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Wirtschaft

Dieselaffäre kostet Daimler noch mehr Geld

Nach den Hiobsbotschaften des Sommers hat Daimler-Chef Källenius zuletzt wieder Zuversicht verbreitet. Kurz bevor der Schwede die Bilanz für 2019 vorlegen kann, flattert dem Konzern nun aber die nächste Diesel-Rechnung ins Haus.



Dieselskandal - Daimler
Die weltweiten Rückrufe und Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal kosten Daimler für 2019 nochmals bis zu 1,5 Milliarden Euro zusätzlich.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Daimlers Diesel-Rechnung wird immer länger. Für die diversen Rückrufe und Verfahren in aller Welt muss der Stuttgarter Autobauer voraussichtlich noch einmal einen Milliardenbetrag berappen.

Von 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro zusätzlich ist in einer Mitteilung vom Mittwoch die Rede. Grund sind abermals «laufende behördliche und gerichtliche Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen und Märkten». So hatte es Daimler schon im vergangenen Sommer formuliert, als der Konzern insgesamt 1,6 Milliarden Euro für die Dieselaffäre auf die Seite legte und seine Gewinnerwartungen nach unten korrigierte. Darüber hinaus wurden auch am Mittwoch keine Angaben gemacht.

Klar ist aber auch so: Die ohnehin getrübte Bilanz für 2019, die Vorstandschef Ola Källenius am 11. Februar vorlegt, dürfte damit noch einmal deutlich trüber ausfallen. Zwar zogen die zeitweilig schwächelnden Pkw-Verkaufszahlen bei der Kernmarke Mercedes-Benz in der zweiten Jahreshälfte wieder an. Daimler ächzt aber abseits der Diesel-Probleme auch unter den hohen Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität und die Weiterentwicklung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren. Hinzu kommt jetzt noch die nachlassende Konjunktur im Lastwagen-Geschäft.

Källenius, der seit vergangenem Mai im Amt ist, hatte deshalb im November ein Sparprogramm ausgerufen, das bis Ende 2022 allein beim Personal rund 1,4 Milliarden Euro einbringen soll. Mindestens 10 000 Stellen dürfte das nach früheren Aussagen von Personalvorstand Wilfried Porth wohl kosten. Außerdem will Källenius die Investitionen deckeln und sortiert gerade die Prioritäten neu.

Ob das nun noch reicht, scheint fraglich. Das Sparprogramm dürfte schon bald erweitert werden, schrieb Nord-LB-Analyst Frank Schwope am Mittwoch. Er sprach von «katastrophalen Vorab-Zahlen» für das Jahr, die Källenius vorgelegt habe - wobei man nicht außer acht lassen dürfe, dass der Schwede den Konzern schon in schlechtem Zustand übernommen habe. Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen mutmaßt, dass die Sparvorgaben wohl eher noch strenger werden könnten. Källenius mache einen guten Job, urteilte er. Aber: «Er steht unter einem enorme Druck.»

Nach eben jenen vorläufigen Zahlen hat Daimler 2019 einen operativen Gewinn von 5,6 Milliarden Euro erzielt. Das ist gerade einmal halb so viel wie 2018 - und schon da war das Ergebnis deutlich nach unten gerauscht. Und die zusätzlichen Diesel-Aufwendungen von 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro sind darin noch gar nicht berücksichtigt. Sie träfen im Wesentlichen die Geschäftsfelder Cars und Vans, hieß es. Schon ohne sie liegen die Vans für 2019 deutlich in den roten Zahlen.

Von den einst ausgegebenen langfristigen Renditezielen ist bei Daimler ohnehin inzwischen keine Rede mehr. «Gegenwärtig ist mehr denn je Fahren auf Sicht angesagt», analysierte Schwope. Noch Anfang des Jahres hatte Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche das Jahr 2021 für die Rückkehr in den Korridor von acht bis zehn Prozent Rendite im Kerngeschäft mit Mercedes-Autos vorgegeben. Der Wert gibt Aufschluss darüber, wie viel vom Umsatz als operativer Gewinn übrig bleibt, und ist damit der Maßstab für die Profitabilität.

Inzwischen rechnet Källenius mit gut sechs Prozent im Jahr 2022. Derzeit sind es den vorläufigen Zahlen zufolge schmale vier Prozent. Auch mit gut sechs Prozent bei den Trucks ist man bei Daimler «ganz und gar nicht zufrieden», wie Sparten-Chef Martin Daum schon vor knapp drei Wochen klargestellt hatte - zumal die Tendenz anders als bei den Pkw nach unten zeigt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 01. 2020
12:26 Uhr

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