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Immer weniger Plastiktüten - Aber das Problem liegt anderswo

Es ist an den Ladenkassen inzwischen Standard: «Wollen Sie eine Tüte - für 20 Cent?» Seit die Plastiktaschen etwas kosten, greifen die Deutschen seltener zu. Gute Nachricht, finden Umweltschützer. Es reiche aber noch lange nicht.



Plastiktüten
Die Zahl der verbrauchten Plastiktüten in Deutschland geht weiter zurück.   Foto: Bernd Wüstneck/Illustration

Kleine Gebühr, beachtliche Wirkung: Die Plastiktüte an der Ladenkasse wird immer mehr zum Auslaufmodell. Pro Kopf verbrauchten die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr noch 24 Tüten - das waren 5 weniger als im Jahr zuvor.

Die hat die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung ermittelt. Die Gesamtzahl der verbrauchten Plastiktüten ging um etwa 400 Millionen auf zwei Milliarden zurück.

2016 lag der Verbrauch noch bei 45 Tüten pro Kopf, 2015 sogar bei 68. Hintergrund ist, dass viele Händler die Tragetaschen nicht mehr umsonst an Kunden ausgeben, sondern freiwillig Geld verlangen.

Umweltschützer und Bundesregierung begrüßten die neuen Zahlen - mahnten aber auch, dass das noch lange nicht reiche im Kampf gegen Müllberge und den Verbrauch wertvoller Ressourcen. Experten sind sich zudem einig, dass Alternativen wie Papiertüten der Umwelt nicht unbedingt weiterhelfen.

Die mit dem Handel vereinbarte Bezahlpflicht wirke, könne aber nur der Anfang sein, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. «Mein Ziel ist, dass wir den Plastikverbrauch insgesamt auf ein sinnvolles Maß reduzieren.» Die SPD-Politikerin will im Herbst eine weitere Vereinbarung schließen, die insbesondere bei Obst und Gemüse für weniger Verpackungen sorgen soll.

In Geschäften liegen nicht nur eingeschweißte Gurken, Tomaten und Möhren in Plastikschalen und Orangen in Netzen in der Auslage. Kunden packen die Früchte auch oft in kleine, besonders leichte Tütchen - wegen ihrer Form heißen sie bei Fachleuten auch Hemdchenbeutel. Die sind nicht Teil der Vereinbarung zwischen Handel und Regierung, es gibt sie weiter umsonst. Und sie bleiben beliebt: 2017 griffen die Deutschen im Schnitt 39 Mal pro Kopf zu.

Zahlen für 2018 gab es zu diesen Tüten am Freitag nicht, denn es ging nur um das Monitoring der Vereinbarung zwischen Handel und Regierung. Der Handel habe Wort gehalten, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), - und nutzte die Gelegenheit, die Forderung nach einem Verbot der Tüten zurückzuweisen: «Die Wirtschaft muss sich auf Vereinbarungen mit der Bundesregierung verlassen können», sagte er. Da die Tragetaschen aus Kunststoff über den Gelben Sack entsorgt würden, landeten Tüten aus Deutschland auch nicht in den Weltmeeren.

So ein Verbot hatte zuletzt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) gefordert und dafür Unterstützung von Umweltverbänden erhalten. Die Einweg-Plastiktüte sei ein «Symbol für unsere umweltschädliche Wegwerf- und Konsumkultur», heißt es etwa beim Naturschutzbund BUND. Es bringe aber nichts, Plastiktüten einfach durch Papiertüten zu ersetzen, weil die in der Herstellung die Umwelt genau so belasteten. BUND-Experte Rolf Buschmann betonte, nötig sei ein echter Richtungswechsel hin zu Mehrweg-Lösungen. Und dafür brauche es nicht nur freiwillige Vereinbarungen, sondern feste Ziele und Quoten - inklusive Sanktionen, falls sie nicht erreicht werden.

Selbst ein Sprecher des Bundesumweltministeriums hatte kürzlich gesagt, bei den Plastiktüten gehe es «im Grunde genommen um Peanuts»: Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus. Es gibt inzwischen Läden, die komplett auf Verpackungen verzichten, da können sich Bürger die Waren selbst abfüllen. Aber auch große Handelsketten haben Initiativen gestartet, Obst- und Gemüsetüten etwa durch mehrfach verwendbare Netze zu ersetzen oder indem die wichtigsten Angaben per Laser auf die Früchte geschrieben werden.

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny, forderte ein systematisches Monitoring auch für Papiertüten und «Hemdchenbeutel» - der rückgängige Verbrauch von Plastiktüten sei «nur die halbe Wahrheit», sagte sie.

Auch die Europäische Union macht Vorgaben zu Plastiktüten, die beziehen sich aber nur auf relativ leichte mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometern. 2025 darf der Verbrauch in den EU-Staaten pro Kopf nur noch bei 40 pro Kopf und Jahr betragen, in Deutschland lag er schon im vergangenen Jahr nur noch bei 20. Bei anderen Plastik-Artikeln wie etwa Besteck, Teller und Strohhalme setzt die EU auf Verbote: Solche Artikel, die besonders oft an Stränden gefunden werden, sollen von 2021 an nicht mehr verkauft werden.

Das Problembewusstsein mit Blick auf Plastikmüll ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen - vor allem, weil er tonnenweise in den Weltmeeren landet und dort Fische, Vögel und andere Tiere tötet oder gefährdet. Deutsche Plastikabfälle tragen dazu zwar wenig bei. Umweltschützer betonen aber, dass Industriestaaten eine Vorbildfunktion hätten und Lösungen entwickeln müssten.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
15:43 Uhr

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17. 05. 2019
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