Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Wirtschaft

Behörde muss Zugang zu Glyphosat-Studien gewähren

Lange stritten die EU-Staaten um die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Eine Rolle spielten dabei Studien zum Krebsrisiko des Mittels. Die EU-Lebensmittelbehörde muss diese nun nach einem Urteil wohl öffentlich machen.



Glyphosat
Glyphosat war 2017 in der EU nach monatelangem Streit für weitere fünf Jahre zugelassen worden. Foto: Patrick Pleul   Foto: dpa

Umstrittene Studien über das Krebsrisiko des Unkrautvernichters Glyphosat müssen nach einem Urteil des EU-Gerichts öffentlich gemacht werden.

Die Entscheidung der EU-Lebensmittelbehörde Efsa, entsprechende Untersuchungen unter Verschluss zu halten, sei nichtig, erklärten die Luxemburger Richter am Donnerstag (Rechtssachen T-716/14, T-329/17). Grüne und Umweltschützer jubeln. Gegen das Urteil kann allerdings innerhalb von zwei Monaten beim höheren Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgegangen werden.

Hintergrund des Urteils ist der monatelang Streit um die weitere Nutzung von Glyphosat in der EU. Das Mittel war 2017 von den Mitgliedsstaaten für weitere fünf Jahre zugelassen worden. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat im März 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen ein. Die Lebensmittelbehörde Efsa, die Chemikalienagentur Echa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung sah dafür aber keine Bestätigung. Gegen das Mittel hatte es vor allem hierzulande heftige Proteste gegeben.

Unter anderem vier grüne Europaparlamentarier klagten dagegen, dass Efsa ihnen den Zugang zu entsprechenden Studien verwehrt hatte. Die Lebensmittelbehörde begründete dies mit dem Schutz der finanziellen Interessen der Unternehmen, die die Studien vorgelegt hatten - unter anderem der mittlerweile vom Agrar- und Pharmariesen Bayer übernommene US-Saatgutkonzern Monsanto.

Die Luxemburger Richter urteilten nun, das Interesse der Öffentlichkeit an Informationen, die Emissionen in die Umwelt beträfen, sei höher als der Schutz von Geschäftsinteressen. Das Interesse bestehe nicht nur darin, zu wissen, was in die Umwelt freigesetzt worden sei, sondern auch, wie die Umwelt dadurch beeinträchtigt werde.

Glyphosat sei von 1. Juli 2002 an als Wirkstoff in der EU zugelassen gewesen, führten die Richter weiter aus. Es handele sich um eines der gängigsten Unkrautvernichtungsmittel in Europa. Rückstände fänden sich unter anderem in Pflanzen, im Wasser und in Lebensmitteln.

Die Lebensmittelbehörde Efsa erklärte nun, sie begrüße, dass das Urteil Orientierung beim öffentlichen Zugang zu Dokumenten schaffe. Das Urteil werde zunächst noch eingehend analysiert, hieß es.

Der Agrarchemiekonzern Bayer erklärte, das Urteil werde noch geprüft. Es gehe nicht um Verpflichtungen von Bayer oder anderen Glyphosat-Unternehmen, sondern um die Verpflichtungen der Lebensmittebehörde Efsa, sagte ein Sprecher. Unabhängig von diesem Fall habe Bayer aber ein Transparenz-Register eingerichtet, das den Zugang zu den wissenschaftlichen Daten von Bayer ermögliche, die von Aufsichtsbehörden zur Beurteilung der Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln verwendet würden.

Umweltschützer, Grüne und Sozialdemokraten bewerteten das Urteil aus Luxemburg schon als großen Erfolg. «Die Entscheidung des Gerichts wird mehr Klarheit in die öffentliche Diskussion um Pestizide bringen. Jetzt steht fest, dass die Öffentlichkeit Zugang zu Informationen aus bisher nicht veröffentlichten Studien über die langfristigen Folgen dieser Wirkstoffe hat», sagte die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior.

Die Greenpeace-Lebensmittelexpertin Franziska Achterberg sagte: «Es ist schockierend, dass Efsa vor Gericht daran erinnert werden musste, dass ihre Aufgabe der Schutz der öffentlichen Gesundheit ist, nicht der Schutz der Geschäftsinteressen von Glyphosatherstellern.»

«Jetzt wird ans Tageslicht kommen, was die Geschäftemacher uns vorenthalten wollten. Wir müssen jetzt auf sofortige Herausgabe aller Studien drängen und diese umgehend analysieren», sagte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. «Wenn sich die vermuteten Belege dafür finden, dass Glyphosat tatsächlich krebserregend ist, wäre das ein Skandal mit weitreichenden Veränderungen: Glyphosat müsste sofort verboten werden.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 03. 2019
17:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayer Carcinogenität Die Internationale Europäische Kommission Europäischer Gerichtshof Geschäftsinteressen Glyphosat Krebsrisiken Monsanto Susanne Melior Umweltschützer Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Glyphosat-Prozess

28.03.2019

Glyphosat-Klagewelle: Wird Monsanto zum Milliardengrab?

Der teure Zukauf Monsanto bringt Bayer immer stärker unter Druck. Wegen ihres umstrittenen Unkrautvernichters wurde die Tochter nun erneut zu hohem Schadenersatz verdonnert. Was bedeutet das 80-Millionen-Dollar-Urteil fü... » mehr

Bayer-Tochter Monsanto

26.02.2019

Glyphosat-Prozess gegen Monsanto beginnt turbulent

Bayers über 60 Milliarden Dollar teurer US-Zukauf Monsanto muss sich in den USA erneut wegen seiner Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Herbizid Glyphosat als Wirkstoff vor Gericht verantworten. Der Großprozess in San... » mehr

Roundup

04.06.2019

Neuer Ärger für Bayer wegen Monsantos Unkrautvernichter

Die Kritik an Bayer nach der Übernahme von Monsanto lässt nicht nach. Nachdem der Konzern eine Milliarden-Strafe an ein Rentnerpaar in den USA gezahlt hatte, steht nun in einem anderen Land juristischer Ärger vor der Tür... » mehr

DeWayne Johnson

11.10.2018

Wird das Glyphosat-Urteil gegen Monsanto gekippt?

«Keine klaren und überzeugenden Beweise» - hinter dem 289 Millionen Dollar schweren Urteil im Rechtsstreit um angebliche Krebsgefahren glyphosathaltiger Unkrautvernichter von Monsanto steht plötzlich ein großes Fragezeic... » mehr

Monsanto

20.03.2019

Schlappe in Prozess: Wie gefährlich wird Monsanto für Bayer?

Die US-Tochter Monsanto entwickelt sich zur großen Belastung für den Bayer-Konzern. In einem wichtigen US-Großprozess stufte die Jury Monsantos Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Damit geht die Gerichtsverh... » mehr

Monsanto

20.03.2019

Bayer-Tochter Monsanto unterliegt in US-Glyphosat-Prozess

Die US-Tochter Monsanto entwickelt sich zur großen Belastung für den Bayer-Konzern. In einem wichtigen US-Großprozess stufte die Jury Monsantos Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Damit geht die Gerichtsverh... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Food-Truck-Festival Hof 2019

Food-Truck-Festival Hof 2019 | 17.08.2019 Hof
» 50 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 03. 2019
17:14 Uhr



^