Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Erneuerbare Energien liefern 52 Prozent des Verbrauchs

Viel Wind im Februar und anschließend Sonne satt. Für den Ökostrom kann es kaum bessere Bedingungen geben. Das schlägt sich auch in der Statistik nieder.



Windenergie
Größter Ökostromlieferant waren Windräder an Land mit fast 43 Milliarden Kilowattstunden.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Starker Wind und viel Sonne haben die Ökostromproduktion in Deutschland auf einen Rekordwert getrieben. Die erneuerbare Energien deckten in den ersten drei Monaten dieses Jahres erstmals mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs.

Von Januar bis März wurden rund 52 Prozent des Bedarfs mit Wind, Sonne, Wasserkraft und anderen Ökoenergien erzeugt, wie Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres hatte der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch nur 44,4 Prozent betragen.

Der deutliche Anstieg des Ökostromanteils sei Folge einer Kombination von Sondereffekten, teilte der BDEW am Mittwoch mit. Aus dem ersten Quartal lasse sich deshalb keine Voraussage für das Gesamtjahr 2020 ableiten.

An Wochenenden war der Ökoanteil am Stromverbrauch sogar noch höher als der Gesamtwert für das erste Quartal. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur stammten am 16. Februar, einem Sonntag, fast 93 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Das Orkantief «Victoria» war damals über Deutschland gefegt.

Zudem sei der Stromverbrauch um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, auch das habe den Ökostrom-Anteil erhöht, erklärte der BDEW. Neben der vergleichsweise schwachen Konjunktur habe sich auch der Rückgang der Industrieproduktion aufgrund der Corona-Krise in der letzten Märzwoche bemerkbar gemacht.

«Die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren ist sehr erfreulich», kommentierte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, die Zahlen. Die Rekordzahlen stünden aber «in scharfem Kontrast zur dramatischen Situation beim aktuellen Ausbau von Wind- und PV-Anlagen». Würden die Hindernisse für einen weiteren Ausbau nicht zügig beseitigt, sei das Ziel von einem Ökostromanteil von 65 Prozent bis 2030 kaum zu erreichen.

Seit Beginn der Corona-Krise sind an den Energiebörsen die Großhandelspreise für Strom und die Preise der Genehmigungen für den CO2-Ausstoß kräftig gesunken. «Der CO2-Preis ist in den letzten drei Wochen um ein Drittel eingebrochen. Die meisten Marktakteure gehen von sinkenden Anstrengungen beim Klimaschutz aus», sagte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen vom Energy Brainpool.

Die gesunkenen Großhandelspreise und die niedrigen Kosten für CO2-Zertifikate seien für die von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen zwar hilfreich, sagte der Energieökonom Andreas Löschel von der Universität Münster. «Es besteht aber die Gefahr, dass niedrige CO2-Preise und die notwendigen raschen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht zu den langfristigen Klimazielsetzungen passen.» Löschel plädiert für einen entschiedeneren Abbau von Abgaben, Umlagen und Steuern auf den Strompreis. Das entlaste Haushalte und Unternehmen - «und zwar selbst dann, wenn die CO2-Preise wieder steigen».

Betrachtet man die gesamte Stromerzeugung in Deutschland von bislang fast 158 Milliarden Kilowattstunden, betrug der Ökoanteil 49 Prozent. In dieser Zahl ist auch der exportierte, nicht in Deutschland verbrauchte Strom enthalten. Mit Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen wurden rund 77 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, etwa 10 Milliarden Kilowattstunden mehr als im Vorjahresquartal. Größter Ökostromlieferant waren Windräder an Land mit fast 43 Milliarden Kilowattstunden.

Aus konventionellen Energieträgern stammten etwa 81 Milliarden Kilowattstunden, gut 20 Milliarden weniger als im ersten Quartal 2019. Vor allem Braun- und Steinkohle tragen immer weniger zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Bei der Braunkohle betrug der Rückgang den BDEW-Zahlen zufolge im ersten Quartal gut 32 Prozent, bei der Steinkohle waren es sogar rund 37 Prozent.

Beim gesamten Energieverbrauch hat Deutschland nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gute Chancen, die EU-Vorgabe zu erreichen. Bis Ende 2020 müsse Deutschland einen Anteil von 18 Prozent erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch liefern. Ende vergangenen Jahres sei dieser Wert auf etwa 17,1 Prozent gestiegen, teilte Altmaier mit. Prognosen zufolge könne die verblieben Lücke geschlossen werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
14:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative Energien Brainpool Bundesnetzagentur Bundeswirtschaftsminister CDU Energiebedarf und Energieverbrauch Energieträger Kerstin Andreae Kilowattstunden Peter Altmaier Solarenergie Stromerzeugung Stromverbrauch Wasserwirtschaft Ökostrom
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Erdgasleitung

16.03.2020

Erdgas als Brücke in die Wasserstoff-Wirtschaft?

In der Energiewende gilt Erdgas als Übergangsträger, die Förderung in Deutschland sinkt aber weiter. Der Rohstoff könnte zum Aufbau einer klimaschonenden Wasserstoff-Ökonomie beitragen - doch es gibt auch Zweifel daran. » mehr

Windräder

26.06.2019

Ökostrom-Rekord im ersten Halbjahr 2019

Beim Ökostrom zeigt der Pfeil nach oben. Die Wetterbedingungen sind im ersten Halbjahr 2019 günstig - erst stürmt es, dann gibt es viel Sonne. Experten mahnen aber: Der Ausbau muss schneller gehen. » mehr

RWE Quartalszahlen

14.05.2020

Stromproduzent RWE ohne Corona-Schäden 

Steigende Gewinne und gute Aussichten: Dem Energiekonzern RWE ist trotz Corona ein guter Start in das Jahr 2020 gelungen. Nur ein Investor aus Norwegen hat die Zufriedenheit in Essen etwas getrübt. » mehr

Stromverbrauch

22.03.2020

Coronavirus lässt Stromverbrauch sinken

Die Coronavirus-Krise setzt der Wirtschaft schwer zu. Dadurch geht der Energieverbrauch zurück. An der Strombörse sinken bereits die Preise. Profitieren auch die Verbraucher? » mehr

Windräder

25.10.2019

Windenergie-Branche sieht tausende Jobs in Gefahr

Deutschland ist weltweit Vorreiter bei der Energiewende - dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Doch ausgerechnet im wichtigsten Erneuerbaren-Bereich im deutschen Markt gibt es große Probleme. » mehr

Strom

10.03.2020

Strombranche fordert eigenes Funknetz

Für die Energie- und die Verkehrswende müssen Strom- und Kommunikationsnetze enger miteinander verknüpft werden. Doch die dafür geeigneten Funkfrequenzen sind knapp. Auch die Sicherheitsbehörden reklamieren das Spektrum ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Aktion von "Fridays for Future" am Kugelbrunnen in Hof Hof

Aktion von "Fridays for Future" in Hof | 03.07.2020 Hof
» 16 Bilder ansehen

Konzert in der Filzfabrik

Konzert in der Hofer Filzfabrik | 20.06.2020 Hof
» 37 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
14:33 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.