Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Hintergründe

Spahns Pläne zur Masern-Impfpflicht

Die Masern ausrotten - das ist das Ziel des Gesundheitsministers. Gegen eine «fortschreitende Impfmüdigkeit» will Jens Spahn verpflichtende Impfungen für Kinder setzen. Andernfalls drohen empfindliche Sanktionen.



Masernimpfung
Ein Kinderarzt gibt einem Mädchen eine Masernimpfung.   Foto: Patrick Seeger

Jens Spahn macht Ernst. Der Bundesgesundheitsminister will verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder in Deutschland - von März 2020 an.

Wird nicht geimpft, drohen satte Geldstrafen. Kinder könnten außerdem von einem Kita-Besuch ausgeschlossen werden.

Warum will Spahn eine Impfpflicht?

Der CDU-Politiker hatte Vorschläge angekündigt, nun legt er konkrete Pläne vor. Masern gehörten zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen, heißt es im Gesetzentwurf. Sie brächten hohe Raten an Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich. «Eine Masern-Infektion ist damit anders, als vielfach angenommen, keine harmlose Krankheit.» Um die Zirkulation von Masern zu verhindern, seien Impfraten von mehr als 95 Prozent erforderlich. «Diese werden in Deutschland nicht erreicht.» Die angestiegenen Fallzahlen seien auf «fortschreitende Impfmüdigkeit» zurückzuführen. «Die bisherigen freiwilligen Maßnahmen zur Stärkung der Impfbereitschaft greifen nicht durch.» Unter anderem in Bayern, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen sei es in den letzten Jahren zu großen Ausbrüchen gekommen. Allein bis Anfang März 2019 seien dem Robert-Koch-Institut bereits 170 Masernfälle gemeldet worden.

Wie genau sehen die Pläne Spahns aus?

Ziel des Ministers ist es, Kinder besser vor Masern zu schützen. «Deswegen sollen alle, die eine Kita oder Schule besuchen, gegen Masern geimpft sein. Wer dort neu aufgenommen wird, muss das nachweisen», sagte Spahn der «Bild am Sonntag». Alle Eltern sollten sicher sein können, dass ihre Kinder nicht von anderen mit Masern angesteckt und gefährdet werden.

Wer schon in einer Schule oder einer Kita betreut werde, müsse den Nachweis bis zum 31. Juli nächsten Jahres nachreichen. Dieser soll über den Impfpass oder eine Impfbescheinigung erfolgen. Das soll auch für Erzieher und Lehrer gelten. Auch in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Arztpraxen soll das Personal eine Impfung nachweisen oder beweisen, die Krankheit bereits durchlitten zu haben und damit immun zu sein. Ziel ist es, Patienten zu schützen.

Kinder ohne Impfschutz sollen künftig vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden können. «Schließlich sind in Kitas auch Kinder unter zehn Monaten, die noch nicht geimpft werden dürfen und damit besonders gefährdet sind», so Spahn. Bei Schulen sei dies nicht möglich, da dort die Schulpflicht gelte. «Aber wer sein Kind nicht impfen lässt, dem drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro.» Diese würden durch die Gesundheitsämter veranlasst.

Warum genau sind Masern so gefährlich?

Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Es sei keine harmlose Kinderkrankheit, hatte Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts im März gesagt. «Wir sehen bei 1000 Erkrankten einen Todesfall.» Manchmal führt die Krankheit erst nach Jahren zum Tod, etwa bei der Masern-Gehirnentzündung SSPE - wer im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ist besonders gefährdet.

Seit wann wird gegen Masern geimpft?

Der erste Impfstoff wurde 1967 in Deutschland zugelassen. In der DDR wurde 1970 eine Pflichtimpfung eingeführt, in der Bundesrepublik eine Impfung ab 1974 empfohlen. Seit 1991 wird eine zweifache Impfung für alle Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren empfohlen. Die aktuelle Empfehlung lautet, die erste Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite Impfung im zweiten Lebensjahr durchführen zu lassen.

Wie geht es weiter mit den Plänen Spahns?

Spahn hat sein Vorhaben in der Koalition abgestimmt, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßte die Pläne. Der Referentenentwurf soll dem Vernehmen nach noch vor der Sommerpause vom Kabinett beschlossen werden. Bis Jahresende soll der Bundestag zustimmen. Das Gesetz soll dann am 1. März 2020 in Kraft treten.

Wie lautet Kritik an den Plänen?

Aus Sicht der EU-Kommission ist eine Impflicht kein Allheilmittel zur Eindämmung der Masern und anderer Infektionskrankheiten. «Zwang ist nicht die einzige Lösung», sagte Vizepräsident Jyrki Katainen zuletzt der Deutschen Presse-Agentur und anderen europäischen Medien in Brüssel. «Es kann in einigen Ländern funktionieren, aber andere Organisationsformen des Impfens scheinen genauso wirksam zu sein.» Kinderärzte hatten sich bereits dafür ausgesprochen, gleich die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zur Pflicht zu machen - anstatt im Zuge einer Masern-Impfpflicht zu Einfachimpfstoffen zurückzukehren.

Veröffentlicht am:
05. 05. 2019
14:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arztpraxen Bundesgesundheitsminister Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Europäische Kommission Gesundheitsbehörden Gesundheitsminister Impfungen Infektionskrankheiten Infektionspatienten Jens Spahn Jyrki Katainen Karl Lauterbach Kinderkrankheiten Minister Patienten Robert-Koch-Institut
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Impfbuch

17.07.2019

Die Masernimpfpflicht kommt - was bedeutet das?

Das Bundeskabinett hat das Gesetz für eine Masernimpfpflicht auf den Weg gebracht. Vor allem Kita- und Schulkinder müssen künftig zwingend geimpft sein. Die Regelungen im Detail. » mehr

Wilke

07.10.2019

Behörde: Weg der Wilke-Wurst in Handel nicht nachvollziehbar

Die Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch im Fall Wilke zeigt Wirkung. Das Land Hessen veröffentlicht eine Liste der betroffenen Handelsmarken. Doch noch immer können sich Verbraucher nicht sicher sein, kein Wilke... » mehr

Homosexuelles Paar

11.06.2019

Schluss mit «Dämonenaustreibung»

Elektroschocks, Gehirnwäsche, Dämonenaustreibung - mit zum Teil unmenschlichen «Therapien» wurde in der Geschichte versucht, Homosexualität zu «heilen». Und auch heute findet manches davon noch statt, berichten Betroffen... » mehr

Notaufnahme

22.07.2019

Rettungsplan für Notaufnahmen - Spahn setzt zu großer OP an

Millionen Patienten suchen jedes Jahr die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf - nicht alle bräuchten aber sofort eine Behandlung. Nun will der Gesundheitsminister eine grundsätzliche Reform. » mehr

Ursula von der Leyen

15.07.2019

Von der Leyen setzt alles auf eine Karte

Vor der Entscheidung über ihre Zukunft an der Spitze der EU-Kommission macht von der Leyen eine klare Ansage. Wahlsieg im EU-Parlament oder Niederlage - sie wird als Verteidigungsministerin zurücktreten. Ihre Botschaft a... » mehr

Koalitionsvertrag

20.10.2019

Wie läuft die Gesetzesmaschine weiter?

Halbzeit der Koalition: Wenn sie nun ihre Bilanz vorlegen, werden Union und SPD auf die vielen umgesetzten Versprechen verweisen. Doch hat das Regierungsbündnis auch noch Projekte für die Zukunft? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Leerstände in Helmbrechts

Leerstände in Helmbrechts | 21.10.2019 Helmbrechts
» 18 Bilder ansehen

2000er-Party Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 19.10.2019 Weißenstadt
» 46 Bilder ansehen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu Plauen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu | 19.10.2019 Plauen
» 69 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 05. 2019
14:13 Uhr



^