes. Überall Aufpasser, bloß keine Fehler. Die Last der Geschichte.

Seit Beginn der Chakri-Dynastie 1782 haben erst neun Könige die Krone getragen. Von Rama VI., der vor hundert Jahren noch mit absoluter Macht regierte, weiß man, dass er große Angst hatte, sie würde ihm bei der Krönung herunterfallen. Verständlich, dass der aktuelle Monarch sehr angestrengt wirkt.

Maha Vajiralongkorn ist der einzige Sohn von Bhumibol und dessen Frau Sirikit. Seit jungen Jahren hat er einen Ruf als Lebemann: drei gescheiterte Ehen, sieben Kinder. Vor der Krönung heiratete er noch schnell, zum vierten Mal. Die meisten Thais kennen ihn als jemanden, der selten freundlich dreinschaut. Bislang bewies er vor allem, wie wichtig es ihm ist, Macht zu haben.

Glücklich sieht er während der zweistündigen Krönung nie aus. In manchen Momenten lässt sich das nachvollziehen. Zum Beispiel zu Beginn, als er von oben eine Dusche reinigendes Wasser über den Kopf bekommt. Er trägt dazu nur weiße Schlappen und weiße Toga - ungewohnt schulterfrei, zumindest in der Heimat. Bei der Krönung hat er goldene Knickerbocker, einen goldenen Mantel und schwarze Lackschuhe an.

Als er das Sieben-Kilo-Gewicht auf den Kopf wuchtet, wackelt es gefährlich. Es geht zwar gut, aber bequem kann das jedenfalls nicht sein. Dann, jetzt voll in Amt und Würden, verspricht er: «Ich werde immer zum Glück und Wohl des Volkes regieren.» Freude strahlt er keine aus. Derzeit befindet sich die Thai-Politik - mal wieder - in einer Phase der Unsicherheit. Noch immer weiß man nicht, wie die Parlamentswahl im März ausgegangen ist.

Im Saal sind praktisch nur Familie und andere Thai-Elite dabei. An erster Stelle die neue Königin Suthida (40), vor kurzem noch seine Leibwächterin, sowie sein jüngster Sohn, Prinz Dipangkorn Rasmijoti. Der 14-Jährige, der in Bayern zur Schule geht, gilt als mutmaßlicher Thronfolger. Die Mutter fehlt: Ex-Königin Sirikit (86) musste letzten Monat ins Krankenhaus. Zum Ende müssen sich die Gäste vor dem frisch gekrönten König niederwerfen. Das Volk bleibt ganz außen vor.

Am Tag danach ist das anders. Der König zeigt sich - und wie. Bei anfangs irrsinniger Hitze und praller Sonne lässt er sich sieben Kilometer durch die Stadt tragen, auf einer Sänfte mit goldenen Thron. Auf dem Kopf hat er keine Krone, sondern einen gefiederten Hut. Gelächelt wird auch jetzt nicht. Die Träger müssen schuften. Noch schlimmer sind die Soldaten mit Bärenfellmütze dran. Als einziges Land Südostasiens war Thailand nie Kolonie, aber einige unsinnige Dinge hat man sich trotzdem abgeschaut.

Auch die Leute am Straßenrand - 200 000 mindestens, eher viel mehr - schwitzen. Dutzende erleiden Schwächeanfälle. Fast alle in gelb, der Farbe des Königshauses, aber längst nicht alle freiwillig. Die Regierung hat viele Beamte dienstverpflichtet. Am Palast zeigt ein Ministerialbeamter die Aufforderung. Dann fügt er schnell hinzu: «Ich wäre aber auch so gekommen.» Als der König vorbeigetragen wird, geht er so tief in die Knie wie alle anderen auch. So gehört sich das hier.

Alles in allem kosten die Feiern etwa 30 Millionen Euro - eine Kleinigkeit, wenn man mit geschätzt mehr als 35 Milliarden Euro zu den reichsten Monarchien der Welt gehört. Im Oktober soll es eine weitere große Parade geben, diesmal auf dem Fluss. An diesem Montag will sich der frisch gekrönte König noch vom Balkon aus ans Volk wenden, dann mit ein paar Worten mehr. Und, wer weiß? Vielleicht lächelt er dabei sogar kurz.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 05. 2019
17:07 Uhr

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05. 05. 2019
17:07 Uhr



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