Topthemen: Hofer Filmtage 2018HöllentalbrückenFall PeggyGrabung bei NailaKaufhof-PläneGerch

Wirtschaft

Altmaier sieht trotz Risiken stabilen Aufschwung

Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie, sagte einst der legendäre Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Einer seiner Nachfolger versucht nun, auf dieser Linie Optimismus zu verbreiten - obwohl das Konjunktur-Klima rauer wird. Für Firmen könnte es Entlastungen geben.



Wirtschaftsminister Altmaier
Peter Altmaier stellt in der Bundespressekonferenz die Konjunkturprognose der Bundesregierung vor.   Foto: Kay Nietfeld

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht trotz zunehmender Risiken einen stabilen Aufschwung in Deutschland. Es gebe eigentlich keinen Grund dafür, dass die wirtschaftliche «Erfolgsgeschichte» abreiße, sagte Altmaier am Donnerstag in Berlin.

Das liege vor allem an der weiterhin starken deutschen Exportwirtschaft und einer guten Inlandsnachfrage. Allerdings senkte die Bundesregierung zugleich ihre Konjunkturprognose.

Sie rechnet nun im laufenden Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent. Im Frühjahr hatte die Regierung noch ein Plus von 2,3 Prozent erwartet. Für 2019 wird in der Herbstprognose mit einem Wachstum von 1,8 Prozent gerechnet. Allerdings verhindere der zunehmende Fachkräftemangel ein höheres Wachstum. Auch Handelskonflikte - wie der zwischen den USA und der EU - sorgten für Belastungen. Außerdem hätten Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP das Wachstum gedämpft. Es kam zu Lieferengpässen, Hersteller mussten die Produktion drosseln.

Die deutsche Wirtschaft werde aber im kommenden Jahr in ihr zehntes Wachstumsjahr gehen, sagte Altmaier. Dies sei die längste Aufschwungsphase seit 1966. Der Aufschwung komme zunehmend bei den Bürgern an: Die Löhne stiegen, die Arbeitslosigkeit sinke. Deutschland sei nicht mehr weit entfernt von einer Vollbeschäftigung. Allerdings komme es darauf an, das Problem des Fachkräftemangels in den Griff zu bekommen. Darum müsse auch zügig das geplante Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz verabschiedet werden.

Es komme außerdem darauf an, die deutschen Unternehmen zu entlasten. Altmaier verwies auf eine Steuerreform in den USA mit geringeren Steuern für Firmen. Zusätzliche Haushaltsspielräume im Bundesetat sollten für Entlastungen genutzt werden, sagte Altmaier. Die Meinungsbildung im Ministerium zu diesen Fragen sei aber nicht abgeschlossen.

In einem «wirtschaftspolitischen Aktionsprogramm» schlägt der CDU-Politiker umfangreiche Maßnahmen vor, um das Wachstum der Wirtschaft zu stärken. Das neunseitige Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Bei einer vollständigen Umsetzung des Aktionsprogramms würden Unternehmen in Deutschland insgesamt um 20 Milliarden Euro pro Jahr weniger Steuern zahlen. Altmaier will etwa den Solidaritätszuschlag vollständig abschaffen. Daneben sollen Abschreibungsbedingungen verbessert werden.

Altmaier hatte sich bereits für einen Wachstumspakt ausgesprochen, nun liegen konkrete Pläne vor. Das «Handelsblatt» hatte zuvor über das geplante Milliarden-Programm berichtet.

Die deutsche Wirtschaft habe eine starke Wettbewerbsfähigkeit, betonte der Minister. Auf eine Frage zu Instrumenten bei einem möglichen Krisenszenario wollte er nicht eingehen. Der Aufschwung sei «intakt». Allerdings habe die Weltwirtschaft an Schwung verloren.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte in seinem neuen Weltwirtschaftsbericht seine Wachstumsprognose vergleichsweise deutlich nach unten korrigiert - auch für Deutschland. Aus Sicht des IWF drohen der Weltwirtschaft wegen der aggressiven Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump deutlich trübere Zeiten. Als Risiken gelten neben der hohen Verschuldung in vielen Staaten und negativen Folgen etwa durch den Austritt Großbritanniens aus der EU vor allem Handelskonflikte.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten in ihrem Herbstgutachten vor erheblichen Folgen gewarnt. «Eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen», hieß es.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
18:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufschwung CDU Deutsche Presseagentur Donald Trump Exportwirtschaft Gefahren Handelskonflikte Internationaler Währungsfonds Ludwig Erhard Peter Altmaier Psychologie Wachstumsprognosen Weltwirtschaftbericht Wirtschaftsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Maschinenbau

09.10.2018

Trübere Aussichten für Deutschlands Exporteure

Abschottung, Strafzölle, Abschwächung der Weltwirtschaft - das Klima für Deutschlands Exporteure wird rauer. Noch laufen die Geschäfte vieler Unternehmen gut. Doch die Branche stellt sich auf schlechtere Zeiten ein. » mehr

Nationaler Stahlgipfel

vor 19 Stunden

Bundesländer gründen Stahl-Allianz

Beim ersten Nationalen Stahlgipfel machen sich Vertreter von Politik, Unternehmen und Beschäftigten für die Zukunft der Branche stark. Es geht um den Erhalt von Standorten und Zehntausenden Jobs. » mehr

Agentur für Arbeit

23.09.2018

Volkswirte: Herbstaufschwung lässt Arbeitslosenzahlen sinken

Die Sommerpause ist vorbei, und die deutsche Wirtschaft brummt weiter. Davon profitiere der Arbeitsmarkt mit sinkenden Arbeitslosenzahlen, sind sich Ökonomen sicher. Doch der Herbstaufschwung dürfte ihrer Ansicht nach et... » mehr

Gruppenfoto

12.10.2018

Scholz zu Italien: Vorsicht - aber keine Belehrungen

Italien ist wegen seiner hohen Schuldenlast zum Sorgenkind in der Eurozone geworden. Doch Anlass zu Panik besteht nicht, sagt der deutsche Finanzminister Olaf Scholz. » mehr

Erdogan in Kayseri

20.10.2018

Deutsche Wirtschaft: Probleme mit Türkei «offen ansprechen»

Vor der Türkei-Reise von Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der kommenden Woche mahnen deutsche Unternehmen, die politischen Spannungen zwischen den Ländern nicht auszublenden. » mehr

Container

07.09.2018

China droht neue Welle von US-Zöllen

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China könnte von heute an eine neue Welle von Sonderzöllen heranrollen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bayerischer Musikschultag Hof

Bayerischer Musikschultag | 20.10.2018 Hof
» 80 Bilder ansehen

90er-Party in Selb Selb

90er-Party in Selb | 20.10.2018 Selb
» 20 Bilder ansehen

WWF Internationale Deutsche Meisterschaft in Kulmbach Kulmbach

WFF Internationale Deutsche Meisterschaft in Kulmbach | 21.10.2018 Kulmbach
» 39 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
18:39 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".