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Wirtschaft

Analyse: Neuvertragsmieten sinken erstmals seit 2005

Erstmals seit 14 Jahren sind die Neuvertragsmieten in Deutschland gefallen - selbst in Metropolen wie München, Frankfurt und Berlin. Experten sehen dafür viele Gründe. Die Trendwende wollen sie aber noch nicht ausrufen.



Mietvertrag
Die Neuvertragsmieten sind im bundesdeutschen Schnitt leicht gesunken. Doch wer umzieht, muss in der Regel je Quadratmeter mit einer deutlich höheren Miete rechnen.   Foto: Hannibal Hanschke

Nach jahrelangen kräftigen Mietsteigerungen verzeichnen Experten eine Atempause für Wohnungssuchende. Im ersten Quartal sanken die Neuvertragsmieten im Bundesschnitt erstmals seit 2005 leicht, wie der Immobilienspezialist F+B in Hamburg mitteilte.

Gemessen am Schlussquartal 2018 fielen demnach die Mieten in neu abgeschlossenen Verträgen um 0,3 Prozent. Selbst in Großstädten habe es Rückgänge gegeben, so das Forschungsinstitut, das Daten für Mietspiegel erstellt sowie Städte und Gemeinden berät. Die Neuvertragsmieten bilden nur einen kleinen Teil des Immobilienmarktes ab, signalisieren aber die aktuelle Richtung.

Gemäß der Daten von F+B sanken die Neuvertragsmieten binnen der drei Monate etwa in München um 1,3 Prozent, in Berlin um 1,7 Prozent und in Hamburg um 0,9 Prozent. Die deutlichsten Rückgänge gab es demnach in Frankfurt mit 2,4 Prozent. In Stuttgart (plus 1 Prozent) und Köln (plus 1,3 Prozent) kletterten die Neuvertragsmieten weiter. Zwar sind Quartalszahlen mit Vorsicht zu betrachten, da es immer wieder kurzfristige Schwankungen gibt. Dennoch sind die Erkenntnisse im seit rund zehn Jahren laufenden Immobilienboom bemerkenswert.

«Es ist noch zu früh, um eine Trendwende auszurufen», betonte F+B-Experte Manfred Neuhöfer. «Das lässt sich nicht seriös sagen.» Allerdings habe es in den sieben größten deutschen Städten zuletzt schon ein Abebben der Mietsteigerungen gegeben. Grund für die Rückgänge nun könnte etwa die Mietpreisbremse sein, die zu Jahresbeginn verschärft worden sei. Auch könnten manche Vermieter angesichts der aufheizten Debatte um steigende Wohnkosten vorsichtiger agieren. «Und gerade in Großstädten dürfte die Grenze, was die Menschen zahlen können und wollen, erreicht sein.»

Gemessen am ersten Quartal 2018 stiegen die Verträge für neue Mietverhältnisse indes weiter um 2,0 Prozent. In München, Köln und Berlin gab es dabei satte Aufschläge von je mehr als fünf Prozent.

Bei bestehenden Mietverhältnissen gab es ebenfalls Zuwächse: Sie stiegen im ersten Quartal gemessen am Vorquartal leicht um 0,4 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,4 Prozent. Mieter mit Altverträgen seien immer weniger bereit, die Wohnung zu wechseln, sagte F+B-Chef Bernd Leutner. «Wer umzieht, muss in der Regel je Quadratmeter mit einer deutlich höheren Miete rechnen.»

Unterdessen laufen die Kaufpreise den Mieten weiter davon. Eigentumswohnungen verteuerten sich bundesweit im ersten Quartal um 2,1 Prozent gemessen am Schlussquartal 2018. Binnen Jahresfrist legten sie laut F+B kräftig um 6,2 Prozent zu. Grundlage für den Wohnindex sind Angebotsdaten von knapp 30 Millionen Objekten in Deutschland, die etwa um Abschläge beim Kauf bereinigt werden.

Angesichts der gerade in Städten stark gestiegenen Mieten sind die Rufe nach radikalen Maßnahmen lauter geworden. So gibt es in Berlin eine Debatte um die Enteignung von Immobilienkonzernen. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) machte sich zudem am Montag für einen Mietendeckel stark. Private Vermieter sollten die Mieten in der Stadt nur noch um ein Prozent pro Jahr anheben dürfen, schlug er vor. Das Land Hessen zeigte sich aber skeptisch zu einer Forderung nach einer entsprechenden Rechtsverordnung.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
15:28 Uhr

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08. 05. 2019
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