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Boehringer-Managerin: Zeit der großen «Blockbuster» vorbei

Individualisierte Krebstherapien, Biopharmazeutika und Tiermedizin - das sind die großen Themen, auf die die neue Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim setzt. Sabine Nikolaus hat große Ziele.



Sabine Nikolaus
Sabine Nikolaus ist die Deutschland-Chefin des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim.   Foto: Frank Rumpenhorst

Der Fokus der Medizin wird künftig nach Einschätzung der neuen Deutschland-Chefin von Boehringer Ingelheim auf individualisierten Therapien liegen.

Der Trend gehe in Richtung differenzierterer Ansätze, sagte Sabine Nikolaus der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Krebserkrankungen etwa würden immer «tumorspezifischer» und exakter auf den einzelnen Patienten abgestimmt bekämpft. Das heiße auch, dass es anders als in der Vergangenheit nicht mehr die Medikamente geben werde, die bei einer großen Masse von Kranken einheitlich verwendet würden. «Die Zeit der großen Blockbuster wird die Zukunft nicht mehr sein.»

An diesem Mittwoch (17.4.) stellt Boehringer Ingelheim auf einer Pressekonferenz die Bilanz 2018 vor. Nikolaus ist seit Jahresanfang Nachfolgerin des langjährigen Boehringer-Landesleiters Stefan Rinn.

Angesichts des Trends zu immer individuelleren Therapien in der Medizin hält sie Änderungen im Gesundheitssystem für nötig. «Im Moment steht der Preis eines Arzneimittels im Zentrum», sagte Nikolaus. Ganz häufig sei der aber entkoppelt vom eigentlichen Nutzen.

«Wenn Sie mit einem Medikament die Einweisung in ein Krankenhaus hinauszögern oder einen Mensch länger gesund halten können, dann ist das ein Wert an sich, der momentan noch recht wenig berücksichtigt wird», sagte Nikolaus. Sie rede bewusst nicht vom Preis eines Arzneimittels, sondern vom Wert eines Arzneimittels. Sondern: «Wir brauchen eher volkswirtschaftlich integrativere Betrachtungen von Arzneimittel-Therapien.»

Noch mehr an Bedeutung gewinnen nach Einschätzung von Nikolaus auch Biopharmazeutika - also Arzneimittel, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. «Der Trend geht zu großen biopharmazeutischen Molekülen. Das ist der Grund, warum wir dort in der Forschung und Entwicklung investieren», sagte sie. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft EY war der Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland 2017 um acht Prozent auf den Rekordwert von vier Milliarden Euro gestiegen.

Boehringer stärke gezielt seine biopharmazeutische Eigenproduktion - vor allem in Mittel gegen Magen-Darm- sowie Lungenkrebs. Bislang macht in der Biologika-Produktion die Herstellung im Auftrag von Drittfirmen einen beträchtlichen Teil aus. In der Boehringer-Produktpalette stehen Biopharmazeutika Nikolaus zufolge für 40 Prozent - Tendenz steigend. 2018 übernahmen die Ingelheimer das Biopharma-Unternehmen Viratherapeutics aus Innsbruck.

Große Bedeutung misst Nikolaus zudem Forschungskooperationen bei. «Das ist ein Weg der Zukunft», sagte sie. Auch deswegen habe Boehringer eine Substanz-Datenbank erstellt, über die interessierte Forschende Substanzen bestellen könnten. Gerade in der Krebstherapie brauche es Kombinationen von Wirkmechanismen, um die Krankheit erfolgreich bekämpfen zu können. Klar sei trotz aller Digitalisierung und neuer technischer Möglichkeiten: «Arzneistoffforschung ist ein Hochrisikogeschäft und wird das auch bleiben. Da dürfen wir uns nichts vormachen.»

Ein großes Augenmerk legt Boehringer auch auf das Geschäft mit Tiermedizin. 2017 wurde die entsprechende Sanofi-Sparte Merial erworben, dafür das eigene Geschäft mit verschreibungsfreien Mitteln zur Selbstmedikation an die Franzosen abgegeben. Man sei weltweit zur Nummer zwei in der Tiermedizin geworden. Weltmarktführer ist der US-Tiergesundheitskonzern Zoetis.

Potenzial sieht Nikolaus etwa im Nutztierbereich. Wichtig seien etwa Impfstoffe und Methoden, um kranke Tiere frühzeitig zu erkennen, zum Beispiel, wenn Tiere andere Laute von sich geben. Firmen arbeiten beispielsweise an Algorithmen, die Tierlaute im Stall analysieren und bei Anomalitäten ein Signal geben. Boehringer forscht in seinem digitalen Labor «BI X» in Ingelheim an Lösungen mit künstlicher Intelligenz.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 04. 2019
11:38 Uhr

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14. 04. 2019
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