Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Daimler will bei Neuwagen CO2-Ausstoß auf Null senken

Die großen Konzerne überbieten sich derzeit mit Plänen zum Klimaschutz. Der Autobauer Daimler macht nun Pläne für die Neuwagen-Flotte in 20 Jahren - einige Fragen bleiben aber offen.



Ola Källenius
Der künftigte Konzernchef Ola Källenius.   Foto: Uli Deck/Archiv

Bis 2039 will Daimler dafür sorgen, dass die weltweit verkauften Neuwagen CO2-neutral unterwegs sind. Welche Technologien allerdings genau zum Einsatz kommen werden, will sich der Autobauer offen halten.

«Jetzt zu sagen, exakt in jedem Markt der Welt, wo die Reise hingeht, das wäre nicht seriös», sagte Entwicklungsvorstand Ola Källenius am Montag in Sindelfingen. Aktuell liege der Fokus auf der batterieelektrischen Mobilität. Autos mit reinen Verbrennungsmotoren sind in dem Plan aber offensichtlich nicht mehr vorgesehen.

Um das Ziel zu erreichen, plane man, nur noch Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-In-Hybrid-Motoren zu verkaufen, sagte der Leiter der Motorenentwicklung, Torsten Eder. Eine zweite Bedingung sei, dass die Verbrennungsmotoren in den Hybrid-Fahrzeugen mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden können, die aus regenerativen Energien gewonnen werden und somit CO2-neutral sind. Solche Kraftstoffe sind derzeit noch nicht am Markt verfügbar.

Die Klimaziele kommen nicht ganz freiwillig. Auf EU-Ebene ist Daimler angesichts der stark diskutierten Grenzwerte gezwungen, den CO2-Ausstoß der jährlich verkauften Autos zu senken. Bis 2021 muss der Wert von zuletzt 132 auf 102 Gramm je Kilometer sinken. Bis 2030 sollen davon noch einmal 37,5 Prozent abgehen.

Dann sollen 50 Prozent aller weltweit von Daimler verkauften Autos vollelektrisch fahren oder mit Plug-In-Hybrid-Motor ausgestattet sein. Parallel arbeitet der Hersteller auch weiter an der Brennstoffzelle. Auch die könne Verbrennungsmotoren ablösen, so Eder. Um die Strategie für den Umstieg auf neue Antriebsarten hatte es zuletzt Streit zwischen BMW und VW gegeben. VW-Chef Herbert Diess plädierte dafür, sich auf batteriebetriebene E-Autos zu konzentrieren.

Darüber hinaus sollen nicht mehr nur die deutschen, sondern auch die europäischen Pkw-Werke von Daimler bis 2022 klimaneutral arbeiten. Die Standorte weltweit sollen folgen - wann, das ließ der künftige Vorstandschef Källenius offen, ebenso, wie viel Geld der Konzern dafür in die Hand nimmt. Für den Ausbau der E-Auto-Palette investiert Daimler zehn Milliarden Euro.

Im Lkw-Geschäft arbeitet Daimler an einem ähnlichen Programm zur Klimaneutralität. Ein Ziel, wann der CO2-Fußabdruck des gesamten Konzerns auf Null reduziert wird, gab Källenius nicht aus.

Damit bleibt Daimler hinter den Ankündigungen anderer Konzerne zurück. Der Autozulieferer Bosch hatte vergangene Woche mit dem Plan überrascht, Produktion und Verwaltung schon 2020 CO2-neutral zu gestalten. Volkswagen lässt sich länger Zeit. «Bis 2050 wollen wir den gesamten Volkswagen Konzern CO2-neutral machen», sagte VW-Chef Diess im März.

Die meisten Konzerne gehen dabei ähnlich vor. Sie versuchen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren - im Falle von Bosch etwa durch Energieeffizienz - und stellen auf erneuerbare Energien um. Wo das nicht hilft, werden vielerorts Emissionen mit Hilfe von CO2-Zertifikaten kompensiert. Die Frage, wie etwa Lieferanten zur Klimafreundlichkeit erzogen werden können, gehen die meisten Firmen erst in einem zweiten Schritt an. Daimler will CO2-Neutralität zur Bedingung für die Vergabe von Lieferanten-Verträgen machen.

Umweltschützer halten das Vorgehen für längst überfällig: «Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne überlegen, wie sie umsetzen, was vor dreieinhalb Jahren bei der Klimakonferenz in Paris entschieden wurde», sagte ein Greenpeace-Sprecher. Damals war ein weltweiter Aktionsplan entworfen worden, der die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen soll. Dabei dürfe es nicht nur um «Ablasshandel» mit CO2-Zertifikaten und den Einkauf von Ökostrom gehen, so der Greenpeace-Sprecher. «Es braucht jetzt klare Schritte.»

Bislang setzen sich die Unternehmen solche Ziele größtenteils freiwillig. Nur Konzerne mit großen Industrieanlagen - wie eben auch Daimler - sind in der EU schon verpflichtet, Zertifikate für CO2-Emissionen zu kaufen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
15:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative Energien Auto Autofirmen BMW Brennstoffzellen Daimler AG Elektroautos Erderwärmung Herbert Diess Klimaschutz Kraftstoffe Ola Källenius VW VW-Chefs Volkswagen AG Ökostrom
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
BMW-Elektroauto i4

03.03.2020

Coronavirus und Klimavorgaben machen Autobauern zu schaffen

Die deutschen Autobauer sehen sich von mehreren Seiten unter Druck: Sie müssen den Wandel zur E-Mobilität bewältigen und die CO2-Emissionen ihrer Flotten reduzieren - sonst drohen Strafen der EU. Nun kommen die Folgen de... » mehr

Prämie für Autokäufer

04.05.2020

Starthilfe oder Strohfeuer? Prämie für Autokäufer strittig

Die Autoindustrie ist Deutschlands Schlüsselbranche. Braucht sie wegen der Corona-Krise jetzt Anschubhilfe aus Steuermitteln, in Form von Kaufprämien? Und falls ja, welche? Die Meinungen gehen sehr weit auseinander. » mehr

Autoproduktion in China

29.05.2020

VW steckt zwei Milliarden in chinesische Elektrooffensive

China ist nicht nur der mit Abstand größte Einzelmarkt für Volkswagen. Die Volksrepublik gilt auch als Leitmarkt für Elektroautos. Weshalb die Wolfsburger weitere Deals schließen. » mehr

Produktion bei Daimler

17.03.2020

Coronavirus-Pandemie erwischt Flaggschiffe der Industrie

Kein Lebensbereich ist von der Coronaviruskrise ausgenommen: Das öffentliche Leben ruht weitgehend, Händler und Gastronomie müssen die Türen zusperren. Nun gerät auch die Produktion bei Industriegiganten ins Stocken. » mehr

Volkswagen - Produktion von E-Autos

10.06.2020

VW ID.3 Elektroauto kommt im September

Aus «im Sommer» wurde letztlich «Anfang September». Der ID.3, das wichtigste Projekt von Volkswagen in diesem Jahr, soll mit leichter Verzögerung an die ersten Kunden gehen. Alle IT-Anwendungen können aber von Beginn an ... » mehr

Elon Musk

23.01.2020

Tesla an der Börse erstmals mehr wert als Volkswagen

Die Schwelle ist zunächst einmal nur symbolischer Natur: Der Börsenwert des US-Elektroautobauers Tesla überschritt die Marke von 100 Milliarden Dollar. Damit zieht die Firma an VW vorbei. Doch wie viel Substanz steckt da... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Aktion von "Fridays for Future" am Kugelbrunnen in Hof Hof

Aktion von "Fridays for Future" in Hof | 03.07.2020 Hof
» 16 Bilder ansehen

Konzert in der Filzfabrik

Konzert in der Hofer Filzfabrik | 20.06.2020 Hof
» 37 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 05. 2019
15:34 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.