Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER SelbGerch

Hintergründe

Der Streit ums Zentralabi

Sticheleien zwischen den Bundesländern über «Billig»- und «Elite»-Abis gibt es seit Jahren - verbunden mit der Debatte, wie fit Deutschlands Abiturienten eigentlich fürs Studium sind oder sein müssten. Schon in den 1990ern wurden Forderungen nach einem Zentralabitur laut. Worum geht es dabei genau?



Der Streit ums Zentralabi
Abiturprüfung in einer Gesamtschule in Hannover.   Foto: Julian Stratenschulte

Wie giftig über das Thema gestritten wird, zeigt diese Episode vor einer Woche: FDP-Chef Christian Lindner spricht sich für das Zentralabitur aus. Prompt schallt es ihm aus Bayern entgegen: Kein Wunder, dass Lindner das fordere, er selbst habe ja NRW-Abi.

Für diese Spitze fängt sich CSU-Generalsekretär Markus Blume dann wiederum einen Konter von Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ein: «Trotz eines bayerischen Abiturs scheint Herr Blume nicht vor Hochmut gefeit zu sein».

Worum geht es im Kern beim Streit um das Zentralabitur? 

Um Vergleichbarkeit und Chancengerechtigkeit, aber auch um Prestige. Die Befürworter sagen: Wenn alle die gleichen Prüfungsaufgaben lösen müssten, wären auch alle Schulen in der Pflicht, ihre Abiturienten auf ein einheitliches Abschlussniveau vorzubereiten. Die Abi-Note wäre dann von Hamburg bis München besser vergleichbar. Ein «gutes» oder «schlechtes» Abitur gäbe es nicht mehr und beim Zugang zur Hochschule, so das Argument, wäre Chancengerechtigkeit gewährleistet: Ein Einser-Abi, das die Tür zum Wunschstudienfach öffnet, wäre in Berlin ähnlich schwer zu erreichen wie in München. Bayern befürchtet mit dem Zentralabitur aber eine Entwertung des eigenen Abiturs und eine Angleichung der Anforderungen nach unten.

Wie könnte so ein Zentralabitur praktisch aussehen?  

Diskutiert wird unter anderem dieses Szenario: In den Kernfächern Deutsch, Mathe und Fremdsprache könnten deutschlandweit jeweils am selben Tag Prüfungen mit den gleichen Aufgaben stattfinden. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hält es für realistisch, dass so etwas in Deutschland zwischen 2025 und 2030 erreicht werden könnte. Völlige Vergleichbarkeit wäre damit aber auch nicht gegeben, denn die Gesamt-Abiturnote hängt ja nicht nur von den Prüfungen ab, sondern zu einem großen Teil auch von den Leistungen im Unterricht vor dem Abitur.

Gibt es nicht heute schon ein paar einheitliche Regelungen beim Abi?

Es gibt zumindest den Versuch. Die Länder haben seit 2017 einen gemeinsamen Aufgabenpool. Der wird mit einheitlichen Abituraufgaben für Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch gefüttert. Darum kümmern sich Experten am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität Berlin. Lehrerpräsident Meidinger hält den Pool aber für gescheitert. Der Grund: Die Länder müssen keine Aufgaben daraus entnehmen und wenn, können sie diese auch verändern. Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens CDU-Bildungsminister Alexander Lorz sagt dagegen, der Aufgabenpool habe sich bewährt und es brauche Zeit, bis er seine Wirkung entfalten könne.

Wieso kann überhaupt jedes Bundesland beim Abitur machen, was es will? 

Weil Bildung in Deutschland laut Grundgesetz in der Hand der Länder liegt und nicht zentral gesteuert werden darf. Um das im Grundgesetz zu ändern, bräuchte es Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat - die sind aber nicht in Sicht. Mehr Einheitlichkeit kann ansonsten über sogenannte Staatsverträge zwischen den Bundesländern hergestellt werden. Die Länder versuchen sich zudem bei regelmäßigen Konferenzen ihrer Bildungsminister (KMK) weitestmöglich abzustimmen.

Gewarnt wird immer wieder davor, dass Abiturienten in Deutschland immer schlechter aufs Studium vorbereitet sind - was ist dran?  

Bei solchen Debatten lohnt manchmal eine kleine Zeitreise. 1984 warnte der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz (Vorgänger der Hochschulrektorenkonferenz), Theodor Berchem: Die Mehrzahl der Studienanfänger sei nicht mehr studierfähig. 1997 schlug der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, Alarm: Viele Abiturienten seien nicht fit genug für die Uni. Im Juni dieses Jahres attestierte der jetzige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, zahlreichen Abiturienten gravierende Mängel bei der Studierfähigkeit. Die Debatte ist also noch älter als die über das Zentralabitur.

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
11:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abitur Abiturientinnen und Abiturienten Alexander Lorz Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten CSU-Generalsekretär Christian Lindner Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag FDP FDP-Parteivorsitzende Hochschulen und Universitäten Hochschulrektorenkonferenz Humboldt-Universität Kultus- und Bildungsminister Kultusministerkonferenzen Lehrerverbände Markus Blume Yvonne Gebauer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mike Mohring

28.10.2019

Union und FDP sehen rot

Das Wahlergebnis in Thüringen verlangt den Parteien viel Fantasie ab, eine tragfähige Regierung jenseits der AfD zu bilden. In den Berliner Parteizentralen von CDU und FDP hält man eine Koalition mit der Linken für ausge... » mehr

Jugendwort «guttenbergen»

31.10.2019

Politiker, Promotionen, Plagiate: Manche verloren ihr Amt

Doktortitel sind begehrt - auch in der Politik. Weil sie in ihren Dissertationen abgeschrieben haben, mussten manche Polit-Promis auf ihren Titel verzichten und verloren ihr Amt. Andere Vorwürfe bestätigten sich nicht. » mehr

FDP-Bundesparteitag

26.04.2019

Ganz normale Liberale: Die FDP erreicht die Mühen der Ebene

Lindner und dann lange nichts - die Freien Demokraten galten lange als Ein-Mann-Veranstaltung. Ein bisschen ungerecht, aber auch nicht ganz falsch: Die Partei weiß, was sie ihrem Chef verdankt. Ein paar Neinstimmen gönnt... » mehr

SPD Fahnen

30.07.2019

Die SPD auf der Suche nach Führung und Zukunft

Die SPD hängt in der Luft. Einen Monat können sich Anwärter für den künftigen SPD-Vorsitz noch melden. Das Kandidatenrennen birgt auch für die Koalition Sprengkraft. » mehr

Kabinettssitzung

06.11.2019

Zwischenzeugnis für die GroKo - so fallen die Reaktionen aus

Die Halbzeitbilanz der Bundesregierung kommt recht nüchtern daher. Man habe sie «zur Kenntnis genommen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. So bewerten Parteien, Verbände und Organisationen d... » mehr

Große Grundsteuer-Reform

18.10.2019

Die große Grundsteuer-Reform - Worum es geht

Monatelang verhandelten Bund, Länder und Parteien um eine Reform der wichtigen Grundsteuer. Das betrifft Millionen Hauseigentümer und Mieter. Am Ende stand ein Kompromiss. Nun hat der Bundestag zugestimmt, im November so... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mario Barth in Hof Hof

Mario Barth in Hof | 15.11.2019 Hof
» 57 Bilder ansehen

Susi loves Black! Weißenstadt

Susi loves Black! | 15.11.2019 Weißenstadt
» 33 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim | 15.11.2019 Selb
» 34 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
11:49 Uhr



^