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Hintergründe

Sicherheitsrisiko Museum zwischen «Banksafe» und Besuchern

Sie wollen offen sein und gleichzeitig Schätze sichern - Museen sehen sich im Spagat zwischen Besucherempfang und Verbrecherabwehr. Erschwert wird das aus Sicht von Experten durch eine neue Dimension krimineller Energie.



Schaulustige
Passanten stehen vor den Gitterfenstern des Grünen Gewölbes am Residenzschloss hinter einem Zaun.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Fluchtweg im Museum. Was Besuchern tagsüber schnelle Sicherheit geben soll, muss nachts für potenzielle Kriminelle eine unüberwindliche Trutzburg werden.

Der Begriff zeigt auch für Karola Richter dieses Spannungsfeld, in dem Museen nicht erst seit dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden stecken. «Ein Fluchtweg ist wahrscheinlich für einen Besucher dasselbe wie für einen Dieb.»

Richter, im Stuttgarter Landesmuseums Württemberg auch für Sicherheit zuständig, gehört zu einem neuen Arbeitskreis des Museumsbundes, in dem fast 40 teils sehr unterschiedliche Häuser ihre Sicherheitskonzepte beraten. Für die Ingenieurin ist Schutz wertvoller Kunstobjekte «ein bisschen wie das Zwiebelprinzip aufbaut - von außen nach innen versuchen, die Hemmschwelle materiell oder elektronisch zu erschweren».

Dresden zeigt für Experten eine neue Dimension. «Ich sehe hier eine erhöhte Gefährdungslage für Museen», sagt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Er ist in Berlin verantwortlich für eine der weltweit größten Kultureinrichtungen mit mehr als 20 Museen, Sammlungen, Bibliotheken, Instituten und Archiven.

«Hier sind offenbar irgendwelche Gruppierungen oder Organisationen wirklich hinter dem Material her», sagt Parzinger. Die Täter seien bereit, «Kunst von höchst symbolischem Wert wie in Dresden zu zerstören aufgrund des Materialwerts».

Parzinger sieht Parallelen zum spektakulären Diebstahl einer Münze aus dem Berliner Bode-Museum mit einem Goldwert von damals knapp 3,75 Millionen Euro. Die Münze war künstlerisch nicht besonders wertvoll, «aber es waren 100 Kilo Gold, die offenbar zerstückelt und eingeschmolzen wurden».

Es gehe nicht darum, einen Munch zu stehlen, einen Picasso oder ein anderes berühmtes Kunstwerk, das leicht zu identifizieren sei. «Es geht jetzt offenbar um den Materialwert. Auf barbarische Weise wird geplündert wie etwa die sächsische Schatzkammer. Die Gefahr ist sehr groß, dass die einzelnen Preziosen dann zerlegt werden, die Diamanten und andere Edelsteine herausgelöst und möglicherweise geschliffen werden, damit man nicht erkennt, dass es alte Stücke sind, und sie weiterverkauft.»

Auch der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, sieht inzwischen «eine spezielle Art von Kriminalität, die einem wirklich Sorgen macht». Die Täter gingen mit großer Brutalität vor. Das Gewaltpotenzial sei sehr hoch, «und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer».

Köhne sieht Museen im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit. «Museen sind öffentliche Institutionen, wir wollen öffentliche Häuser sein, die natürlich Besucherinnen und Besucher ansprechen möchten», sagt Köhne, der auch Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe ist. «Wir sind eben kein Banksafe. Und das bringt ein gewisses Risiko mit sich.»

Aus Sicht Parzingers sollten sich «Ermittlungsbehörden wie Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und Sicherheitsfachleute der Museen zusammensetzen und beraten, wie darauf reagiert werden kann». Er fordert konkrete Schritte: «Wir sollten eine kleine Taskforce einsetzen, die sich genau darüber Gedanken macht aufgrund dieser ganz spezifischen neuen Gefährdungslage.»

Die Sicherheitsexperten in den Museen nehmen Einbrüche wie nun in Dresden genau unter die Lupe. «Das wird analysiert», sagt Richter, «da schaut man etwa, wie sieht es im eigenen Haus aus: Haben wir vielleicht auch so eine Situation, dass jemand von außen eindringen kann? Wie sind unsere Objekte gesichert? Reicht die Sicherung aus? Reicht die Widerstandsklasse der Vitrinen aus?»

Mitunter sind Probleme auch mit der Bausubstanz verbunden, erschwert vielleicht noch durch Vorgaben aus dem Denkmalschutz. «Was kann ich überhaupt machen», müssen sich die Experten laut Richter dann fragen, etwa: «inwieweit kann ich in einem alten Gebäude Fenstersicherungen durchführen, ohne am Gebäude zu viel zu verändern.» Auch im denkmalgeschützten Residenzschloss in Dresden stiegen die Einbrecher durch ein Fenster ein.

Die Museumsexperten scheinen sich einig, eine hundertprozentige Sicherheit für Kunstwerke und Schmuckstücke gibt es nicht. Richter: «Es besteht immer ein Restrisiko.»

Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
19:41 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
19:41 Uhr



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