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Hintergründe

Brand im Hochhaus: Schutzmaßnahmen und Rettungsmöglichkeiten

Der Brand in London hat für Entsetzen gesorgt. Und viele Fragen zur Brandsicherheit in Deutschland aufgeworfen.



Hochhausbrand in Seoul
Ein Wohnblock brennt in Seoul: Immer wieder werden Hochhäuser zur tödlichen Falle.   Foto: Lee Min-Jin

Der Gedanke an ein Feuer in einem Hochhaus löst Angst aus. Fluchtwege sind möglicherweise von Flammen und dichtem Rauch versperrt. Die Leitern der Feuerwehr reichen nicht bis in das 20. Stockwerk. Und zum Springen sind 70 Meter zu viel.

Was macht Brände in Hochhäusern so kompliziert und gefährlich?

Die Bekämpfung von Bränden und die Rettung von Menschen in hohen Häusern ist besonders problematisch, weil die Feuerwehrleute nur schwer in die Nähe der Flammen gelangen. «Je höher das Feuer ausbricht, desto schwieriger ist es für uns, es zu bekämpfen», sagt der Pressesprecher der Berliner Feuerwehr, Thomas Kirstein, der früher für den Fachbereich Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz zuständig war. Das Wasser in den 17. Stock zu befördern sei eben schwieriger als beim Erdgeschoss.

Auf welche Hilfen kann die Feuerwehr in solchen Fällen zählen?

Hochhäuser sind sogenannte Gebäude mit besonderen Gefahren, daher gibt es im deutschen Baurecht auch besondere Vorschriften. Jedes moderne Hochhaus über 22 Meter muss einen geschützten Feuerwehraufzug und eine sogenannte Steigleitung haben. Das sind Wasserleitungen, die nur für die Feuerwehr zur Verfügung stehen und in jedem Stockwerk Wasser zum Löschen bereitstellen. Die Grenze von 22 Metern ist deshalb wichtig, da man bis dahin mit Leitern kommt. Die Feuerwehren verfügen für jedes Hochhaus über Pläne, die die Lage der Aufzüge und Steigleitungen mit ihren Anschlussstellen genau darstellen. Es muss außerdem eine Brandmeldeanlage geben. Alle hohen Neubauten müssen über Sprinkleranlagen verfügen, die man sonst nur von Bürogebäuden und Hotels kennt.

Wie geht die Feuerwehr bei einem Hochhausbrand vor?

Bei allen Bränden dieser Art wird sofort ein Großeinsatz ausgelöst. Die Feuerwehrleute versuchen, durch Rauch und Hitze zum eigentlichen Brand vorzudringen. Das geht am besten über die Feuerwehraufzüge oder auch durch Treppenhäuser. Allerdings müssen die Feuerwehrleute eine schwere Brandschutzausrüstung und Atemgeräte tragen und verfügen nur über einen begrenzten Luftvorrat. Gelöscht wird dann im Gebäude unter anderem mit dem Wasser aus den Steigleitungen. Je nach den Umständen kann die Feuerwehr auch in mehreren Stockwerken gleichzeitig löschen. Sollte das Feuer auch die Fassade betreffen, würde die Feuerwehr auch versuchen, von Leitern aus von außen zu löschen.

Warum werden keine Hubschrauber eingesetzt?

«Das wäre ein Mittel der allerletzten Wahl», sagt Kirstein von der Berliner Feuerwehr. Bei starken Bränden könnten die Piloten wegen des Rauchs nicht genug sehen. Außerdem können Hubschrauber das Wasser nicht so gezielt wie nötig abwerfen.

Wie können Menschen gerettet werden?

Die Feuerwehr kann Menschen über Leitern, Feuerwehraufzüge und Treppenhäuser aus hohen Geschossen holen. Die Menschen bekommen bei Bedarf Atemmasken oder Brandschutzhüllen übergestülpt, um sie gegen das Einatmen des hochgefährlichen Rauches zu schützen. In normalen Mietshäusern ist der Rauch im Treppenhaus oft erstmal gefährlicher als der Brand selber.

In Hochhäusern gibt es extra Flucht- und Rettungswege. Dazu zählen auch die sogenannten Sicherheitstreppenräume, die statisch und technisch komplett vom Resthaus getrennt sind. Sie verfügen über brandsichere Wände und schwere Sicherheitstüren, die von selber wieder zufallen, damit sich das Treppenhaus nicht mit Rauch füllt. «Die Rettung durch Abseilen oder Hubschrauber ist alles Filmfantasie», sagt Andreas Ruhs von der Feuerwehr Frankfurt.

Wie müssen Hochhäuser sonst gebaut sein?

Es gibt Baubestimmungen zu feuerbeständigen Gebäuden. Die Bautechnik soll verhindern, dass das Feuer von Geschoss zu Geschoss überschlagen kann. Dazu müssen die Betonwände und -decken der Stockwerke brandsicher sein, das Feuer darf keinen Weg durch Leitungsschächte oder Treppenhäuser nach oben finden.

Gilt das auch für die Fassade?

Manche Bilder aus London ließen vermuten, dass dort die Fassade des Hauses brannte. Deutsche Feuerwehrexperten wollten das zunächst nicht beurteilen. Nach den deutschen Baubestimmungen dürfen die Fassadenmaterialien hoher Gebäude nicht brennbar sein, damit die Flammen sich nicht darüber ihren Weg nach oben bahnen. Nach Meinung mancher Experten gelten in Deutschland in dieser Hinsicht europaweit die schärfsten Richtlinien. Der Leiter der Frankfurter Feuerwehr, Ries, sagte: «Die Briten und die Franzosen haben das nicht. In Europa sind wir die einzigen.»

Gibt es Mängel oder Lücken beim Brandschutz in hohen Gebäuden?

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) forderte am Mittwoch eine Überprüfung älterer Gebäude in Deutschland. Dort gebe es in der Regel weder Sprinkleranlagen noch Notrufeinrichtungen. Zugleich sei es dringend erforderlich, die hohen Standards auch auf internationaler Ebene zu vereinheitlichen und voranzutreiben.

Quellen:

Berliner Feuerwehr, Frankfurter Feuerwehr, Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb).

Veröffentlicht am:
14. 06. 2017
15:05 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
14. 06. 2017
15:05 Uhr



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