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Hintergründe

Wer über Großbritanniens Zukunft bestimmt

Resolut und angriffslustig, überzeugt und staatstragend: Wie es mit Großbritannien und dem geplanten Austritt aus der EU weitergeht, entscheiden maßgeblich vier Männer und eine Frau.



Jeremy Corbyn
Jeremy Corbyn ist vom linken Flügel der Labour-Partei und genießt an der Parteibasis großen Rückhalt.   Foto: Danny Lawson/PA Wire

Wer stellt die Weichen für Großbritanniens Zukunft außerhalb der EU? Einige Schlüsselfiguren:

BORIS JOHNSON (55): Der Premierminister, der früher Reporter in Brüssel war, gilt als sehr machtbedacht. Er glaubt, bei Wählern mit einem Brexit ohne Wenn und Aber am 31. Oktober am besten zu punkten, notfalls auch ohne Übergangsabkommen. Das will er womöglich schon in Kürze auf die Probe stellen: Er will eine Neuwahl, wenn das Parlament ihm bei Verhandlungen mit Brüssel Steine in den Weg legen will. Allerdings müssen zwei Drittel der Abgeordneten zustimmen. Ob er die Labour-Opposition ins Boot bekommt, ist unklar.

Johnsons Markenzeichen: zitiert gerne lateinische Sprüche.

JEREMY CORBYN (70): Der Oppositionsführer, der in einem pompösen Herrenhaus aufwuchs, ist vom linken Flügel der Labour-Partei und genießt an der Parteibasis großen Rückhalt. Er war zeitlebens kein großer EU-Fan, hat sich aber unter dem Druck von gemäßigteren Kräften durchgerungen, ein neues Referendum zu verlangen. Zunächst will er aber einen No-Deal-Brexit verhindern und macht dafür gemeinsame Sache mit Rebellen unter den Konservativen. Sie wollen ein entsprechendes Gesetz noch diese Woche durchpeitschen. Erst wenn das Gesetz durch ist, will er sich mit der Frage einer Neuwahl beschäftigen.

Corbyns Markenzeichen: fotografiert gerne Kanaldeckel.

JO SWINSON (39): Die neue Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei, die einst mit 25 als jüngste Abgeordnete im Unterhaus saß, war gegen den Brexit. Nun will sie zumindest ein Ausscheiden ohne Vertrag verhindern. Die 15 Abgeordneten ihrer Fraktion könnten einem solchen Gesetz zusammen mit Labour, der schottischen Nationalpartei (SNP) und anderen zu einer Mehrheit verhelfen.

Swinsons Markenzeichen: Marathonläuferin.

JOHN BERCOW (56): Der Parlamentspräsident, der bei seinem Amtsantritt alten Zöpfe wie eine Kluft aus Seidenstrümpfen, Kniebundhosen und Perücke für Inhaber seines Amtes abschaffte, wacht über das Prozedere im Unterhaus. Er kann viele Regeln biegen, denn vieles läuft in Großbritannien nach Konventionen und Gepflogenheiten, die nirgends festgeschrieben sind. Er kann der Opposition dazu verhelfen, ihr Gesetz auf den Weg zu bringen. Bercow gilt nicht als Boris-Johnson-Fan: dessen Entscheidung, das Parlament nächste Woche in eine Zwangspause zu schicken, hat er scharf kritisiert.

Bercows Markenzeichen: bellende Stimme, mit der er Abgeordnete zur Ordnung ruft («Order. Order!!!»)

KENNETH CLARKE (79): Der Konservative hat sich bereiterklärt, als Übergangspremier zu fungieren, um einen No-Deal-Brexit zu verhindern. Das könnte nötig werden, wenn Johnson mit seinem Antrag auf eine Neuwahl nicht durchkommt und die Opposition einen Misstrauensantrag stellt - Er ist seit fast 40 Jahren im Unterhaus und damit der am längsten amtierende Abgeordnete. Clarke begann seine Ministerkarriere unter Margaret Thatcher. Er ist ein glühender Europäer. Während rechte Konservative und Brexit-Befürworter Clarke als Unverbesserlichen aus einem anderen Jahrhundert abtun, wird er von vielen Oppositionsabgeordneten als Brückenbauer geschätzt.

Clarkes Markenzeichen: abgelatschte braune Wildlederschuhe.

PHILIP HAMMOND (63): Der Ex-Schatzkanzler, der in Studententagen als Gothic-Anhänger im Ledertrenchcoat in Vorlesungen auftauchte, ist zum größten Johnson-Kritiker geworden. Er gehört zu den Wortführern der Rebellen. Er hat mit seiner jahrelangen Ministererfahrung viel Gewicht, wird respektiert und dürfte eine wichtige Rolle spielen, um wackelnde Rebellen bei der Stange zu halten. Hammond hat selbst schon mal Ambitionen auf das höchste Amt geäußert.

Hammonds Markenzeichen: versteckt sein Millionärsdasein hinter bescheidener Fassade.

Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
19:44 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
19:44 Uhr



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