Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang zurück

Schwarzmaler hatten schon eine Rezession prophezeit. Doch daran ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2018 vorbeigeschrammt. Der Gegenwind nimmt allerdings zu.



Konjunktur
Blick in die Montagehalle des Siemens-Turbinenwerks in Leipzig.   Foto: Sebastian Kahnert/ZB/

Dämpfer für die erfolgsverwöhnte deutsche Wirtschaft: Mit 1,5 Prozent fiel das Wachstum 2018 so gering aus wie seit fünf Jahren nicht.

Vor allem internationale Handelskonflikte und Probleme der Autoindustrie bremsten Europas größte Volkswirtschaft. Der von manchen Ökonomen befürchtete Absturz in die Rezession zum Jahresende blieb ersten Schätzungen zufolge aber aus.

Das Statistische Bundesamt rechnet nach der Delle im dritten Quartal mit einer Erholung im Zeitraum Oktober bis einschließlich Dezember. Für 2019 erwarten Volkswirte eine Fortsetzung des seit nunmehr neun Jahren anhaltenden Aufschwungs in Deutschland. Davon profitierte im vergangenen Jahr auch der Fiskus mit sprudelnden Einnahmen und einem Rekordüberschuss.

In der zweiten Jahreshälfte verlangsamte sich das Wachstumstempo zwar spürbar, aber die Wirtschaft dürfte im Schlussquartal wieder zugelegt haben. In einer ersten Schätzung gehen die Wiesbadener Statistiker von einem «leichten Plus» für das vierte Quartal im Vergleich zum Vorquartal aus. Im dritten Vierteljahr war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent geschrumpft. Bei zwei Quartalen in Folge mit sinkender Wirtschaftsleistung sprechen Ökonomen von einer Rezession.

«Trotz des schwachen Jahresabschlusses konnte eine technische Rezession gerade noch vermieden werden», resümierte der Chefökonom des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claus Michelsen. Er wertet die jüngste Entwicklung als Normalisierung nach einer Periode der Hochkonjunktur. Obwohl 2018 deutlich hinter den Boomjahren 2016 und 2017 zurückblieb, lag das Wachstum weiterhin über dem Zehn-Jahresdurchschnitt von 1,2 Prozent.

«Wir sehen zwar ein spürbar verlangsamtes konjunkturelles Tempo, aber keine Rezession», befand auch Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Wie es genau weitergeht, hängt von einer Reihe von Unwägbarkeiten ab: «Sollten die Risiken - ein ungeordneter Brexit, eine neuerliche Staatsschuldenkrise im Euroraum oder ein Handelskrieg zwischen den USA und anderen Volkswirtschaften - ausbleiben, ist auch in diesem Jahr mit einer ordentlichen Wachstumsrate zu rechnen», prognostizierte DIW-Volkswirt Michelsen. Ökonomen trauen der weltweit viertgrößten Volkswirtschaft im laufenden Jahr ein Plus zwischen 1,2 Prozent und 1,8 Prozent zu.

Die Unternehmen selbst sehen sich vor steigenden Herausforderungen: «Die rosigen Wachstumszeiten der vergangenen zehn Jahre laufen aus. Das Umfeld wird rauer und verlangt den Unternehmen erhebliche Anstrengungen ab, um ihre Wettbewerbsposition zu halten», erläuterte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. «Es wäre daher ein wichtiges Signal, dass sich die Politik wieder stärker um die wirtschaftliche Entwicklung und Standortfragen kümmert.»

Mehr als in den Vorjahren musste sich die Wirtschaft 2018 auf die innerdeutsche Nachfrage verlassen - vor allem auf die Kauflust der Verbraucher. Allerdings fiel der Zuwachs der privaten Konsumausgaben (plus 1,0 Prozent) deutlich geringer aus als in den vergangenen drei Jahren. Der private Konsum macht gut die Hälfte des BIP aus.

Hinzu kamen gestiegene Investitionen vieler Unternehmen in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sowie der Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten dem Bundesamt zufolge zu.

Die Kauflaune der Verbraucher hängt mit der historisch günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt zusammen. 2018 wurde die Wirtschaftsleistung von rund 44,8 Millionen Erwerbstätigen erbracht, etwa 562 000 mehr als im Jahr davor, wie die Statistiker in Berlin erklärten: «Gleichzeitig waren auf dem deutschen Arbeitsmarkt so viele Stellen unbesetzt wie noch nie.»

Der Außenhandel fiel als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen stieg der Export von Waren und Dienstleistungen zwar auch 2018, aber mit plus 2,4 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die Importe legten zudem mit plus 3,4 Prozent kräftiger zu, so dass der Außenbeitrag unter dem Strich negativ ausfiel.

Die von US-Präsident Donald Trump angeheizten Handelskonflikte belasten das Exportgeschäft, wenngleich sich nicht beziffern lässt, wie stark dieser Effekt zu Buche schlägt. Hinzu kamen Probleme der Autoindustrie bei der Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchsstandards WLTP. Die Hersteller mussten deswegen zeitweise ihre Produktion drosseln. Das hatte die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal ebenso belastet wie das Niedrigwasser wegen der Sommerhitze, das den Transport etlicher Güter behinderte.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht die deutsche Wirtschaft für die nächsten zwei bis drei Jahre gut aufgestellt. Deutschland gehöre zu den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt, sagte Altmaier dem «Südkurier» (Mittwoch). Die Unternehmen müssten aber einige Probleme zügig angehen, vor allem den Fachkräftemangel.

Von der seit Jahren positiven Konjunktur und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin auch der Fiskus. Der deutsche Staat konnte nach Berechnungen der Statistiker 2018 zum fünften Mal in Folge mehr Geld einnehmen als ausgeben. Der Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen machte unter dem Strich 1,7 Prozent des BIP aus, nach 1,0 Prozent im Vorjahr. Er stieg auf den Rekordwert von rund 59,2 Milliarden Euro. Ein - wenn auch minimales - Defizit hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
14:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Bruttoinlandsprodukt Bundesministerium für Wirtschaft Bundesämter CDU Deutsche Bundesbank Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Donald Trump Europäische Zentralbank Eurozone Handelskonflikte Konsumausgaben Olaf Scholz Peter Altmaier Rezession Statistikerinnen und Statistiker Statistisches Bundesamt Steuerbehörden Trump-Regierung Wirtschaftswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trübe Aussichten

23.06.2020

«Wirtschaftsweise»: Gute Chancen für Konjunkturaufschwung

Die Corona-Krise zwingt die deutsche Wirtschaft in die Knie. Nach einem herben Absturz erwarten die «Wirtschaftsweisen» 2021 die Rückkehr des Wachstums - auch weil die Regierung viel Geld in die Hand nimmt. » mehr

Hamburger Hafen

16.05.2020

Corona-Krise trifft Deutschland mit Wucht

Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte bringen das Wirtschaftsleben weitgehend zum Erliegen. Die Folgen für die Konjunktur sind heftig. Und es könnte noch schlimmer kommen. » mehr

Containerbrücken

25.05.2020

Konjunktur bricht ein: «Eigentliches Drama steht noch bevor»

Die Corona-Krise stürzt Europas größte Volkswirtschaft in eine Rezession. Zwar gibt es inzwischen erste Lichtblicke. Ökonomen rechnen jedoch mit einem langen Weg zurück in Richtung Normalität. » mehr

Schatten eines Arbeiters

30.07.2020

Historischer Konjunktureinbruch in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stürzt die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Rezession. Der Absturz ist noch heftiger als in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dennoch gibt es erste Lichtblicke. » mehr

Industrieproduktion

07.02.2020

Trotz Rekordjahr: Export verliert deutlich an Schwung

Deutschlands Exportunternehmen haben sich in den Turbulenzen 2019 weitgehend behauptet. Von dem Boom der vergangenen Jahre ist der Außenhandel allerdings weit entfernt. » mehr

Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

16.06.2020

Institute: Deutschland kommt glimpflich durch die Pandemie

Das Coronavirus wird die Wirtschaft noch länger im Klammergriff halten. Ökonomen halten vom Sommer an einen sachten Aufschwung für möglich. Doch alle Prognosen könnten schnell Makulatur werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vogtlandfest in Gutenfürst Gutenfürst

Szenen einer Wiedervereinigung | 03.10.2020 Gutenfürst
» 7 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft | 24.09.2020
» 19 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
14:38 Uhr



^