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Wirtschaft

Bahnfahren wird wieder teurer

Seit Corona fahren längst nicht mehr so viele Menschen mit dem Zug. Der Bund hilft schon mit Milliarden aus. Nun werden die Fahrkarten teurer. Und sind trotzdem günstiger als früher.



Fahrkartenautomat
Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht in Wiesbaden (Hessen). Das Reisen mit der Bahn wird wieder teuerer.   Foto: picture alliance / dpa

Zurück zu alten Gewohnheiten: Nach einer Ausnahme im vergangenen Herbst steigen die Bahnpreise in diesem Oktober wieder - so wie es bisher üblich war.

Nach der starken Preissenkung zum Jahresbeginn ist für Bahnkunden nun wieder alles beim Alten: Zum Jahresende gibt es eine leichte Erhöhung. Durchschnittlich ein Prozent mehr müssen die Fahrgäste ab dem 13. Dezember für Fernverkehrstickets ausgeben, wie die Bahn mitteilte.

Betroffen sind vor allem Pendler und Kunden, die volle Flexibilität wünschen: Fahrkarten zum sogenannten Flexpreis verteuern sich im Schnitt um 1,5 Prozent, für Streckenzeitkarten und die Bahncard 100 liegt der Aufschlag im Durchschnitt bei 1,9 Prozent.

Eine Flexpreis-Karte von Hamburg nach Frankfurt in der zweiten Klasse des ICE beispielsweise kostet dann 114,60 Euro, 1,70 Euro mehr. Von München nach Berlin sind es 137 Euro, 2 Euro mehr.

Wer sich dagegen früh auf einen Zug festlegt, kann sparen: Die sogenannten Super-Sparpreise ab 17,50 Euro und die Sparpreise ab 21,10 Euro ändern sich nicht. Auch die Bahncards 25 und 50 werden nicht teurer.

Fahrgastvertreter reagierten reserviert. Wirtschaftlich sei es nachvollziehbar, dass die Preise steigen, sagte Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. Die Gehälter bei der Bahn stiegen, die Einnahmen seien aber weggebrochen. «Aber es passt nicht in die Zeit, wenn man Fahrgäste zurückgewinnen will», sagte Naumann. Vom Corona-Schock haben sich die Fahrgastzahlen bis heute nicht erholt.

Schärfer reagierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen: «Die Ticketpreiserhöhungen der Bahn sind unverschämt.» Das Unternehmen erhalte Milliarden vom Staat. «Auch aus Gründen des Klimaschutzes muss Bahnfahren attraktiver werden, nicht teurer.» Die Bahn betonte, dass sie Milliarden investiere, etwa in neue Intercity- und ICE-Züge. Für Fahrgäste stiegen das Sitzplatzangebot und der Komfort.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf, die Preiserhöhung zu unterbinden. Sie sei kaum vermittelbar. «Der Service hinkt vielfach, die Qualität bleibt hinter den Erwartungen.»

Eigentlich ist Bahnfahren gerade günstiger als in den vergangenen Jahren. Im Januar sanken die Preise im Fernverkehr um zehn Prozent. Der Bund hatte die Mehrwertsteuer gesenkt, damit mehr Menschen Bahn fahren, statt ins Auto oder Flugzeug zu steigen. Die Bahn schlug das eins zu eins auf die Preise um.

Im Juli folgte die nächste Senkung um 1,9 Prozent. Wieder verzichtete der Bund auf Steuern, dieses Mal, um in der Corona-Krise die Wirtschaft anzukurbeln; dieser Abschlag gilt aber nur bis Jahresende. Es gibt auch Rabattaktionen, wie jetzt für die Bahncard 25.

Zugleich erhält das Bundesunternehmen viel Geld vom Staat. Im Klimapaket sind ihr jährlich eine Milliarde zusätzliches Eigenkapital zugesagt worden. Um die Corona-Krise zu bewältigen, soll sie dieses Jahr weitere fünf Milliarden erhalten. Der Bundesrechnungshof aber erwartet, dass der Schaden so groß vermutlich nicht sein werde.

Auch der Grünen-Bahnpolitiker Matthias Gastel forderte, die Bahn dürfe nicht überkompensiert werden. Er vermisst Transparenz. «Weder sind die genauen Ausfälle der DB bekannt noch wurden Vorgaben zur Verwendung der Hilfszahlungen gemacht.»

Transparent ist aber der Preisschritt für die Kunden: Wer im nächsten Jahr noch zu alten Preisen fahren will, muss bis zum 12. Dezember buchen. Das gilt übrigens auch im Regionalverkehr. Erst am Montag haben die Bahn und weitere Anbieter angekündigt, dass die Preise dort durchschnittlich um 1,5 Prozent steigen. Das betrifft zwar nur etwa jede fünfte Fahrt - nämlich die außerhalb von Verkehrsverbünden, die ihre Preise selbst machen. Dort gibt es aber teils etwas größere Aufschläge.

© dpa-infocom, dpa:201006-99-843276/3

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06. 10. 2020
16:20 Uhr

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