Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenBilder vom WochenendeBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

Die gesuchtesten Berufe: Klempner, Sanitär und Klima

Der Arbeitsmarkt gerät ins Ungleichgewicht: Banken und Autoindustrie bauen eher Personal ab als auf - doch anderswo wird trotz Abkühlung der Konjunktur nach wie vor händeringend Nachwuchs gesucht.



Fußbodenheizung
Leitungen einer Fußbodenheizung in einem Rohbau: Heizungsechniker sind in Deutschland sehr begehrt.   Foto: Sebastian Willnow

Klempner, Sanitärinstallateure, Heizungs- und Klimatechniker sind die begehrtesten Berufe in Deutschland - zumindest aus Arbeitgebersicht.

In keiner anderen Branche dauert es so lange, freie Stellen zu besetzen, wie aus einer neuen Analyse der Bundesagentur für Arbeit zu Fachkräfteengpässen hervorgeht. Demnach sind fast zwei Drittel aller freien Stellen in diesen Gewerken länger als drei Monate unbesetzt, und die durchschnittliche Vakanzzeit beträgt mittlerweile 200 Tage. An zweiter Stelle folgt die Altenpflege mit 199 Tagen Vakanzzeit vor Bodenlegern mit 185 Tagen.

Abgesehen vom Lehrlings- und Azubimangel fehlen auch Anwärter mit abgeschlossener Berufsausbildung: Bei Klempnern, Sanitär, Heizung und Klima haben im Schnitt 46 Arbeitslose die Wahl unter 100 freien Stellen. In der Altenpflege ist dieses Verhältnis noch ungünstiger für die Arbeitgeber: 27 zu 100.

Insgesamt dokumentiert die Bundesagentur 30 Berufsgruppen, in denen besonders viele Fachkräfte fehlen. Insgesamt mehr als 472 000 freie Stellen waren Ende Juli nur in diesen Branchen gemeldet. In absoluten Zahlen gab es mit 63 000 offenen Stellen den größten Mangel bei den fertigungstechnischen Berufen, dazu zählen unter anderem Industriemechaniker und Feinwerkmechaniker. An zweiter Stelle folgten die Gesundheitsberufe mit 61 000 Stellenangeboten.

Für die Bürger wird der Personalmangel nur in einzelnen Branchen spürbar, jedoch in wichtigen: So sind in diesem Sommer in Bayern reihenweise Züge ausgefallen, weil Lokführer fehlten. Bundesweit mehren sich die Meldungen über vorübergehende Stationsschließungen in Krankenhäusern, weil es an Krankenschwestern und -pflegern mangelt.

Auch Ärzte werden allmählich zum knappen Gut, und zwar sowohl niedergelassene Hausärzte als auch Krankenhausmediziner. Ende Juli waren laut BA 2539 freie Ärztestellen gemeldet, ein Anstieg von knapp 15 Prozent seit 2014. Hinzu kommen die fehlenden Hausärzte, die in der BA-Statistik nicht auftauchen: Schon 2017 waren nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin 2600 freie Hausarzt-Praxen gemeldet, aktuellere Zahlen hat die KBV in ihren Gesundheitsdaten nicht publiziert.

Da das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte laut KBV bei über 54 Jahren liegt - und gut ein Fünftel bereits den 60. Geburtstag hinter sich hat - fürchten Fachleute vor allem auf dem Land wachsende Probleme in der medizinischen Versorgung.

Die Zahlen der Bundesagentur dokumentieren nicht den gesamten deutschen Arbeitsmarkt, da nicht alle Firmen sämtliche offenen Stellen bei ihrer örtlichen Arbeitsagentur melden. Managerjobs für Führungskräfte werden in aller Regel nicht über die Arbeitsagenturen vermittelt, Selbstständige werden ohnehin nicht erfasst, und auch einer der größten deutschen Arbeitgeber fehlt weitgehend in der BA-Statistik: die Bundeswehr.

Der Staatsbetrieb Streitkräfte ist mutmaßlich das Unternehmen mit dem größten Einzelbedarf an Fachkräften: Die Bundeswehr hat alljährlich rund 25 000 Stellen zu besetzen, wie ein Sprecher der Bundeswehr in Köln auf Anfrage sagte.

Anders als Bauhandwerker und Altenheime leidet die Bundeswehr zumindest nicht unter Bewerbermangel. «Im Durchschnitt gehen bei uns jährlich seit 2016 120.000 Bewerbungen ein», sagte der Sprecher. Diese Zahl beinhaltet die Bewerber sowohl fürs Militärische als auch für die zivilen Posten bei den Streitkräften.

Welche Firmen und Betriebe die meisten Stellen ausschreiben, wird von der Bundesagentur nicht dokumentiert. Die Bundeswehr ist ohnehin ein Sonderfall, da die Vermittlung von Soldaten nicht zu den Kernaufgaben der Nürnberger Behörde gehört. Es hat aber kein Konzern aus der Privatwirtschaft Pläne publik gemacht, in diesem Jahr in Deutschland 25.000 Stellen besetzen zu wollen.

Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
11:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitsagenturen Berufe Bundesagentur für Arbeit Bundeswehr Gesundheitsberufe Kassenärztliche Bundesvereinigung Krankenschwestern Lokführer Offene Stellen Sanitärinstallateure Seniorenheime Seniorenpflege
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
BA-Logo

03.01.2020

Mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

Die Arbeitslosigkeit ist zum Jahresende so stark gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsflaute schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Doch mehr Sorgen macht Experten der Fachkräftemangel. » mehr

Lokführer

02.11.2019

Bahnunternehmen stellten 2018 besonders viele Lokführer ein

Bahnunternehmen haben 2018 deutlich mehr dringend benötigte Lokführer eingestellt als in den Jahren zuvor. » mehr

Arbeitsagentur

12.11.2019

Arbeitsmarkt: Fachkräfte noch immer schwer gefragt

Der deutsche Arbeitsmarkt braucht trotz der abflauenden Konjunktur noch immer Fachkräfte. Im dritten Quartal sei die Zahl der offenen Stellen zwar um 30.000 auf 1,36 Millionen gesunken, teilte das Institut für Arbeitsmar... » mehr

Bundesagentur für Arbeit

01.11.2019

Bundesagentur für Arbeit schließt Geschäftsstellen

Vermittlung von Arbeitsplätzen, Ausgabe von Unterlagen, Beratung: Die Bundesagentur für Arbeit unterhält hunderte Geschäftsstellen. Doch in den vergangenen Jahren ist deren Zahl geschrumpft. » mehr

Arbeitsmarkt

29.10.2019

Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt weiter

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist wegen der konjunkturellen Schwäche im Oktober dem Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit zufolge deutlich zurückgegangen. » mehr

Stellenangebote

30.07.2019

Konjunkturflaute stoppt deutschen Stellenboom

Lange schien das Wachstum ungebremst. Denn Jahr für Jahr wuchs die Zahl der offenen Jobs unaufhaltsam. Nun scheint dieser Positivtrend gestoppt. Mit der Konjunkturflaute sinkt die Nachfrage nach Arbeitskräften - mit unge... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsminister Scheuer in Rehau

Verkehrsminister Scheuer in Rehau | 21.01.2020 Rehau
» 59 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 Lindau

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 | 19.01.2020 Lindau
» 42 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
11:26 Uhr



^