Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Deutschland will Exportverbot für unsortierten Plastikmüll

Auf Müllkippen in Entwicklungsländern finden Umweltschützer auch Plastikabfall aus Deutschland. Eigentlich darf der nur fürs Recycling exportiert werden. Die Bundesregierung will nun international strengere Regeln - die Entsorgungsbranche hat Einwände.



Plastikmüll in Indien
Plastikmüll am Arabischen Meer vor Mumbai.   Foto: Rafiq Maqbool/AP

Im Kampf gegen Plastikmüllberge will die Bundesregierung erreichen, dass nur noch sortierter und gut recycelbarer Kunststoffabfall ins Ausland verkauft werden darf.

«Mein Ziel ist ein Exportverbot für unsortierte Plastikabfälle», sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze der Deutschen Presse-Agentur zum Start internationaler Verhandlungen an diesem Montag in Genf. Deutschland setze sich dafür ein, dass weltweit nur noch saubere und sortenreine Kunststoffabfälle frei gehandelt werden dürften.

Hintergrund sind Berichte über Plastikvermüllung in Ländern wie Malaysia oder Indonesien, in die auch deutsche Unternehmen Abfall exportieren. Zwar ist die Ausfuhr von Plastikabfall schon jetzt nur erlaubt, wenn er im Zielland recycelt wird. Recherchen unter anderem von Greenpeace zeigen aber, dass unsortierte und schwer recycelbare Kunststoffgemische zu Umweltverschmutzung in Entwicklungsländern beitragen. Bis zum 10. Mai beraten nun in Genf Vertreter von mehr als 180 Ländern darüber, wie Menschen und Umwelt besser vor Plastikmüll, elektronischem Müll und giftigen Chemikalien geschützt werden können.

«Dass Plastikabfälle aus Deutschland in Staaten wie Malaysia die Umwelt verschmutzen, ist zwar sicher nicht die Regel, aber wenn es doch passiert, ein unerträglicher Zustand», sagte SPD-Politikerin Schulze. Es brauche bessere Kontrollen und strengere Regeln auf internationaler Ebene. «In der Praxis würde die Neuregelung dazu führen, dass unsortierte Plastikgemische aus EU-Ländern nicht mehr in Entwicklungsländer exportiert werden dürfen.»

Anfang 2018 hat China die Importe von Kunststoffabfällen zum Recycling stark eingeschränkt. Nun landen diese Abfälle in anderen Ländern, etwa Malaysia, Indonesien, Vietnam, Thailand und Indien.

Ungefährlicher Abfall darf zur Verwertung nach EU-Recht und internationalen Beschlüssen frei gehandelt werden. Wenn er allerdings auf Deponien landet, ist das illegal. Zuständig für die Kontrolle der Müllexporte sind die Bundesländer. Laut Umweltministerium ist eine flächendeckende Kontrolle aber nicht möglich, so dass illegale Exporte nicht auszuschließen seien. Möglich sei aber auch, dass deutsche Unternehmen legal handelten, aber die Vertragspartner nicht wie vereinbart den Abfall recycelten, sondern illegal lagerten.

Sortenreiner Kunststoffabfall wird nach Regierungsangaben derzeit mit Marktpreisen von über 700 Euro pro Tonne gehandelt. Die Exporte aus Deutschland sind von 2016 bis 2018 stark zurückgegangen, von 1,46 Millionen Tonnen auf 1,04 Millionen Tonnen. Knapp ein Zehntel des Plastikabfalls in Deutschland wird exportiert, der größte Teil davon stammt laut Umweltministerium aus Gewerbe und Industrie. Die Verpackungsabfälle aus den Dualen Systemen, die für gelben Sack oder gelbe Tonne zuständig sind, würden überwiegend in Deutschland recycelt, der Rest hauptsächlich in der EU, hieß es.

Die privaten Entsorger kritisierten Schulzes Pläne: Schon jetzt gingen die Vollzugsbehörden illegalen Exporten nicht mit dem nötigen Nachdruck nach, sagte Peter Kurth, der Präsident des Branchenverbands BDE, der auch die Dualen Systeme vertritt. Zudem sieht er einen möglichen Konflikt mit dem Ziel, mehr Kunststoffe wiederzuverwerten. Deutschland habe zwar ein hervorragendes Sammel- und Sortiersystem, es hapere aber daran, recyceltes Material wieder in die Produktion zu bringen. «Die Nachfrage ist noch nicht hoch genug», sagte Kurth. «Dann stehen die Unternehmen vor der Wahl: Für die stoffliche Verwertung in andere Länder exportieren - oder verbrennen.»

Die kommunalen Unternehmen dagegen, die neben der städtischen Müllabfuhr auch am Sortieren und Verwerten beteiligt sind, forderten ein Exportverbot für Verpackungsabfälle in Länder mit geringeren Entsorgungs- und Recyclingstandards. Bei einem Exportverbot müssten die Dualen Systeme hierzulande in Recyclingverfahren und -technologie investieren, sagte der Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp, der dpa. «Unliebsame Abfälle» würden dann nicht länger «wegexportiert».

Umweltschützer wiederum werteten Schulzes Vorstoß als Schritt in die richtige Richtung, forderten aber einen vollständigen Stopp der Plastikmüll-Exporte. «Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen», sagte Viola Wohlgemuth von Greenpeace der dpa. Deutschland nenne sich Recycling-Weltmeister, da sei nicht einzusehen, dass andere Länder sich um deutschen Müll kümmern sollten.

Bei den Verhandlungen in Genf wollen die Staaten drei internationale Konventionen verschärfen: Das Basler Übereinkommen über den grenzüberschreitenden Transport gefährlicher Abfälle, das Stockholmer Übereinkommen über Verbote oder Beschränkungen langlebiger Schadstoffe und das Rotterdammer Übereinkommen zum Informationsaustausch über Pestizide im internationalen Handel.

«Regierungen haben die Gelegenheit zu historischen und verbindlichen Entscheidungen, um Plastikmüll aus den Weltmeeren zu entfernen, um die Welle des elektronischen Mülls zu stoppen und um unsere Gesundheit und Umwelt vor einigen der giftigsten und gefährlichsten Chemikalien zu schützen», sagte Rolph Payet, Exekutivsekretär der drei Konventionen vom UN-Umweltprogramm (Unep).

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
16:31 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abfall Abfallbeseitigungs-Branche Branchenverbände Bundesumweltministerium Deutsche Presseagentur Europäische Union Greenpeace Kunststoffe und Kunststoffprodukte Peter Kurth Plastikmüll Recycling Regierungen und Regierungseinrichtungen Svenja Schulze Umweltbundesamt Umweltministerien Verpackungsmüll
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Verbot von Einweg-Plastik

vor 19 Stunden

Kleinere Müllberge, mehr Recycling: So soll es gelingen

Ein ganzes Paket neuer Regeln soll dafür sorgen, dass weniger Abfall entsteht und mehr wiederverwertet wird. Der Abschied vom Plastikstrohhalm gehört ebenso dazu wie neue Pflichten für Händler - und Elektroschrott soll m... » mehr

Plastikmüll in Ghana

27.08.2020

Illegale Entsorgung von Plastikmüll hat zugenommen

Seit 2018 importiert China keinen Plastikmüll mehr. Der Stopp hat zu einem Importboom in anderen asiatischen Ländern geführt - und zu Kriminalität, wie ein neuer Bericht belegt. » mehr

Müll im Park

20.08.2020

Schulze will Hersteller für Plastikmüll zur Kasse bitten

Plastik und Verpackungen machen einen beachtlichen Teil des Straßenmülls aus. Eine Studie hat nun berechnet, wie viel Geld deren Entsorgung kostet. Denn künftig sollen auch Hersteller dafür zahlen. Wird es für Verbrauche... » mehr

Elektroschrott

11.03.2020

Reparieren statt wegwerfen: EU-Aktionsplan gegen Müll

Alle zwei Jahre ein neues Handy? Berge von Verpackungsmüll? Altkleider ohne weitere Verwendung? So geht es nicht weiter, sagt die EU-Kommission und startet einen neuen Anlauf für eine umfassende Kreislaufwirtschaft. » mehr

Plastik

17.07.2020

Deutsche Industrie: Plastikabgabe ist «Gift für Wohlstand»

Schon zum 1. Januar könnte es in der EU eine neue Plastikabgabe geben - um Abfallberge zu bekämpfen und die Kassen des Staatenbündnisses zu füllen. Der Plan trifft auf Widerstand. Doch Umweltschützer sehen darin einen wi... » mehr

Recycling in der Krise

27.05.2020

Recycling in der Krise: Coronavirus verschärft Konkurrenz

Recycling ist aufwendig und teuer. Seit jeher müssen die Wiederverwerter mit oftmals günstigerem Neuplastik aus Öl konkurrieren. In der Corona-Krise verschärft sich ihre Situation noch einmal. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lieferwagen fährt gegen Auto bei Hollfeld Hollfeld

Lieferwagen fährt gegen Auto bei Hollfeld | 18.09.2020 Hollfeld
» 4 Bilder ansehen

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik Hof

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik | 29.08.2020 Hof
» 35 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 04. 2019
16:31 Uhr



^