Lade Login-Box.
Topthemen: Video: Hof im Radwege-CheckHof-GalerieStromtrasse durch die RegionGerch

Wirtschaft

Deutschlands Standortbedingungen lassen zu wünschen übrig

Trotz jüngster Konjunktur-Warnungen: Der deutschen Wirtschaft geht es blendend. Doch hinter der Fassade bröckelt es, heißt es in einer neuen Studie. Die Standortbedingungen für Firmen bieten demnach Anlass zur Sorge. Andere Ökonomen verweisen indes auf Vorteile.



Spirituosenhersteller
Produktion beim Spirituosenhersteller Waldemar Behn in Schleswig-Holstein: Familienunternehmen wie dieses sind seit jeher stark in Deutschland verbreitet.   Foto: Frank Molter/Symbolbild

Gäbe es die gute Konjunktur nicht, hätten es deutsche Familienunternehmen hierzulande einer neuen Studie zufolge schwer.

Im internationalen Vergleich habe die Bundesrepublik bei den Standortbedingungen für Betriebe nachgelassen. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle «Länderindex Familienunternehmen», den die Münchner Stiftung Familienunternehmen vorgelegt hat.

In ihrem Auftrag hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) 21 Industrienationen auf Standortfaktoren für Unternehmen untersucht. Darunter fallen Aspekte wie Steuern, Arbeitskosten und Regulierung, aber auch Rechtssicherheit und Korruption.

Deutschland landet dabei im unteren Mittelfeld auf Rang 16 - vier Plätze schlechter als bei der vorigen Erhebung für den Index vor zwei Jahren. Dass nun Firmen im großen Stil Jobs ins Ausland verlagerten, sei aber nicht zu erwarten, meint das Institut für Mittelstandsforschung - auch wegen der vielen Fachkräfte hierzulande.

Die Plätze 1, 2 und 3 gehen in der Studie an die Schweiz, Großbritannien und die USA. Weder der Brexit noch die Politik von US-Präsident Donald Trump haben sich demnach bislang auf die Standortbedingungen für Unternehmen in den angelsächsischen Ländern ausgewirkt, schreiben die Autoren. 

«Dieser Erfolg könnte allerdings in Zukunft durch den stark protektionistischen Kurs der US-Regierung gefährdet werden», heißt es. Die Folgen des Brexit seien derzeit noch hochgradig spekulativ. Das Schlusslicht im Ranking bildet Italien.

Der Bundesrepublik konstatieren die Autoren vor allem in den Bereichen Steuern sowie Infrastruktur Defizite aus Sicht der Familienunternehmen. «Deutschland hat im internationalen Vergleich insgesamt erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, auch wenn das durch die gute Konjunkturlage verdeckt wird»», teilte Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer mit.

Der Studie zufolge ist die Steuerbelastung für Unternehmen, die im Inland ihre Geschäfte machen, im Vergleich besonders hoch. 89,5 Millionen Euro beträgt hierzulande die jährliche Durchschnittssteuerbelastung pro Familienbetrieb - fast doppelt so viel wie in der Slowakei, die die geringste Steuerbelastung für Firmen mit nationaler Geschäftstätigkeit vorweist (47,4 Millionen).

Mängel sieht die Studie auch bei den Arbeitskosten. Knapp 40 Euro kostet die Unternehmen hier im Durchschnitt eine Arbeitsstunde. Nur in vier der untersuchten Länder sind die Kosten noch höher. Der Index berücksichtigt allerdings auch, dass «hohe Arbeitskosten üblicherweise mit einer hohen Produktivität einhergehen». Dies ist auch in Deutschland der Fall. Die Produktivität einer geleisteten Arbeitsstunde liegt hierzulande im Schnitt bei rund 53 Euro - also deutlich mehr als sie an Kosten verursacht.

Bemerkenswert ist, dass Deutschland auch bei Rechtssicherheit und Korruptionskontrolle nur im mittleren bis oberen Mittelfeld landet. «Die Platzierung beim ethischen Verhalten von Unternehmen fällt dabei deutlich schlechter aus als die Resultate bei den anderen Kennziffern», schreiben die Autoren. «Vorfälle wie der Diesel-Skandal in der Automobilindustrie dürften dabei eine Rolle spielen.» Die Korruptionskontrolle im öffentlichen Sektor habe sich hingegen deutlich verbessert.

Das Abschneiden der Bundesrepublik führe jedoch nicht dazu, dass Familienunternehmen nun in großer Zahl ins Ausland flüchten, betont Friedrich Heinemann, Leiter der Studie sowie des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW. «Familienunternehmen sind bodenständige, heimattreue Unternehmen, die längst nicht so mobil sind wie globale Konzerne.» Aber die sich verschlechternden Rahmenbedingungen könnten zur Folge haben, dass sie nicht mehr so dynamisch wachsen können wie sonst üblich.

Überlegungen, Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern oder gar den ganzen Firmensitz, hingen zudem von zahlreichen Faktoren ab, sagte auch Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin beim Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM). «In welche Region ein Unternehmen investiert, hängt auch davon ab, welche Märkte man erschließen will, wo es Fachkräfte gibt, die die Aufgabe auch meistern können und so weiter.» Deutschland sei zudem als EU-Mitglied Teil eines der wichtigsten Absatzmärkte weltweit. «Es wäre relativ dumm von einem Unternehmen, den EU-Raum vollständig zu verlassen».

Familienunternehmen sind seit jeher stark in Deutschland verbreitet. Dem IfM zufolge handelt es sich bei 90 bis 95 Prozent aller Firmen in Deutschland um Familienunternehmen. Das Institut definiert ein solches als Betrieb, bei denen die Eigentums- und Leitungsrechte in einer Person beziehungsweise deren Familie vereint sind. Für die Studie konzentrierte sich das ZEW wiederum auf Familienunternehmen mit einem Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 01. 2019
14:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitskosten Autor Donald Trump Familienunternehmen Internationaler Vergleich Produktivität Steuerbelastung US-Regierung Wirtschaftswissenschaftler Wünsche
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trump reicht Malpass die Hände

06.02.2019

Trump schlägt Malpass für Weltbankspitze vor

David Malpass ist ein erfahrener Ökonom und ein über 40 Jahre erprobter Strippenzieher im politischen Betrieb. Jetzt soll er die Weltbank führen. Auch bei deren Reform hatte er bereits hinter den Kulissen kräftig mitgemi... » mehr

Dax

09.04.2019

Dax rutscht deutlich unter 12.000 Punkte

Konjunktursorgen sowie die wachsenden Spannungen im amerikanisch-europäischen Handelskonflikt haben dem Dax am Dienstag einen deutlichen Dämpfer verpasst. » mehr

Konjunktur

15.01.2019

Deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang zurück

Schwarzmaler hatten schon eine Rezession prophezeit. Doch daran ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2018 vorbeigeschrammt. Der Gegenwind nimmt allerdings zu. » mehr

Handelsgespräche USA/China

20.03.2019

Weitere Gespräche im Handelskonflikt der USA und Chinas

Im Handelskonflikt zwischen den USA und China steht in der kommenden Woche eine weitere Gesprächsrunde an. » mehr

Huawei

07.03.2019

Huawei verklagt US-Regierung wegen Spionagevorwürfen

Huawei darf in Amerika keine Behörden beliefern und die USA bedrängen auch ihre Verbündeten, Netzwerk-Technik der Chinesen nicht mehr zu nutzen. Nun schlägt der Konzern mit juristischen Mitteln zurück. » mehr

Donald Trump

06.03.2019

US-Handelsdefizit auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren

Das hohe Handelsdefizit der USA ist Donald Trump seit langem ein Dorn im Auge. Auch die jüngsten Zahlen dürften ihm nicht gefallen. Und ausgerechnet einer seiner wichtigsten politischen Erfolge ist ein Grund. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark | 22.04.2019 Marktredwitz
» 18 Bilder ansehen

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt | 21.04.2019 Weißenstadt
» 23 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 Hof

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 | 22.04.2019 Hof
» 60 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 01. 2019
14:12 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".