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Autobauer: Mit runderneuerter IAA raus aus den Messehallen

Die Automesse IAA funktioniert nicht mehr wie in vergangenen Glanztagen. Mit einem runderneuerten Konzept wollen die Hersteller zurück zum Autovolk. Sechs Städte rangeln um die Ausrichtung.



Internationale Automobil-Ausstellung
Auf dem Schild eines Ausstellers der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) steht "Grüße von der IAA".   Foto: Andreas Arnold/dpa

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die nächste Internationale Automobilausstellung Pkw deutschlandweit ausgeschrieben.

Die bislang in Frankfurt beheimatete Veranstaltung müsse sich von einer Automesse in eine umfassende Mobilitätsplattform wandeln, hieß es beim Verband in Berlin. An der bereits gestarteten Ausschreibung beteiligen sich laut VDA die Städte Berlin, München, Frankfurt, Köln, Hamburg und Stuttgart. Mit weiteren Bewerbern sei man im Gespräch.

«Weltleitmesse», «Messe mit Weltrang», «International bedeutendste Mobilitätsmesse» - wenn es um die IAA Pkw geht, war der Veranstalter VDA in der Vergangenheit leicht mit Superlativen bei der Hand. Die 68. Ausgabe in diesem September konnte die hochgestochenen Erwartungen nicht mehr erfüllen. 560.000 Besucher und 838 Aussteller markierten langjährige Tiefstände.

In den Hallen waren abgespeckte Stände mit vielen Elektro-Autos zu sehen, während auf der Straße Radfahrer und Klima-Aktivisten gegen große und schwere Spritschlucker demonstrierten, die der Branche immer noch die Gewinne sichern.

Weltweit sind Automessen wie die Detroit Motor Show, der Pariser Autosalon oder die Tokyo Motor Show in der Krise. Der Zeitgeist arbeitet gegen das Auto und verlangt nach nachhaltigen Verkehrskonzepten. Der VDA hat bereits bei der IAA 2019 mit Gesprächsangeboten reagiert und auch kritische Diskussionen ausgehalten.

Mit der Neuausrichtung will man Teil der Lösung werden: «Die IAA wird keine reine Autoshow mehr sein, sondern eine Mobilitätsplattform. Sie wird auch raus aus den Messehallen und in die Städte gehen», erklärte der scheidende VDA-Präsident Bernhard Mattes.

Der Verband verlangt von den Kommunen und ihren Messegesellschaften Organisationskonzepte und Investitionen. Neben der klassischen Messe mit Kongressangeboten stellt sich die Autoindustrie eine großzügige Fläche mit Teststrecken und Parcours vor. Besucher sollen dort beispielsweise automatisiert fahrende Autos mit alternativen Antrieben oder neue Mobilitätsangebote in Praxistests erleben können.

Auch Verkaufsausstellungen mit Show-Elementen will der VDA dort erlauben. Der Verband kommt damit einer Forderung etlicher Hersteller nach, die Messe zur Direktvermarktung nutzen zu können. Für ein paar Gespräche mit Journalisten sei ihm sein Messestand eigentlich zu teuer, hatte beispielsweise Opel-Chef Michael Lohscheller bei der IAA 2019 wissen lassen.

Zwischen der Messe und der neuen Veranstaltungsfläche soll dem VDA zufolge als drittes Element eine «Erlebnisachse» entstehen, auf der diverse Fahrzeuge der Aussteller, autonome Mobile und öffentlicher Nahverkehr unterwegs sein könnten. Die Industrie wolle die veranstaltende Kommune unterstützen, ein zukunftsgerichtetes Mobilitätskonzept zu entwickeln. «Die Städte haben diese Probleme ohnehin vor der Brust und sind auch schon gut unterwegs», erwartet ein Experte im Verband.

Der Zuschlag soll im ersten Quartal kommenden Jahres erteilt werden, teilte der VDA noch mit. Man sei sich bewusst, dass dies einen sehr engen Zeitplan für die 69. IAA im Herbst 2021 ergebe. Unklar blieb zunächst, für welche Zeitspanne die Vergabe dann Gültigkeit behalten soll. Eine einmalige Veranstaltung solle es wohl nicht werden, ist ohne weitere Details noch zu hören.

VDA-Chef Mattes verspricht nachhaltige Wirkungen: «Wir wollen, dass schon die kommende IAA über die Zeit des Events hinaus wirkt. Mit dem Abbau der Stände ist nicht alles vorbei, sie soll etwas Nachhaltiges schaffen. Im besten Fall ist sie Anstoß für die Etablierung neuer Konzepte und Testfelder eines neuen Mobilitätsmixes in der ausrichtenden Stadt.»

Einzelne Bewerber zeigen sich optimistisch, das Rennen zu machen. Frankfurt als bisheriger Standort sieht sich auch für eine erneuerte IAA gerüstet. Man könne zahlreiche urbane Orte für zusätzliche Veranstaltungen bieten, erklärte der städtische Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Nach 35 IAAs in Frankfurt wünsche man sich eine weitere langfristige Zusammenarbeit. In Hamburg verweist die Messegesellschaft auf den ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme, der 2021 in der Hansestadt mit etlichen Projekten geplant ist.

In Köln gilt die «Gamescom» als leuchtendes Beispiel für eine erfolgreiche Messe-Etablierung und selbst die deutsche Stau-Hauptstadt wirbt für sich. «Die Autostadt Stuttgart steht grundsätzlich einer Messe, bei der es um die Transformation der Mobilität geht, sehr aufgeschlossen gegenüber. Stuttgart ist bereits auf dem Weg, sich von einer autogerechten Stadt zu einer Stadt der nachhaltigen Mobilität zu entwickeln», erklärte der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Der weltgrößte Auto-Hersteller Volkswagen unterstützt die Neuausrichtung. «Wir wollen, dass sich die IAA von einer Autoshow auf einem abgeschlossenen Messegelände zu einem Ort entwickelt, an dem die Mobilität der Zukunft für alle erlebbar und anfassbar wird», erklärte ein Sprecher. Man wünsche Dialog und Interaktion mit allen Bürgern, nicht nur den Autofans. «In welcher Stadt das am besten möglich sein wird, wird jetzt im Zuge einer transparenten Ausschreibung geprüft.»

Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
15:46 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
15:46 Uhr



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