Lade Login-Box.
Topthemen: Mit Video: HöllentalbrückenSchlappentag

Topthemen

Bayer verliert neuen US-Glyphosat-Prozess

Bayer muss im juristischen Streit um den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat in den USA erneut eine Niederlage einstecken. Es geht um viel Geld. Der Pharmariese will Rechtsmittel einlegen.



Roundup
Das Unkrautvernichtungsmittel «Roundup» in einem Ladenregal in San Francisco.   Foto: Haven Daley/AP

Für Bayer-Chef Werner Baumann wird es immer ungemütlicher. Nach bereits zwei verlorenen Prozessen um Krebsrisiken von Unkrautvernichtern der US-Tochter Monsanto hatten Beobachter zwar auch im dritten Prozess mit einer Niederlage gerechnet.

Das Ausmaß des Denkzettels hatte aber wohl kaum jemand auf dem Zettel. Die Geschworenen-Jury des zuständigen Gerichts im kalifornischen Oakland verurteilte Bayer am Montag (Ortszeit), Schadenersatz in Höhe von insgesamt über zwei Milliarden US-Dollar (1,78 Mrd Euro) an das klagende Rentnerehepaar zu zahlen. Bayer beharrt auf der Sicherheit von Glyphosat und will in Berufung gehen.

Der Aktienkurs setzte die Talfahrt der vergangenen Monate kurz nach dem Handelsstart am Dienstag fort. Die im Dax notierte Aktie sackte um bis zu fünf Prozent auf 53,65 Euro und damit den tiefsten Stand seit 2012 ab.

Der größte Teil der Zahlung entfällt auf den sogenannten Strafschadenersatz, wofür es im deutschen Recht keine Entsprechung gibt. Der eigentliche Schadenersatz liegt bei 55 Millionen Dollar. Die Geschworenen wollten offenbar ein deutliches Signal senden, auch wenn sie nicht davon ausgingen, dass der Strafschadensersatz in dieser Höhe Bestand haben wird, erklärte ein Börsenhändler. Der Klägeranwalt hatte eine Milliarde gefordert und dabei auf die mit Glpyhosat erzielten Gewinne verwiesen.

Im ersten Prozess hatte eine Jury Bayer vergangenen August zunächst zu 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung verdonnert. Die Richterin reduzierte die Summe später zwar auf rund 78 Millionen Dollar, dem Aktienkurs half das aber wenig, verdeutlichte der Fall den Investoren doch die großen Risiken durch den Monsanto-Kauf. Im Ende März verlorenen zweiten Prozess steht eine ähnlich hohe Summe im Raum.

Damals wie heute betonte Bayer, die Urteile stünden in direktem Widerspruch zu vielen Studien zur Sicherheit von Glyphosat. Und in der Tat hatte die US-Umweltbehörde EPA den Unkrautvernichter Glyphosat erst Anfang Mai weiterhin als nicht krebserregend eingestuft.

Ob der glyphosatbasierte Verkaufsschlager Roundup Krebs verursacht, bleibt indes umstritten. So fußt die Klagewelle in den USA im Grunde auf einer Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Unkrautvernichter 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen einstufte.

Die Klagerisiken unterschätzt zu haben, ist der größte Vorwurf, dem sich Bayer-Chef Baumann stellen muss. Auf der Hauptversammlung Ende April verweigerten ihm die Aktionäre sogar die Entlastung. Ein einmaliges Ereignis für einen amtierenden Chef eines Dax-Konzerns.

An der Börse bringt es der Konzern auf gerade einmal noch rund 50 Milliarden Euro Unternehmenswert. Zum Vergleich: Für Monsanto legten die Leverkusener 63 Milliarden Dollar oder zum aktuellen Wechselkurs rund 56 Milliarden Euro auf den Tisch.

Bayer-Chef Baumann betonte derweil unlängst, dass man angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen dürfe, der Monsanto-Kauf auf lange Sicht aber dennoch der richtige Schritt gewesen sei. «Wir halten die Monsanto-Akquisition nach wie vor für werthaltig und strategisch richtig.»

Mit Blick auf den Fortgang der Prozesse setzt Baumann auf die nächsten Instanzen und die dort zuständigen Berufsrichter, nachdem die Geschworenen in den ersten Runden aus der normalen Bevölkerung kamen. Von den Berufsrichtern erhofft sich Bayer größeres Augenmerk für die immer wieder zitierten Studien zur Sicherheit von Glyphosat und sachlichere Urteile. Die Berufungsverfahren können sich aber sehr lange hinziehen, im laufenden Jahr wird voraussichtlich keine Entscheidung mehr fallen.

Bis die Prozesse durch alle Instanzen gegangen sind, fließt seitens Bayer voraussichtlich auch erst einmal kein Geld. Allerdings dürfte der Druck nun zunehmen, sich mit Klägern zu vergleichen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
14:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktien Aktienkurse Aktionäre Bayer-Chefs Börsenhändler Dax-Konzerne Deutscher Aktien Index Monsanto Pharmakonzerne Wechselkurs Weltgesundheitsorganisation Werner Baumann Wertpapierbörse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trump und Xi

14.05.2019

Trump tritt im Handelskrieg leicht auf die Bremse

Donald Trump hat den Handelskrieg mit China drastisch verschärft. Jetzt signalisiert der US-Präsident wieder Gesprächsbereitschaft. Ein Deal sei möglich. Die Märkte sind irritiert. » mehr

Logos

12.04.2019

Belegschaft der Deutschen Bank mehrheitlich gegen Fusion

Die Ergebnisse der internen Umfrage sind ein Alarmsignal für Christian Sewing: In der Belegschaft der Deutschen Bank gibt es keine Mehrheit für einen Zusammenschluss mit der Commerzbank. Im Gegenteil. » mehr

Christian Sewing

17.03.2019

Ex-Azubi mit Jägermentalität: Deutsche-Bank-Chef Sewing

Führungsstärke» und «Durchsetzungskraft» - die Erwartungen an Christian Sewing sind groß, als der Aufsichtsrat den damals 47-Jährigen im April 2018 auf den Chefsessel des größten deutschen Geldhauses befördert. » mehr

Handelsstreit

25.02.2019

Trump verlängert Frist im Handelsstreit mit China

Über Monate lieferten sich die USA und China einen beispiellosen Handelskonflikt. Beide Seiten überzogen sich gegenseitig mit Strafzöllen und Donald Trump drohte mit einer weiteren Eskalation. Nun aber gibt er Peking meh... » mehr

Politische Krise in Venezuela

25.01.2019

Der Ruin des Karibik-Sozialismus

Das Elend in Venezuela fängt schon am Flughafen an. Das Öl wurde zum Segen und Fluch zugleich - aber auch deutsche Unternehmen stehen vor der Frage: Besser bleiben, um dabei zu sein, wenn die Wende kommt? » mehr

Auto-Export

18.05.2019

Trump lässt bei Zöllen locker - wettert aber gegen die EU

Vor einem Jahr schockt Trump die Welt mit Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium. Nun schafft er erstmals selbst auferlegte Handelsschranken wieder ab. Auch die deutschen Autobauer können vorerst aufatmen - aber der US-Prä... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wunsiedel

Brunnenfest in Wunsiedel | 22.06.2019 Wunsiedel
» 221 Bilder ansehen

Rock im Hof 2019

Rock im Hof 2019 | 20.06.2019 Hof
» 98 Bilder ansehen

FC Vorwärts Röslau - SpVgg Bayern Hof 4:5

FC Vorwärts Röslau - SpVgg Bayern Hof 4:5 | 23.06.2019 Röslau
» 84 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
14:34 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".