Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

Wirtschaft

Daimler-Chef Källenius will Managerposten streichen

Der Autobauer Daimler ist auf Sparkurs - aber wohin genau der führen soll, hat Vorstandschef Källenius bislang nicht verraten. Das machen jetzt andere für ihn - und die sind nicht glücklich damit.



Daimler-Chef Källenius
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.   Foto: Christoph Schmidt/dpa

Daimler-Chef Ola Källenius setzt mit seinem Sparprogramm bei den Führungskräften des Autobauers an. Laut Betriebsrat sollen weltweit 1100 Stellen auf den verschiedenen Management-Ebenen wegfallen.

In Deutschland wäre es etwa jede zehnte, wie Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht in einem Info-Brief an die Mitarbeiter schrieb, der auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Zuvor hatten «Süddeutsche Zeitung» und «Handelsblatt» darüber berichtet. Daimler wollte das nicht kommentieren. Källenius will erst kommende Woche einen Einblick in seine Strategie für die nächsten Jahre geben.

Den Sparkurs hatte noch Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche Anfang des Jahres vorgegeben. Die allgemein schwache Autokonjunktur, Produktionsprobleme, hohe Kosten für Rückrufe und andere Sorgen mit dem Diesel sowie die immensen Ausgaben für Elektromobilität und Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren machten und machen Daimler zu schaffen. Vor allem das erste Halbjahr lief nicht gut.

Källenius habe nun Anfang der Woche bei einer internen Führungskräfteveranstaltung erstmals eine konkrete Zahl zu seinen Sparplänen genannt - nämlich die der zu streichenden Managerjobs, schrieb Brecht an die Mitarbeiter. «Wir sehen als Gesamtbetriebsrat durchaus die finanziell schwierige Situation sowie die Notwendigkeit von umsichtigen Maßnahmen, aber: Ihr dürft nicht für juristische Streitigkeiten oder Qualitätsprobleme von Zulieferern zur Kasse gebeten werden!», heißt es in dem Brief weiter.

Um die Personalkosten zu reduzieren, habe die Unternehmensleitung auch vorgeschlagen, mögliche Tariferhöhungen aus der im Frühjahr 2020 anstehenden Tarifrunde nicht zu übernehmen oder individuelle Lohn- und Gehaltserhöhungen hinauszuzögern. «Dies haben wir kategorisch abgelehnt», betonte Brecht. Ein Unternehmenssprecher sagte, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Mit den Arbeitnehmervertretern gebe es einen konstruktiven Dialog.

Daimler hat gut 178.000 Beschäftigte in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen hat der Konzern bis Ende des kommenden Jahrzehnts ausgeschlossen, auch Abfindungsprogramme oder ähnliches soll es nicht geben - was nicht ausschließt, dass der Konzern zum Beispiel freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt. Punktuelle Ausscheidungsvereinbarungen für Beschäftigte im indirekten Bereich, also zum Beispiel in der Verwaltung, könne man durchaus auch diskutieren, schrieb Brecht.

Der Betriebsrat fordert zudem eine Ausweitung der in der vergangenen Tarifrunde ausgehandelten Möglichkeit, ein tarifliches Zusatzgeld gegen freie Tage tauschen zu können. Auch solle die Altersteilzeit weiter geöffnet werden. «Sinnloses Kostenschrubben lehnen wir ab», schreibt Brecht.

Laut «Süddeutscher Zeitung» soll Källenius den Betriebsräten zuletzt auch wenig Hoffnung gemacht haben, dass man die künftige Fertigung der Elektroauto-Antriebe im Stammwerk in Untertürkheim ansiedeln werde - worum die Arbeitnehmervertreter derzeit vehement kämpfen. Erst am Donnerstag hatte der örtliche Betriebsrat dem Unternehmen vorgeworfen, überzogene Forderungen in Sachen Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit vorzubringen.

Personalvorstand Wilfried Porth hatte dazu vor einigen Tagen der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es sei unternehmerische Pflicht, jedes neue Bauteil auf den Prüfstand zu stellen, um die Finanzkraft und damit auch die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. «Es ist eine ganz klare wirtschaftliche Frage: Wenn wir das inhouse wirtschaftlich oder wettbewerbsfähig hinkriegen, dann spricht nichts dagegen, es selbst zu machen», betonte Porth. «Aber wir können einfach keine Kompromisse eingehen - gerade nicht bei einer Technologie, bei der die Kosten deutlich höher sind als im traditionellen Bereich, und bei der der Kunde nicht bereit ist, diese Mehrkosten zu tragen.»

Dass die Autobranche nach der Transformation, die sie gerade durchläuft, noch so viele Mitarbeiter wie heute beschäftigen wird, glaubt Porth ohnehin nicht. «Wir werden langfristig eine Reduzierung der Arbeitskräfte in der gesamten Automobilindustrie haben», sagte er. Was genau das für einzelne Standorte bedeute, könne er zwar nicht sagen. Es könnten durchaus auch welche von der Transformation profitieren. «Was wir aber alle wissen: Wenn sich die Elektromobilität komplett durchsetzt, dann wird weniger Wertschöpfung in der Kette sein», sagte Porth. «Und das wird dann auch auf uns eine Auswirkung haben. Aber es wird viele Jahre dauern, bis so ein Übergang abgeschlossen ist.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
16:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Autofirmen Daimler AG Daimler-Chefs Deutsche Presseagentur Dieter Zetsche Handelsblatt Lohnsteigerungen Mitarbeiter und Personal Ola Källenius Personalvorstand Produktionsprobleme Tarife (Löhne und Einkommen) Unternehmenssprecher
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Dieselskandal - Daimler

22.01.2020

Dieselaffäre kostet Daimler noch mehr Geld

Nach den Hiobsbotschaften des Sommers hat Daimler-Chef Källenius zuletzt wieder Zuversicht verbreitet. Kurz bevor der Schwede die Bilanz für 2019 vorlegen kann, flattert dem Konzern nun aber die nächste Diesel-Rechnung i... » mehr

Daimler-Chef Källenius

14.11.2019

Källenius gibt Daimler strikten Sparkurs vor

Weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. Und sparen, wo es geht. Daimler-Chef Källenius hat seine Zukunftsstrategie vorgelegt - und darin intensiv den Rotstift angesetzt. » mehr

Ola Källenius

29.11.2019

Daimler streicht weltweit mehr als 10.000 Stellen

Dass der Sparkurs von Daimler-Chef Källenius nicht ohne Stellenabbau funktioniert, war klar. Nun liegt erstmals eine Zahl auf dem Tisch. Und die ist ziemlich groß. » mehr

Daimler AG

10.02.2020

Daimler muss wohl noch ein bisschen mehr sparen

Kosten runter, Stellen streichen, Investitionen kappen, Modellpalette straffen: Im November hat Daimler-Chef Källenius ein umfassendes Sparprogramm vorgelegt. Womöglich reicht das aber nicht. » mehr

Ola Källenius

13.01.2020

Daimler: Sparprogramm ist keine Abkehr von Zukunftsprojekten

Nach einem Jahr voller schlechter Nachrichten für Daimler spricht Vorstandschef Ola Källenius über immer noch aktuelle Trends, neue Prioritäten und die Chancen für das Milliardenprojekt Robotaxi. » mehr

BMW-Elektroauto i4

03.03.2020

Coronavirus und Klimavorgaben machen Autobauern zu schaffen

Die deutschen Autobauer sehen sich von mehreren Seiten unter Druck: Sie müssen den Wandel zur E-Mobilität bewältigen und die CO2-Emissionen ihrer Flotten reduzieren - sonst drohen Strafen der EU. Nun kommen die Folgen de... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Feuer in der Ireks

Feuer in der Ireks | 31.03.2020 Kulmbach
» 8 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
16:04 Uhr



^