Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

Hintergründe

Kremlchef Putin im Dauermodus Konfliktmanagement

Konflikte über Konflikte und Russland immer ganz vorn mit dabei. Ob in Libyen und Syrien und nun auch in Nordkorea, Kremlchef Putin mischt überall mit - und stiehlt zumindest bisweilen US-Präsident Trump die Show.



Wladimir Putin
Wladimir Putin hatte Kim Jong Un vor fast einem Jahr zu dem Treffen eingeladen.   Foto: Alexei Druzhinin/Pool Sputnik Kremlin/AP

Auf dieses erste Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Kremlchef Wladimir Putin fast ein Jahr gewartet. So lange ist es her, dass der russische Präsident den Nachbarn eingeladen hat. Nun ist der Mann mit dem schwarzen Mantel und Hut da.

Angekommen mit dem gepanzerten grünen Zug, mit dem schon sein Vater und Großvater durch das Riesenreich zuckelten. Angekommen in der Hafenstadt Wladiwostok im äußersten Osten Russlands - gar nicht so weit weg von der nordkoreanischen Grenze. Mit diesem Gipfel bekommen die Russen direkten Zugriff auf den Konflikt um das umstrittene Atomprogramm Nordkoreas.

Bisher konnten sie nur zuschauen, wie die Nordkoreaner erfolglos mit US-Präsident Donald Trump verhandelten. Der Streit beschäftigt die Russen seit langem. Dass sie mit diesem ersten Putin-Kim-Gipfel nun mittendrin sind, komplettiert Moskaus lange Liste der internationalen Konfliktlösungspolitik. Und das Treffen passt zu dem inzwischen wieder voll entbrannten Anspruch, überall in den Krisen - ob in Venezuela, Libyen oder Syrien - mitzumischen und Lösungen anzubieten.

Putins Spezialität dabei: Er redet auch mit jenen, die so viel Blut an den Händen haben, dass kein anderer Weltpolitiker sich noch öffentlich zeigen würde mit ihnen. Kim sagte dem russischen Staatsfernsehen nach seiner Ankunft, er hoffe auf nützliche Gespräche über das Atomprogramm mit Putin. Lösen wird der Kremlchef den Konflikt freilich nicht. Aber als Vetomächte im UN-Sicherheitsrat können Russland und Kims Nachbar China immer wieder Grenzen setzen.

Und so dürfte der nordkoreanische Diktator das Treffen vor allem nutzen, um US-Präsident Trump zu zeigen, dass er trotz des internationalen Drucks Allianzen schmieden kann. Die Verbindungen zwischen Pjöngjang und Moskau sind seit gemeinsamen kommunistischen Zeiten eng. Kim wolle nun durch seinen ersten Russland-Besuch die USA zum Kurswechsel bewegen, meinte der Moskauer Experte Wladimir Frolow in der Zeitung «Wedomosti» (Mittwoch). Statt eines kompletten Endes des Atomprogramms, wie es die USA wollen, ein Vorgehen in Etappen: Für jeden Schritt bei der Abrüstung sollen im Gegenzug UN-Sanktionen gegen Pjöngjang fallen. Das unterstützt Putin.

Und der Kremlchef gefällt sich längst in der Rolle des internationalen Konfliktmanagers. Im Syrien-Konflikt hat er den engsten Draht zu dem Machthaber Baschar al-Assad. Die Russen haben auch die Türkei und den Iran zur Lösung des Konflikts an einen Tisch gebracht. In der kasachischen Stadt Nur-Sultan (früher Astana) treffen sich an diesem Donnerstag die Delegationen der drei Länder zu neuen Syrien-Gesprächen. In Moskau kommen zudem die Sondergesandten aus Russland, China und den USA, um über einen möglichen Frieden in Afghanistan zu sprechen.

Und auch in Libyen mischen die Russen kräftig mit. Bei seiner Offensive gegen die Anhänger der international anerkannten Regierung in der Hauptstadt Tripolis kann der libysche General Chalifa Haftar auf volle Unterstützung Russlands zählen. Der 75-Jährige ist regelmäßig zu Gast in Moskau. Im Januar 2017 wurde ihm sogar die Ehre zuteil, die im Mittelmeer kreuzende «Admiral Kusnezow» zu besuchen, den einzigen Flugzeugträger der russischen Marine. In Uniform stand er damals salutierend vor den russischen Matrosen.

Wie genau Russland Haftar unter die Arme greift, ist unklar. Immer wieder kursieren Gerüchte, russische Söldner seien in Libyen im Einsatz. Belege dafür aber gibt es nicht. Zumindest aber politisch kann der General auf Moskau zählen. Dass es der UN-Sicherheitsrat bislang nicht geschafft hat, sich auf eine Resolution zu einigen, die Haftar zur Räson ruft, liegt nicht zuletzt an Russlands Blockade. Russland forderte Haftar am Mittwoch aber auch zum Dialog auf.

Gleichwohl: Russland setzt in Libyen nicht allein auf Haftar. Auch mit dessen Rivalen, der international anerkannten Regierung, bleibt der Kreml im Gespräch. Und nicht zuletzt pflegt Moskau weiterhin gute Kontakte zur Familie des 2011 gestürzten Gaddafi.

In den vergangenen Jahren ist es Moskau durch solche Diplomatie und den Einsatz des Militärs gelungen, seinen Einfluss im Nahen Osten deutlich auszudehnen. In Syrien hat sich Russland neben dem Iran längst zur bestimmenden Macht entwickelt. Der Westen spielt nur eine Nebenrolle.

Gute Beziehungen pflegt Putin auch zum saudischen Königshaus, insbesondere zum jungen und extrem ehrgeizigen Kronprinzen Mohammed bin Salman. So gewinnt Russland mehr und mehr eine Rolle, wenn nicht als Weltmacht, so doch als Akteur zurück, gegen dessen Interessen andere im Nahen Osten kaum handeln können.

Gerade in Libyen dürfte das Putin mit Genugtuung erfüllen. 2011 ließ Russland nämlich unter Führung des damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew eine Resolution des UN-Sicherheitsrates passieren. Das ermöglichte den westlichen Staaten Luftschläge gegen Libyens Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi. Doch Putin, damals Regierungschef, grollte, als der Kampfeinsatz begann. Und als Gaddafi getötet wurde, erzürnte dies das Riesenreich.

Russland tut längst eine Menge, seinen damals verlorenen Einfluss in dem nordafrikanischen Land zurückzugewinnen. Und nicht nur dort. Insgesamt versuchen die Russen auf dem afrikanischen Kontinent, Fuß zu fassen. Wohl auch deshalb lädt Putin im Oktober erstmals zu einem großen Russland-Afrika-Gipfel ein. In Sotschi am Schwarzen Meer unter Palmen - der Stadt der Olympiaspiele von 2014 - werden dann 10.000 Gäste erwartet.

Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
10:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Admiräle Baschar al-Assad Dmitrij Medwedew Donald Trump Generäle Hafenstädte Kim Chongun Marine Mohammed bin Salman Muammar al- Gaddafi Muammar al-Gaddafi Naher Osten Nordkoreanisches Atomprogramm Präsidenten Russlands Präsidenten der USA Russische Marine Russische Regierung Syrischer Bürgerkrieg UN-Sicherheitsrat Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Gespräch

25.04.2019

Putin findet «Raketenmann» Kim ziemlich interessant

Im Atomstreit findet der nordkoreanische Machthaber Kim nun einen Vermittler in Russland. Nach seinem ersten Gipfeltreffen mit Kim will sich nun Putin um eine mögliche Lösung des Konflikts kümmern - und dabei auch in Was... » mehr

G20-Gipfel in Osaka

28.06.2019

G20 - Der große, kleine Kreis der Weltpolitik

Der G20-Gipfel heißt G20, weil 20 Staatsmänner und -frauen zum Problemlösen zusammenkommen. Seit Donald Trump dabei ist, leidet die Idee. Der Amerikaner nutzt das Forum, um sich seine Gesprächspartner herauszupicken. And... » mehr

John McCain

11.07.2019

Staatsgeheimnis Gesundheit: Nicht nur Merkel ist schweigsam

Die Kanzlerin verrät auch nach insgesamt vier Zitteranfällen nicht viel über ihre Gesundheit. Auch in anderen Ländern wird der Gesundheitszustand der Staats- und Regierungschefs wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Es gibt a... » mehr

Donald Trump

10.05.2019

Trumps Außenpolitik auf dem Prüfstand

Donald Trump hat sich nach zwei Jahren Amtszeit in eine Reihe gefährlicher Konflikte hineinziehen lassen - Iran, Nordkorea, Venezuela. Eine Strategie, diese zu lösen, ist schwer erkennbar. In seinem Stab übernimmt ein Ha... » mehr

Angriff auf Migrantenzentrum in Libyen

03.07.2019

Libyen in der Abwärtsspirale

Acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Gaddafi gehen die Chancen auf eine politische Lösung in Libyen gegen null. General Haftar will die Macht im ganzen Land gewaltsam an sich ziehen. Ein schwerer Angriff auf... » mehr

Donald Trump

24.06.2019

Zehn Minuten vor dem Krieg? Trump bläst Angriff auf Iran ab

Ein Angriff der USA auf den Iran steht unmittelbar bevor, dann sagt ihn Präsident Trump in letzter Minute ab. Endgültig gebannt ist die Gefahr eines Krieges damit nicht. Der Konflikt bleibt ungelöst. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wiesenfest Kirchenlamitz

Wiesenfest Kirchenlamitz | 15.07.2019 Kirchenlamitz
» 35 Bilder ansehen

Selb

Selber Wiesenfest: Samstag | 13.07.2019 Selb
» 138 Bilder ansehen

Volkstriathlon Kulmbach

Volkstriathlon Kulmbach | 14.07.2019 Kulmbach
» 86 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
10:28 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".