Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Wirtschaft

BDI warnt vor «wirtschaftlichem Desaster» beim Brexit

Einigen sich EU und Großbritannien nicht auf ein Abkommen nach der Brexit-Übergangsphase, drohen Zölle, unterschiedliche Standards und Chaos im Handel. Der deutsche Industrieverband rechnet mit einer Katastrophe.



Produktion bei VW
Karosseriebau im Volkswagen-Werk in Zwickau.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Die deutsche Industrie hat vor massiven Folgen bei einem Scheitern der Verhandlungen über ein Brexit-Anschlussabkommen zwischen der EU und Großbritannien gewarnt.

«Ohne klare Vorgaben für den Warenverkehr wird der Brexit für Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Desaster», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. Die Verhandlungspartner auf beiden Seiten des Ärmelkanals müssten dringend die Zeit bis Jahresende nutzen, um sich auf ein umfassendes Freihandelsabkommen zu einigen.

Lang sagte, das künftige Abkommen müsse tiefer greifen als traditionelle Freihandelsabkommen der EU mit anderen Ländern. Wichtig sei es, die ohnehin großen Handelshemmnisse mit einfachen und harmonisierten Ursprungsregeln so gering wie möglich zu halten. Einfache Regeln würden gerade mittelständischen Unternehmen den Handel massiv erleichtern und bürokratischen Aufwand erheblich reduzieren.

Ein BDI-Positionspapier zum Warenhandel enthält 42 Forderungen, die sich an die Verhandlungsparteien richten. Ziel müsse es sein, die Zollverfahren weitestgehend zu vereinfachen. Es dürften keine neuen Zölle eingeführt werden und es müsse gleiche Wettbewerbsbedingungen geben. Für Subventionen müssten klare und restriktive Regeln festgelegt und ein Mechanismus zur Beilegung von Handelsstreitigkeiten eingerichtet werden.

Die beiden Parteien verhandeln in dieser Woche wieder. Großbritannien hat die EU zwar bereits Ende Januar verlassen, gehört aber bis Jahresende noch zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Dann droht ohne Anschlussregelung ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen. Eine Frist zur Verlängerung dieser Übergangsfrist ließ London Ende Juni ungenutzt verstreichen.

Der Brexit werde für die Zollbehörden auf beiden Seiten des Ärmelkanals eine Herausforderung, so der BDI. Daher müsse sowohl in physische Infrastruktur an den Hauptverkehrsadern für den Handel zwischen der EU und Großbritannien als auch in die digitale Zollinfrastruktur investiert werden.

«Ein britischer EU-Austritt ohne Abkommen wäre für alle Seiten das schlechteste Ergebnis», so Lang. «Bewegt sich London nicht in zentralen Fragen, müssen sich auch die britischen Unternehmen auf einen harten Bruch einstellen.»

Die Gespräche zwischen Brüssel und London drehen sich seit Monaten im Kreis. Die EU bietet ein umfassendes Handelsabkommen, mit dem Großbritannien seine Waren ohne Zölle und Mengenbegrenzung in den Binnenmarkt exportieren könnte. Im Gegenzug verlangt die EU gleich hohe Umwelt- und Sozialstandards, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Großbritannien will solche Vorgaben jedoch nicht akzeptieren.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-740007/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 07. 2020
07:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
BDI Brexit Deutsche Industrie Europäische Union Güterhandel Handelsabkommen Industrieverbände Joachim Lang Subventionen Zoll (Außenwirtschaft)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Containerhafen Duisburg

09.11.2020

Export holt nach Corona-Einbruch weiter auf

Die Nachfrage nach Waren «Made in Germany» zieht in einigen wichtigen Absatzmärkten wieder an. Bis sich die Exportwirtschaft von dem Corona-Schock erholt hat, wird es nach Einschätzung der Industrie aber noch dauern. » mehr

Britischer und deutscher Reisepass

28.01.2020

BDI: Unsicherheiten nach Brexit nicht vorbei

Nach Einschätzung des Industrieverbands BDI ist das Risiko eines No-Deal-Brexit noch immer groß. Großbritannien ist künftig ein wirtschaftlicher Konkurrent außerhalb des Binnenmarktes. Für Unternehmen gebe es weiterhin «... » mehr

Hafen Hamburg

30.10.2020

Deutsche Wirtschaft arbeitet sich aus dem Corona-Tief

Europas größte Volkswirtschaft ist auf den Wachstumskurs zurückgekehrt. Doch der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im Sommer gegenüber dem Vorquartal ist nur eine Momentaufnahme. » mehr

Boris Johnson

07.11.2020

Noch kein Durchbruch beim Brexit-Handelspakt

London und Brüssel ziehen auf höchster Ebene eine ernüchternde Bilanz ihrer bisherigen Verhandlungen um einen Brexit-Handelspakt. Gibt es auf den letzten Metern noch eine Chance auf einen Deal? » mehr

Hamburger Hafen

09.07.2020

Viel Schatten und ein wenig Licht für deutschen Export

Der deutsche Export scheint in der Corona-Krise das Schlimmste überstanden zu haben. Es geht wieder etwas aufwärts. Von Normalität kann allerdings noch keine Rede sein. » mehr

Chinas neue Regeln

10.11.2020

Deutsche Industrie besorgt über Chinas neue Regeln

China hat das Virus im Griff. Wegen der neuen Infektionswellen in Deutschland und anderen Ländern fürchtet es den Import von Fällen. Mit neuen Vorschriften macht es seine Grenzen weiter dicht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Waldershof: Brand in Seniorenheim

Waldershof: Brand in Seniorenheim | 23.11.2020 Waldershof
» 5 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 07. 2020
07:47 Uhr



^