Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Hintergründe

Bundestags-Grüne wollen keine Experimente

Die Grünen wollen sich aufs Regieren vorbereiten - möglichst ohne Turbulenzen. Bei der Vorstandswahl im Bundestag setzt die Fraktion aufs «Weiter so» mit Hofreiter und Göring-Eckardt. Und was wird aus Cem Özdemir?



Fraktionssitzung der Grünen - Wahl der Vorsitzenden
Nach der Wahl der neuen Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen stehen Annalena Baerbock (l-r, alle Bündnis 90/Die Grünen), Bundesvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, wiedergewählte Vorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion, Kirsten Kappert-Gonther, Bundestagsabgeordnete, Anton Hofreiter, wiedergewählter Vorsitzender der Grünen Bundestagsfraktion, Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, und Cem Özdemir, Bundestagsabgeordneter, im Bundestag.   Foto: Arne Immanuel Bänsch

Für ein paar Sekunden dürfen die Wahlverlierer dann doch in die allererste Reihe.

Cem Özdemir und Kirsten Kappert-Gonther posieren mit den vier wichtigsten Grünen im Bund - zu denen neben den beiden Parteichefs auch weiterhin Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt zählen. Die Fraktionschefs dürfen im Amt bleiben, die Herausforderer sind gescheitert. Aber dieses Bild soll eine andere Geschichte erzählen: Wir stehen zusammen, wir sind geschlossen.

In einer Phase, in der die Grünen sich allzeit bereit für eine Neuwahl und fürs Regieren halten, hält die 67-köpfige Bundestagsfraktion es mit dem früheren Kanzler Konrad Adenauer: keine Experimente. Göring-Eckardt sieht in ihren 61,2 Prozent und den 58,2 Prozent von Hofreiter ein «deutliches Signal», dass man den «Kurs der Geschlossenheit» fortsetze.

Geschlossenheit ist seit nunmehr fast zwei Jahren das grüne Mantra, seit Robert Habeck und Annalena Baerbock Anfang 2018 in die Parteizentrale einzogen. Sie starteten damit einen in der Parteigeschichte beispiellosen Höhenflug. Die beiden lächeln nach der Wahl fröhlich in die Kameras, Arm in Arm mit Gewählten und Verlierern. Die Parteichefs kommen gut aus mit Hofreiter und Göring-Eckardt, die ganz ausdrücklich anerkennen, dass die Zugpferde inzwischen in der Parteizentrale sitzen - zum Missfallen mancher Fraktionskollegen.

Dass in dieser Situation plötzlich Ex-Parteichef Özdemir zurück in die erste Reihe drängte, der bis vor zwei Jahren für seine Auseinandersetzungen mit Amtskollegin Simone Peter berühmt war, stellte die neue Harmonie infrage - wenn auch nur für zweieinhalb Wochen. Nach der Wahl am Dienstag gibt Özdemir sich versöhnlich und humorvoll, dankt und sagt: «Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.»

Vor zwei Jahren wollte Özdemir sich auch schon an die Fraktionsspitze kämpfen, war aber nicht angetreten, als er sah, dass es aussichtslos gewesen wäre. Diesmal wollte und musste er springen - es war die letzte Gelegenheit vor der nächsten Bundestagswahl, vor möglichen Koalitionsverhandlungen, bevor Ministerämter zu verteilen sein könnten. Unzufrieden sein mit den Chefs, aber selbst nicht den Hut in den Ring werfen, das sieht auf Dauer nicht gut aus.

Gereicht hat es auch diesmal nicht, aber abgeschmiert ist der Schwabe auch nicht - 27 von 67 Stimmen, 40,3 Prozent, man kann das als Achtungserfolg sehen. Zumal seine Teampartnerin in dieser Bewerbung, Kirsten Kappert-Gonther, bundesweit bisher kaum bekannt ist und erst seit zwei Jahren im Bundestag sitzt.

Özdemirs Kandidatur hat ihm wieder mal Aufmerksamkeit gebracht, und er hat signalisiert: Mit mir solltet ihr rechnen, ich will noch was werden. Das Büro des Verkehrsausschuss-Vorsitzenden ist buchstäblich im Souterrain des Bundestags, aber wenn es Neuwahlen gäbe, die Grünen am Zug wären, wer weiß - es könnte nochmal hoch hinaus gehen. Göring-Eckardt allerdings verweist erstmal auf Özdemirs Rolle als Vorsitzender im Verkehrsausschuss. «Er wird für uns Wahlkämpfe machen», sagte sie, und über alles Weitere werden man dann reden.

Schon vor der Wahl war klar, dass es für keine der beiden Seiten Selbstläufer werden würden. Für die 67 Abgeordneten wurden vier Wahlkabinen eingerichtet, damit niemand sich irgendeinem sozialen Druck beugt und hinterher keine Gerüchte verbreitet werden können. Immerhin: Öffentliche Gehässigkeiten, schmutzige Wäsche waschen in den Medien, das kam im kurzen Wahlkampf nicht vor. Das wäre früher vielleicht anders gewesen.

Blick nach vorn: Wie gehen die alten, neuen Fraktionschefs aus dieser Wahl? Rund 61,2 und 58,2 Prozent klingt erst mal nach Dämpfer. Aber kurz zuvor hatten einige Grüne noch damit gerechnet, dass «KGE» die notwendige Stimmenmehrheit im ersten Wahlgang gar nicht zusammenbekäme - und bei der vorigen Wahl hatten die beiden auch schon nur rund zwei Drittel der Stimmen bekommen, ganz ohne Gegenkandidaten. Das Duo darf sich also als gestärkt betrachten. Die Mission «Wir wollen regieren» kann weitergehen.

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
19:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeordnete Annalena Baerbock Anton Hofreiter Bundeskanzler Konrad Adenauer Bundestagsfraktionen Cem Özdemir Deutscher Bundestag Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt Neuwahlen Parteivorsitzende Robert Habeck Simone Peter Wahlen zum Deutschen Bundestag Wahlkampf
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Cem Özdemir

08.09.2019

Özdemir will's nochmal wissen

Seit die Grünen mit Robert Habeck und Annalena Baerbock durchgestartet sind, ging es ungewohnt harmonisch zu. Jetzt bricht in der Bundestagsfraktion ein Machtkampf aus. Im Zentrum: Ex-Parteichef Özdemir. » mehr

Habeck und Baerbock

17.11.2019

Grüne wollen an die Macht

So viel Harmonie gab es vielleicht noch nie auf einem Grünen-Parteitag. Die komplette Führung wird mit überragenden Ergebnissen gewählt. Der inhaltliche Streit hält sich in Grenzen. Dafür wird der Wille zur Macht umso st... » mehr

Rednerpulte

24.06.2019

SPD liebäugelt mit Führungsduo

Am Montag entscheidet die SPD, ob sie künftig von einer Doppelspitze geführt wird. Damit hat die Konkurrenz zuletzt gute Erfahrungen gemacht - doch nicht nur. » mehr

Jubel

26.05.2019

Zwei Abstürze und ein Höhenflug - Historischer Superwahltag

Die Europawahl mischt das EU-Parlament auf, erschüttert aber auch die Koalition in Berlin. Beide Regierungsparteien stürzen ab, eine sogar gleich doppelt. Eine andere Partei steigt dagegen in ganz neue Sphären auf. » mehr

Christian Lindner

20.09.2019

Gemischtes Echo bei Parteien und Verbänden auf Klimapaket

Die Bundesregierung hat sich am Freitagmittag nach stundenlangen Verhandlungen auf ein Maßnahmenpaket für einen besseren Klimaschutz geeinigt. Politiker und Verbände reagieren unterschiedlich. » mehr

Vor CDU-Bundesparteitag

vor 9 Stunden

CDU-Parteitagsanträge mit Streitpotenzial

Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig werden die 1001 Delegierten an diesem Freitag und Samstag auch über zahlreiche Anträge mit Konfliktpotenzial diskutieren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lehrermedientag 2019 Hof

Lehrermedientag 2019 | 20.11.2019 Hof
» 58 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
19:16 Uhr



^