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Hintergründe

Der Kampf gegen die Klimakrise - Hehre Ziele, wenig Taten

In Analysen der Europawahl scheint so mancher Politiker den Klimaschutz als Modethema einzuordnen. Doch die Erderhitzung ist kein Hype und kein Fake, sondern eine Überlebensfrage für viele Menschen und sogar ganze Staaten. Wo stehen wir beim Klimaschutz?



Greta Thunberg
Klima-Aktivistin Greta Thunberg spricht in Wien bei der Eröffnung des dritten Klimagipfels der vom ehemaligen US-Gouverneur und Schauspieler Schwarzenegger gegründeten NGO «R20».   Foto: Georg Hochmuth/APA

Zehntausende Schüler gehen freitags für mehr Klimaschutz auf die Straße, Millionen Bürger haben bei der Europawahl Grün gewählt. Der Kampf gegen die Erderhitzung bekommt eine neue politische Dringlichkeit, die manchen Politiker offensichtlich überrascht.

Die Berliner Regierungsparteien wollen nach ihrem Wahldebakel Problembewusstsein zeigen, am Mittwoch tagt das sogenannte Klimakabinett. In Wien beriet ein Gipfel der Nichtregierungsorganisation «R20 - Regions of Climate Action». Mit dabei: Die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie nannte die Erderhitzung einen Notfall, und «die größte Krise, der die Menschheit je gegenüberstand». Fragen und Antworten dazu:

Ist die Lage wirklich so schlimm?

Ja, ziemlich schlimm. Die Erhitzung der Erde ist voll im Gang. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um rund ein Grad aufgeheizt seit der vorindustriellen Zeit um 1750. Geht es weiter wie bisher, ist sie Ende dieses Jahrhunderts wohl gut drei Grad wärmer. Zu den fatalen Folgen gehören je nach Region mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Doch auch im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid an, statt zu sinken. Noch immer werden in vielen Staaten massiv neue Kohlekraftwerke gebaut, noch immer fahren die meisten Autos nicht elektrisch, noch immer sind viele Wirtschaftssektoren auf Öl, Kohle und Gas ausgerichtet. Die Menschheit fährt den Planeten gerade an die Wand, so lautet etwa der drastische Befund des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber. Er warnt: Der Crash könnte letztlich das Ende unserer Zivilisation herbeiführen.

Wird genug getan dagegen?

Nein, kaum ein Staat tut genug. Der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder aus der Tierhaltung, müsste viel stärker und schneller reduziert werden. Aber die Zusagen aller Länder weltweit reichen bei weitem nicht, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Danach soll die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden.

Laut Weltklimarat muss zur Erreichung dieses Ziels der Ausstoß von Kohlendioxid bis 2030 um 45 Prozent sinken im Vergleich zu 2010, und schon 2050 netto null erreichen. Auch Deutschland wird aller Voraussicht nach seine nationalen Klimaziele für 2020 deutlich verfehlen, auch wenn die Treibhausgasemissionen im vergangenen Jahr gesunken sind - dies lag allerdings auch an den Auswirkungen des milden Winters und des Super-Sommers. Die Bundesregierung wollte die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 eigentlich um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Es gibt darüber hinaus weitere Minderungsziele: von mindestens 55 Prozent bis 2030 und von mindestens 80 bis 95 Prozent bis 2050.

Sehr lange wurde hierzulande etwa darum gerungen, wie schnell die klimaschädlichen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen. Nun soll es 2038 so weit sein - eigentlich zu spät, monieren Umweltexperten. Ein sehr großes Problem ist auch der Auto- und Lastwagenverkehr hierzulande, wo die Emissionen im Vergleich zu 1990 nicht gesunken, sondern sogar gestiegen sind.

Könnte Deutschland mehr tun?

Ja, durchaus. Wenn es ein Land gibt, dass ökonomisch und technologisch in der Lage zu einem ökologischen Umbau wäre, dann wahrscheinlich Deutschland mit seiner guten Beschäftigung und der gut gefüllten Staatskasse. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, dem Schellnhuber angehört, schlägt vor, den Umbau etwa mit einer Reform der Erbschaftsteuer zu bezahlen, um soziale Schieflagen zu vermeiden. Der Forscher findet auch, die jungen Leute, die sich in der Bewegung Fridays For Future engagieren, könnten zu recht zornig sein, weil ihnen die Zukunft gestohlen werde. In einem dpa-Interview sagte der Direktor Emeritus des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) im Dezember: «Wir müssen uns ganz grundsätzlich fragen: Sind wir nicht eigentlich im falschen Film? Müssen wir nicht die Dogmen von Wachstum und Konsum in Frage stellen? Denn wir sind ja keinesfalls glücklicher in dieser modernen Gesellschaft, die die Umwelt ausbeutet.»

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:22 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
17:22 Uhr



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