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Hintergründe

Schwarz-Grünes Zittern in Hessen

Die Grünen erleben in Hessen einen Höhenflug und könnten dadurch die CDU an der Macht halten. Die Ökopartei feiert ihren Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir wie einen Popstar. Bei der CDU ist die Freude eher verhalten.



Bouffier und Al-Wazir
Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir müssen um den Fortbestand ihrer schwarz-grünen Koalition bangen.   Foto: Oliver Dietze

Die Ohrfeige der Wähler für Ministerpräsident Volker Bouffier und seine CDU ist schallend - und doch haben sie noch Chancen, an der Macht zu bleiben. Zu verdanken hat Bouffier dies dem historischen Höchstwert der Grünen.

Sollte es für eine Fortsetzung für Schwarz-Grün in Hessen tatsächlich reichen, wird sich nach dem dramatischen zweistelligen Einbruch der Christdemokraten jedoch einiges in der hessischen Landesregierung ändern.

Unterschiedlicher kann nach den ersten Prognosen die Stimmung auf den Wahlpartys im Hessischen Landtag nicht sein: Während bei den Grünen tosende Euphorie herrscht, schon gleich nach 18 Uhr die Sektgläser klirren und Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir wie ein Popstar gefeiert wird, löst sich bei der CDU erst langsam die Anspannung.

«Alles wird gut», «Das reicht» und «Wird schon werden», lauten die Kommentare, als die Balken der ersten ARD-Hochrechnungen eine knappe Mehrheit für die bisherige schwarz-grünen Regierung zeigen. Erst als CDU-Chef Volker Bouffier kurz darauf bei seinen Parteifreunden im Fraktionssaal vorbeikommt, brandet erleichterter Applaus auf.

Dass es - wenn rechnerisch möglich - zu einer Neuauflage der schwarz-grünen «Kuschel-Koalition» kommen sollte, deuten CDU und Grüne bereits wenige Minuten nach den ersten Zahlen an. Beide Parteien reklamieren trotz der zunächst knappen Mehrheitsverhältnisse für sich, in Hessen regieren zu wollen.

«Wir werden erneut den Anspruch erheben, die Landesregierung in Hessen anzuführen», verkündet Bouffier gewohnt selbstbewusst. Den Absturz der Hessen-CDU auf deutlich unter 30 Prozent heftet sich der CDU-Bundesvize nicht ans Revers, er schiebt die Verantwortung nach Berlin und auf die Dauerquerelen in der GroKo ab.

«Wir werten das Ergebnis als klaren Auftrag, an der nächsten Regierung beteiligt zu sein», sagt Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner. Auch Al-Wazir spricht von einem «Auftrag» an seine Partei und bricht es gewohnt pointiert auf den Punkt: «Wir sind die Gewinner dieses Wahlabends.»

Auf dem Prüfstand steht jetzt vor allem, wie dick die Männerfreundschaft zwischen dem hessischen CDU-Vorsitzenden Bouffier und seinem Vize-Regierungschef Al-Wazir ist. Fast fünf Jahre arbeitete das anfangs kritisch beäugte Bündnis zwischen Konservativen und Ökopartei nahezu geräuschlos Hand in Hand. Sollten die Grünen erneut in das Bündnis einsteigen, werden die Macher der Partei bei der Ressortverteilung die Hand weit aufmachen. Womöglich wird auch ein neuer Koalitionsvertrag deutlich grüner, mit mehr Akzenten des kleineren Partners etwa bei der Umwelt- und Verkehrspolitik.

Bislang haben die Grünen zwei Ministerien - da weckt der Zuwachs bei den Prozentpunkten sicherlich Begehrlichkeiten. Der bundesweite Höhenflug der Partei wird bei den zu erwartenden Gesprächen mit der CDU für zusätzlichen Rückenwind sorgen.

Falls es für Schwarz-Grün doch nicht reicht, könnte die Reise womöglich nach Jamaika gehen, und die FDP kommt mit ins Regierungsboot. Dann aber muss Bouffier seinen vollmundig formulierten Prophezeiungen Taten folgen lassen, dass er auch schwierige Bündnisse schmieden kann.

Obwohl die Liberalen im Wahlkampf deutlich zu verstehen gaben, dass sie in Hessen unbedingt wieder regieren wollen und dabei auch bereit sind, eine grüne Kröte zu schlucken, wird sich die FDP nicht unter Wert verkaufen.

So kündigte FDP-Spitzenkandidat René Rock schon lange vor dem Schließen der Wahllokale an, dass die FDP bei einer Regierungsbeteiligung den Anspruch auf das prestigeträchtige Wirtschaftsministerium erhebt. Dort sitzt bislang der Grüne Al-Wazir auf dem Chefsessel - und er hatte in den vergangenen Jahren sichtlich Spaß an dem Job. Fraglich ist zudem, ob auch ein Trio wie bislang das Duo ohne öffentliches Gezänk auskommen würde. Oder ob dann gilt: Drei sind einer zuviel.

Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
21:03 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
21:03 Uhr



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