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Wirtschaft

Bsirske spricht von «mafiösen Strukturen» im Paketgeschäft

Das Paketgeschäft ist hart umkämpft. Verdi-Chef Frank Bsirske kritisiert die Paketdienstleister scharf, spricht von mafiösen Strukturen. Die Firmen weisen die Behauptung zurück.



Hermes
Verdi-Chef Frank Bsirske kritisiert unter anderem die Situation bei Hermes.   Foto: Sebastian Gollnow

Verdi-Chef Frank Bsirske hat erneut scharfe Kritik an den Paketdiensten geübt und von teils «mafiösen Strukturen» gesprochen.

«Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele hätten gefälschte Pässe, sagte der Verdi-Chef. «Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag.» Die Paketdienstleister wiesen die Kritik am Wochenende deutlich zurück.

Bsirske forderte, die Politik müsse auch in der Paketbranche die Nachunternehmerhaftung einführen. Das bedeute, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich sei. Das gibt es bisher nach seinen Angaben nur in der Bau- und in der Fleischbranche.

Die SPD-Partei- und -Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles unterstützte die Kritik von Verdi-Chef Bsirske. «Wer den Mindestlohn untergräbt, begeht kein Kavaliersdelikt. Das ist Betrug an den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern», erklärte Nahles am Samstag via Twitter. Sie fügte hinzu: «Wir werden das nicht dulden und wollen die sogenannte Nachunternehmerhaftung auch auf die Paketbranche ausweiten.»

Hermes erwiderte am Samstag, als Auftraggeber lege man großen Wert auf unternehmerische Verantwortung. Hermes lasse sich von all seinen Servicepartnern vertraglich zusichern, «dass sie sich vollumfänglich an gesetzliche Vorgaben - insbesondere die Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns - halten», sagte eine Sprecherin.

Darüber hinaus investiere Hermes in den kommenden fünf Jahren über 100 Millionen Euro, die überwiegend in die Lohn- und Personalkosten in der Paketzustellung fließen. «Für Hermes tätige Servicepartner werden dadurch in die Lage versetzt, ihren Zustellern perspektivisch einen Stundenlohn von mindestens 12 Euro zu zahlen», sagte die Sprecherin. Im Geschäftsjahr 2019 werde zunächst eine Erhöhung der durchschnittlichen Stundenlöhne von derzeit 9,50 Euro auf über 10 Euro umgesetzt, die in vielen Metropolregionen bereits heute deutlich höher liege.

Auch der Bundesverband Paket & Expresslogistik (Biek) betonte, dass die Unternehmen ihre Vertragspartner zur Zahlung des Mindestlohns und zur Arbeitszeitaufzeichnung verpflichten. «Wer gegen Regeln verstößt, muss mit der Kündigung des Vertragsverhältnisses rechnen», sagte die Sprecherin des Biek.

DHL, Marktführer vor Hermes, unterstrich, mehr als 98 Prozent der Pakete durch eigene Zusteller auszuliefern. Bei den anderen 2 Prozent müssten sich die beauftragten Firmen «bezüglich Arbeitsbedingungen und Löhnen an die gesetzlichen Bestimmungen halten», sagte eine Sprecherin am Samstag. Sie müssten sich vertraglich verpflichten, das Mindestlohngesetz einzuhalten. «Ein direkter Eingriff in die Lohnstruktur der Servicepartner ist jedoch nicht möglich, da es sich um selbstständige Unternehmen handelt, die in eigener Verantwortung ihren Betrieb leiten», ergänzte die Sprecherin.

Der DHL-Konkurrent DPD nannte die Äußerungen von Bsirske «eine nicht nachvollziehbare Vorverurteilung» und «geradezu beleidigend für Tausende von redlichen Transportunternehmen». Ein Sprecher sagte: «Die beauftragten Transportunternehmen haben klare gesetzliche und vertragliche Verpflichtungen, die von DPD fortlaufend geprüft werden.»

Der boomende Online-Handel treibt die Nachfrage bei den verschiedenen Diensten weiter nach oben. Die Paketflut stellt die Zusteller vor große Probleme, die Suche nach Fahrern erweist sich bei niedrigen Löhnen als Herausforderung. «Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt», sagte Hermes-Deutschland-Chef Olaf Schabirosky im vergangenen Dezember. «Das E-Commerce-Wachstum war in den letzten Jahren sehr groß. Es gibt Mitbewerber, die in der Lage sind, höhere Löhne zu zahlen. Teilweise wird gezielt abgeworben.»

Um die Mehrausgaben zu finanzieren, haben mehrere Dienstleister die Preise in der Vergangenheit bereits angehoben und weitere Steigerungen angekündigt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 02. 2019
16:23 Uhr

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23. 02. 2019
16:23 Uhr



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