Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Hintergründe

Putin findet «Raketenmann» Kim ziemlich interessant

Im Atomstreit findet der nordkoreanische Machthaber Kim nun einen Vermittler in Russland. Nach seinem ersten Gipfeltreffen mit Kim will sich nun Putin um eine mögliche Lösung des Konflikts kümmern - und dabei auch in Washington eine Lanze für Pjöngjang brechen.



Im Gespräch
Mehrere Stunden verbrachte Putin mit Kim für eine wohl auf lange Sicht angelegte Beziehung.   Foto: Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremli/AP

Sein Urteil über den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un formulierte Kremlchef Wladimir Putin betont freundlich. Ein «ziemlich interessanter, inhaltsstarker Gesprächspartner» sei sein Gast, meinte der 66-jährige Putin.

Kim könnte sein Sohn sein - und zumindest Reporter im Tross des russischen Präsidenten machten sich in der Hafenstadt Wladiwostok dann auch lustig über den jungen Mann. Sie veröffentlichten einen Clip davon, wie der 35-Jährige im Tagungsort der Fernöstlichen Universität nervös mit seinen Fingern spielte, als er vor Putin und dem streng wie ein Professor schauenden russischen Außenminister Sergej Lawrow saß. Ihre Finger lagen still auf dem Tisch, während Kim teils in seine Notizen schaute.

Auch die Russen hatten sich - als Nachbarland von Nordkorea - zuletzt immer wieder besorgt gezeigt, wenn der von US-Präsident Donald Trump so bezeichnete «kleine Raketenmann» wieder mal einen Atomtest zündete. Aber Putin und sein Chefdiplomat neigten da nie zu Beschimpfungen. Bei dem mehrstündigen Treffen mit Kim - dem ersten der beiden überhaupt - machte Putin deutlich, dass Moskau und Washington ein gemeinsames Ziel haben: die Denuklearisierung Nordkoreas.

Dabei zeigte sich Putin verständnisvoll und betonte, dass Kim ein Anrecht darauf habe, Nordkorea als eigenständigen Staat zu führen. Und wenn er tatsächlich auf die Atomwaffen verzichte, dann brauche er internationale Sicherheitsgarantien. Dann müssten die Sanktionen fallen. Diese russische Linie für eine mögliche Lösung des Atomstreits will Putin auf Bitten von Kim nun als Vermittler in dem festgefahrenen Streit auch der US-Seite überbringen.

Mehrere Stunden verbrachte Putin mit Kim für eine wohl auf lange Sicht angelegte Beziehung. Kim wiederum konnte sich nach dem gescheiterten Gipfel mit US-Präsident Donald Trump vor zwei Monaten in Hanoi wieder als hofierter Staatsmann auf internationaler Bühne präsentieren. Er folgt damit einer alten nordkoreanischen Taktik: Wenn die Spannungen mit den USA zunehmen, wendet sich Nordkorea wieder seinen Nachbarn und traditionellen Freunden China und Russland zu, um Unterstützung zu suchen.

Er schenkte Putin ein Schwert, Putin gab ihm ein Teeservice und einen Säbel mit auf dem Weg. Weil das Schenken messerscharfer Gegenstände im Russischen immer von Aberglauben behaftet ist, tauschten beide Münzen aus. Das soll mögliches Böses abwenden.

Voll auskosten konnte Kim auch die legendäre russische Gastfreundlichkeit. Gab es am Mittwoch bei der Einreise mit dem Panzerzug am Grenzpunkt noch traditionell Brot und Salz, so ließ der Gastgeber für die Delegation unter anderem Krabbensalat, mit Hirschfleisch gefüllte Pelmeni und Schokotörtchen samt Chardonnay und Merlot servieren. Noch bis spätestens Samstag will Kim in der Hafenstadt bleiben. Geplant waren Besuche im Theater und im Delfinarium.

Putin selbst, der weiter nach China reisen wollte, schüttelte ihm lang und fest zum Abschied die Hand. Zeitweilig war zu sehen, wie sie auch ohne Dolmetscher sprachen - in welcher Sprache, war nicht zu hören. Bekannt ist aber, dass beide Deutsch können.

Der russische Präsident hatte zur gleichen Zeit seinen Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew in Seoul im Einsatz, um einen baldigen Gipfel auch mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In vorzubereiten. Und Putin selbst reiste nach dem Treffen mit Kim weiter zum «Seidenstraßen»-Gipfel nach Peking, wo er am Rande mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über die festgefahrene Lage auf der koreanischen Halbinsel sprechen will.

Wenn China und Russland jetzt mit Nordkorea über den Ausbau der Wirtschaftskooperation reden, geht es vor allem um Wege, wie mehr gehandelt werden kann, ohne allzu offen gegen Sanktionen zu verstoßen. Putin kann sich Öl- und Gasleitungen vorstellen, eine Erneuerung des Schienennetzes, gemeinsame Projekte am besten, die Nord- und Südkorea zugutekommen und so die Beziehungen verbessern.

Und auch zwischen China und Nordkorea ist der Handel schon wieder erwacht, ohne dass die USA sich groß beschweren. Auf der «Freundschaftsbrücke» in Dandong rollen die Lastwagen «Stoßstange an Stoßstange» über die Grenze von China nach Nordkorea, wie ein Diplomat schildert.

Offene Ohren in Moskau und Peking hat Kim also. Aber im UN-Sicherheitsrat können Russland und China allein nichts bewegen. In Hanoi hat US-Präsident Trump deutlich gemacht, dass er vorher sehr weitgehende Abrüstungsschritte erwartet, nicht nur die Stilllegung des Atomkomplexes Yongbyon. Auf kleine Schritte, wie von Kim angeboten, wollte sich der US-Präsident bisher nicht einlassen.

Dass er für ein Vorgehen in Etappen ist, machte nun auch Putin deutlich. Er versprach, Kims Linie nun so an Washington zu übermitteln. Kurz vor dem Gipfel der beiden war Trumps Nordkorea-Sondergesandter in Moskau. Die Russen sind hoffnungsfroh, dass sie trotz aller Spannungen mit den Amerikanern in diesem Punkt noch als Experten gehört werden.

Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
17:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Atomstreits Atomwaffen Atomwaffentests Außenminister Diplomaten Donald Trump Kim Chongun Moon Jae In Parteivorsitzende Präsidenten Russlands Präsidenten der USA Russische Außenminister Sergej Lawrow Staatsmänner UN-Sicherheitsrat Wladimir Wladimirowitsch Putin Xi Jinping
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Grenzübergang"

01.07.2019

Trump in Nordkorea: Schritte für die Geschichtsbücher

US-Präsident Donald Trump betritt nordkoreanischen Boden, schüttelt Machthaber Kim die Hand und parliert mit ihm: Das spontan bekanntgegebene Treffen hat eine enorme Symbolkraft. Doch Kritiker bezweifeln, dass den großen... » mehr

Kim Jong Un

06.02.2019

Kim Jong Un: Ein Machthaber mit zwei Gesichtern

Vom rätselhaften Machthaber zum internationalen Staatsmann: Kim Jong Un hat mit seinem Annäherungskurs zur Außenwelt viele überrascht. Doch bis zu welchem Grad treibt er auch eine Öffnung nach innen voran. » mehr

Wladimir Putin

25.04.2019

Kremlchef Putin im Dauermodus Konfliktmanagement

Konflikte über Konflikte und Russland immer ganz vorn mit dabei. Ob in Libyen und Syrien und nun auch in Nordkorea, Kremlchef Putin mischt überall mit - und stiehlt zumindest bisweilen US-Präsident Trump die Show. » mehr

Kramp-Karrenbauer im Irak

22.10.2019

AKKs Syrien-Initiative: Befreiungsschlag oder Rohrkrepierer?

Immer nur Bedauern und Besorgnis. Nach acht Jahren Bürgerkrieg in Syrien reicht es der CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Sie prescht mit einem Vorschlag vor - zum Ärger des Koalitionspartners. » mehr

Kaschmir-Konflikt

07.08.2019

Pulverfass Kaschmir - Droht jetzt ein neuer Krieg?

Inmitten großer Spannungen mit Pakistan entzieht Indien seiner Kaschmir-Region den international anerkannten Sonderstatus und provoziert das Nachbarland. Die Welt fürchtet einen neuen Krieg zwischen den beiden Atommächte... » mehr

Kim Jong Un

27.02.2019

Die Akteure im Nordkorea-Konflikt

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un kommen am Mittwoch und Donnerstag in Hanoi zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Traktor-Demo Bindlach

Traktor-Demo rollt nach Bayreuth | 22.10.2019 Bindlach
» 30 Bilder ansehen

Filmtage Eröffnungsparty

Filmtage-Eröffnungsparty | 22.10.2019 Hof
» 46 Bilder ansehen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu Plauen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu | 19.10.2019 Plauen
» 69 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
17:46 Uhr



^