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Wirtschaft

Airbus düpiert Rivalen Boeing in dessen schwerer Krise

Die Abstürze zweier Boeing-Mittelstreckenjets haben den US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing in eine schwere Krise gestürzt. Davon profitiert vor allem ein Konkurrent.



Airbus und Boeing
Airbus über Boening-Schriftzug: Ein A350-1000 bei der Eröffnung der 53. Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung auf dem Flughafen Le Bourget.   Foto: Michel Euler/AP

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat seinen US-Rivalen Boeing auf der Pariser Luftfahrtmesse in dessen schwerer Krise ausgestochen.

So sammelte Airbus bis Donnerstagnachmittag Bestellungen und Vorverträge über 383 neue Flugzeuge ein, rund 100 mehr als der bisher weltgrößte Hersteller Boeing. Der neue, kleine Langstreckenjet Airbus A321XLR verkaufte sich glänzend - sogar in den USA.

Die weltgrößte Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris stand diesmal im Schatten der Abstürze zweier Boeing-Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max, bei denen im Herbst und im März insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Für die Modelle der Reihe gilt seit Mitte März ein weltweites Flugverbot. Wann es aufgehoben wird, blieb auch auf der Messe offen. Boeing-Chef Dennis Muilenburg ging lediglich davon aus, dass die Freigabe noch in diesem Jahr erfolgen wird.

Erst müssen Luftfahrtbehörden aus aller Welt ein Update für die Steuerungssoftware MCAS freigeben, die für die tödlichen Unglücke mitverantwortlich gewesen sein soll. Die Boeing 737 Max ist die Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten 737-Reihe. Mit rund 5000 bestellten Flugzeugen ist die «Max» Boeings wichtigste Umsatz-Hoffnung für die kommenden Jahre.

«Das war keine typische Air Show», resümierte Boeing-Verkaufschef Ihssane Mounir am Donnerstag. Angesichts der Ausnahmesituation wollte er diesmal nicht vorrechnen, wie viele Flugzeuge Boeing auf der Messe verkauft hat. Den Veröffentlichungen seit Montag zufolge kam Boeing auf Vereinbarungen über 272 Jets.

Der größte Deal für Boeing entfällt ausgerechnet auf 200 Exemplare des Krisenfliegers 737 Max. Die Order ist bisher aber nur eine Absichtserklärung. Der Mutterkonzern von British Airways, die International Airlines Group (IAG), hatte die Großbestellung am Dienstag überraschend in Aussicht gestellt. IAG-Chef Willie Walsh, selbst ausgebildeter 737-Pilot, sprach Boeing und den Max-Jets persönlich sein Vertrauen aus.

Die Airbus-Spitze macht sich allerdings Hoffnung, Boeing den Großauftrag abzujagen, bevor er fix ist. Er freue sich, um den Deal zu ringen, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury. Der Konzern schickt dazu seine A320neo-Maschinen ins Rennen. Die Reihe hat sich bisher noch besser verkauft als die «Max» und trägt trotz anfänglicher Kinderkrankheiten nicht den Ruf eines Krisen-Jets.

Boeing selbst denkt inzwischen laut darüber nach, der 737 Max einen neuen Namen zu verpassen. «Unsere Kunden entscheiden, wie sie das Flugzeug nennen», sagte Boeing-Manager Mounir. Laut Boeing-Finanzchef Greg Smith ist der Konzern auch für eine offizielle Umbenennung offen, falls dies nötig sei, um das Image des Fliegers wieder aufzumöbeln. US-Präsident Donald Trump hatte dies bereits im April vorgeschlagen und geraten, dem Jet außerdem ein paar «großartige Eigenschaften» hinzuzufügen.

Unterdessen punktete Airbus auf der Air Show vor allem mit seinem neuen, kleinen Langstreckenjet A321XLR - und setzt Boeing damit zusätzlich unter Druck. Gleich elf Kunden entschieden sich für den Flieger, den Airbus seit Montag als neue Variante des Mittelstreckenjets A321neo anbietet. Bis Donnerstagnachmittag summierten sich die mehr oder weniger verbindlichen Verträge für den neuen Airbus-Typ auf 249 Exemplare.

Die A321XLR - das Kürzel steht für «Extra Long Range» - soll dank eines großen Zusatztanks Strecken von bis zu 8700 Kilometer bewältigen können und es dadurch etwa von der Mitte Europas bis nach Amerika schaffen. Boeing plant selbst eine Neuentwicklung für dieses Segment. Seit Jahren lotet das Management die Absatzchancen für ein mittelgroßes Flugzeug aus, das von der Größe her zwischen den Mittelstreckenjets der 737-Reihe und den Großraum-Langstreckenjets wie dem «Dreamliner» Boeing 787 liegen soll.

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 06. 2019
19:52 Uhr

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