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Wirtschaft

Commerzbank plant vorerst keine Strafzinsen für Privatkunden

Der Wettbewerb auf dem deutschen Markt ist hart. Die Commerzbank muss sich nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank aus eigener Kraft behaupten.



Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
Dank geringerer Steuern hat die Commerzbank einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal verhindert.   Foto: Arne Dedert

Die Commerzbank sieht sich angesichts der Konjunkturabkühlung und anhaltender Niedrigzinsen vor wachsenden Herausforderungen.

Zwar peilt das Institut in diesem Jahr weiterhin einen etwas höheren Gewinn an als im Vorjahr. Dieses Ziel sei wegen der sich «spürbar eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage» und der unsicheren Situation in der Weltpolitik aber «deutlich ambitionierter» geworden, betonte der Vorstand bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal.

Finanzhäuser leiden unter der Zinsflaute und dem starken Wettbewerb. Hinzu kommt die aktuelle Konjunkturabschwächung. Damit wächst das Risiko, dass Kunden ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank muss sich die Commerzbank aus eigener Kraft in dem rauen Umfeld behaupten.

Strafzinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, will die Commerzbank im Gegensatz zu manchen anderen Instituten vorerst nicht an Privatkunden weiterreichen.

Bei großen Privatvermögen setze man auf Umschichtungen, erläuterte Finanzvorstand Stephan Engels. Sollte sich eine Weitergabe der Strafzinsen im großen Stil am Markt durchsetzen «und wir von Einlagen überschwemmt werden», müsse sich die Bank das aber genauer ansehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst angedeutet, der Strafzins von aktuell 0,4 Prozent könnte weiter verschärft werden.

Dank geringerer Steuern konnte die Commerzbank im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch verhindern. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 271 Millionen Euro und damit eine Million weniger als ein Jahr zuvor. An der Börse kam die Quartalsbilanz des im MDax notierten Unternehmens nicht gut an. Die Aktie verlor bis zum Mittag.

Der operative Gewinn brach stärker als gedacht um ein Viertel auf 298 Millionen Euro ein, auch weil die Bank die Risikovorsorge für faule Kredite erhöhte. Das Institut führte dies insbesondere auf Einzelfälle zurück. Es handele sich um weniger als eine Handvoll Fälle, sagte Finanzvorstand Stephan Engels. Insgesamt sei das Risikoprofil im Kreditgeschäft weiter sehr gesund.

In den ersten sechs Monaten verdiente das Institut 391 Millionen Euro (Vorjahr: 533 Mio). Im vergangenen Jahr hatten die Frankfurter insgesamt einen Konzerngewinn von 865 Millionen Euro erzielt.

Vorstandschef Martin Zielke verwies auf Wachstum im Kundengeschäft, betonte aber auch: «Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu.» Dies werde vermutlich weitere Investitionen erfordern, «und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess».

Mit der Konzentration auf Privatkunden sowie Firmenkunden und Mittelstand sieht sich die Commerzbank, deren größter Anteilseigner der deutsche Staat ist, zwar grundsätzlich gut aufgestellt. Allerdings sind die Möglichkeiten zu Wachstum aus eigener Kraft begrenzt. Der Commerzbank-Vorstand will im Herbst aufzeigen, wie das Institut nach 2020 weiterentwickelt werden soll. Dann läuft der seit Herbst 2016 geltende Strategieplan aus.

Nach den im April geplatzten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank hatten sich Spekulationen gehalten, die niederländische ING und die italienische Unicredit hätten ein Auge auf die Frankfurter geworfen. Zuletzt waren die Gerüchte jedoch verstummt. Derzeit klopfe niemand bei der Commerzbank an, sagte Finanzvorstand Engels.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - sanken im zweiten Quartal um mehr als 2 Prozent auf 2,129 Milliarden Euro. Gemildert wurde der Gegenwind aus negativen Zinsen und Kosten für die Regulierung im ersten Halbjahr durch zusätzliches Geschäft mit neuen Kunden. Unter dem Strich gewann die Commerzbank im zweiten Quartal samt ihrer Onlinetochter Comdirect 108.000 neue Privatkunden hinzu, seit Jahresbeginn waren es 232.000.

Zuletzt hatten allerdings drei IT-Pannen für Verärgerung der Kunden gesorgt. Engels sprach von einer Verkettung unglücklicher Umstände, kombiniert mit fehlerhafter Dateneingabe. Die Bank habe die Kontrollen nachgeschärft.

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
14:47 Uhr

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07. 08. 2019
14:47 Uhr



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