Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Wirtschaft

Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre mit Corona kämpfen

Die ganzen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt sind noch nicht einmal in vollem Ausmaß zu sehen. Dass die Erholung lange dauern wird, ist aber jetzt schon klar.



Detlef Scheele
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Detlef Scheele, spricht vor Journalisten.   Foto: Christoph Soeder/dpa

Der deutsche Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre brauchen, um sich von der Corona-Krise zu erholen. «Bis wir wieder auf Normalmaß sind, das wird sicherlich bis 2022 oder 2023 dauern», sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Detlef Scheele.

«Aber wir glauben, dass das wieder gelingen kann.» Aktuell sind in Deutschland 2,85 Millionen Menschen ohne Job, fast 640.000 davon als Folge der Pandemie. Scheele rechnet für Sommer mit einer noch etwas höheren Arbeitslosigkeit, die auch saisonal üblich ist. Die Zahl werde aber im Juli oder August nach derzeitigen Schätzungen nicht die Grenze von drei Millionen überspringen.

Die jetzige Krise sei virusbedingt und kaum konjunkturell oder strukturell verursacht. Deswegen sei es möglich, dass eine Erholung eintrete, wenn grundlegende Faktoren sich in die richtige Richtung bewegten. «Zur Zeit gehen wir von einem Abschwung aus, der vorrangig durch die Auswirkungen der Pandemie begründet ist. Der Arbeitsmarkt war ja in guter Verfassung», sagte Scheele.

Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, forderte eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung, um die Krise über einen längeren Zeitraum abzufedern. «Eine Erholung der Wirtschaft bei uns ist auch von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig und von Deutschland aus nur begrenzt beeinflussbar», betonte sie. Im internationalen Vergleich stehe die Bundesrepublik dennoch gut da. Dank kluger Vereinbarungen der Sozialpartner wirke das Instrument Kurzarbeit.

Piel verlangte Steuerzuschüsse, um die Handlungsmacht der Bundesagentur zu erhalten. «Gleichzeitig brauchen wir eine aktive Arbeitsmarktpolitik, damit sich Arbeitslosigkeit nicht verfestigt und sich der Fachkräftemangel nicht weiter verschärft», betonte die Gewerkschafterin. Es müssten genug Mittel für Weiterbildung zur Verfügung gestellt werden, um Menschen wieder für den Arbeitsmarkt fit zu machen.

Eine ähnliche Forderung kam aus der FDP. «Zur Zeit der größten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik Deutschland dürfen CDU, CSU und SPD nicht bei der Sicherung der bestehenden Beschäftigungsverhältnisse durch die erfolgreiche Kurzarbeit stehenbleiben», sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel. Entscheidend werde sein, den stärksten Einbruch der Arbeitskräftenachfrage seit Beginn der Aufzeichnung abzufangen. Die Bundesregierung müsse das Jobwachstum ankurbeln.

Anzeichen, dass aus der Kurzarbeit in großem Stil Entlassungen folgen und sich möglicherweise sogar eine Insolvenzwelle anschließen könnte, seien zur Zeit nicht erkennbar, meint Scheele. «Die Kurzarbeit wirkt, wir sehen momentan keine Anzeichen für eine größere Entlassungswelle.»

Allerdings: Das Sterben kleiner Gaststätten oder Kultureinrichtungen bekomme die Arbeitsagentur im Zweifel gar nicht mit. Gleichzeitig bleibe es aber wichtig, den weiter in vielen Berufszweigen vorherrschenden Fachkräfteengpass anzugehen. Großer Mangel herrsche etwa in der Pflege. «Da ist auch keiner arbeitslos geworden», sagte Scheele. Es sei jedoch fraglich, ob sich diejenigen, die in anderen Branchen arbeitslos geworden seien, sich für die Pflege eigneten. Einen automatischen Ausgleich werde es da nicht geben können.

«Das Fachkräfteproblem in der Pflege können wir trotz unserer vielen geförderten Qualifizierungen nicht ohne Zuwanderung lösen», betonte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Es gebe nur 40 000 zusätzliche Erwerbspersonen pro Jahr in Deutschland - daran werde sich nicht schnell etwas ändern.

© dpa-infocom, dpa:200722-99-878707/6

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 07. 2020
22:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsagenturen Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkt Arbeitsmarktpolitik Beschäftigungsverhältnisse Bundesagentur für Arbeit CDU CSU Detlef Scheele Deutsche Presseagentur Entlassungen FDP Fachkräftemangel Johannes Vogel SPD Wirtschaftskrisen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

10.10.2020

SPD will Recht auf Homeoffice weiterhin durchsetzen

Corona hat das Arbeiten von zu Hause für viele schlagartig zur Normalität gemacht - aus der Not heraus. Aber sollen Beschäftigte künftig auch einen Anspruch darauf haben? Die Idee ist umstritten. » mehr

Millionen Beschäftigte überqualifiziert

11.10.2020

Millionen Beschäftigte überqualifiziert

Viel Energie und Geld wird in Deutschland in akademische Ausbildung und Berufsabschlüsse gesteckt - auch um dem Fachkräftemangel beizukommen. Doch bei Millionen Menschen passen Arbeit und Abschluss nachher nicht zusammen... » mehr

BA-Chef Scheele

10.10.2020

BA-Chef zu Fachkräftemangel: Brauchen mehr Fortbildung

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, warnt inmitten der Corona-Krise vor einem verschärften Fachkräftemangel und sieht auch die Politik in der Pflicht. » mehr

Agentur für Arbeit

01.09.2020

Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im August

Für Arbeitsmarktexperten war es ein typischer August: Die Arbeitslosenzahl ist wie üblich etwas gestiegen. Mit Corona hatte das nichts zu tun. Über den Berg sind wir aber noch nicht. » mehr

Agentur für Arbeit

30.07.2020

Noch mehr Arbeitslosigkeit - aber nicht wegen Corona

Dass im Juli mehr Menschen keinen Job haben, ist üblich. Die Corona-Krise hat nun nicht mehr zu einem deutlichen Zuwachs beigetragen. Die Kurzarbeit lag im Mai auf Rekordniveau. » mehr

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

01.09.2020

Altmaier sieht Talsohle in Corona-Krise durchschritten

Steiler Wirtschaftsabsturz, aber auch ein steiler Aufstieg - das ist das «V»-Szenario, mit dem die Bundesregierung in der Corona-Krise rechnet. Nach einer neuen Prognose erholt sich die Volkswirtschaft besser als zunächs... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hofer Filmtage - Freitag Hof

Hofer Filmtage - Freitag | 23.10.2020 Hof
» 26 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. Selb

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. | 23.10.2020 Selb
» 47 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 07. 2020
22:53 Uhr



^