Lade Login-Box.
Topthemen: KinderfilmfestAutonomes Fahren in OberfrankenBilder vom WochenendeBlitzerwarner

Wirtschaft

Erneute Durchsuchungen wegen «Cum-Ex»-Aktiendeals

Seit Jahren wird ermittelt, systematisch knöpfen sich Fahnder mutmaßliche Steuerbetrüger und ihre Helfer vor. Mitarbeiter von Banken, Steuerberater und Anwälte soll bei umstrittenen Aktiendeals zu Lasten der Staatskasse mitgemischt haben.



Aktiengeschäfte
Bei «Cum-Ex»-Aktiendeals nutzten Investoren eine Lücke im Gesetz.   Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Erneute Durchsuchung im Steuerskandal um «Cum-Ex»-Aktiendeals: Staatsanwälte und Steuerfahnder haben am Dienstag in insgesamt zwölf Wohnungen und Geschäftsräumen in Hessen und Bayern nach Beweisen für schwere Steuerhinterziehung gesucht.

Außerdem wurde eine Wohnung in den Niederlanden durchsucht, weil einer der Beschuldigten auch dort einen Wohnsitz hat. Mehr als 100 Ermittler waren beteiligt.

Die Aktion richtete sich nach Angaben der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft gegen sechs Beschuldigte im Alter von 50 bis 57 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen, mit Aktiengeschäften rund um den Dividendenstichtag in den Jahren 2008 und 2009 als Mittäter den Staat um etwa 53,3 Millionen Euro geprellt zu haben.

Bei solchen Geschäften nutzten Investoren eine Lücke im Gesetz. Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit («cum») und ohne («ex») Ausschüttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende war dem Fiskus nicht mehr klar, wem die Papiere gehörten. Finanzämter erstatteten Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Dem Staat entstand ein Milliardenschaden. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen.

Zwei der Beschuldigten in dem neuen Verfahrenskomplex waren zum Zeitpunkt der «Cum-Ex»-Geschäfte als Prokuristen einer kleineren Frankfurter Investmentbank tätig. Bei den anderen vier Beschuldigten handelt es sich um Geschäftsführer kleinerer Firmen.

Die gut 53 Millionen Euro Steuerschaden haben die Finanzbehörden bereits zurückgefordert. Das Geld wurde den Angaben zufolge bereits an die Staatskasse zurückgezahlt.

Diverse Staatsanwaltschaften ermitteln seit Jahren zu dem Komplex. Anfang September begann vor dem Bonner Landgericht der erste Strafprozess gegen zwei britische Wertpapierhändler. Bisher ist nicht höchstrichterlich geklärt, ob «Cum-Ex»-Geschäfte nur moralisch fragwürdig oder auch illegal waren. Der Bonner Strafprozess gilt in dieser Frage als wegweisend, er dauert mindestens noch bis Anfang 2020.

Insgesamt gehen Ermittler nach jüngsten Zahlen des Bundesfinanzministeriums inzwischen 499 Verdachtsfällen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro nach. Davon seien bisher 2,4 Milliarden Euro an Kapitalertragsteuer erfolgreich zurückgefordert oder gar nicht erst ausgezahlt worden. Der tatsächliche Steuerschaden liegt Schätzungen zufolge weitaus höher.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
11:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktiengeschäfte Angeklagte Bundesministerium der Finanzen Deutscher Bundestag Investmentbanken Landgericht Bonn Staatsanwaltschaft Staatsanwälte Steueraffären Steuerbehörden Steuerberater Steuerbetrug Steuerbetrüger
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Finanzen"

04.09.2019

Wegweisender «Cum-Ex»-Strafprozess gestartet

Die Wörter «Cum» und «ex» sind manchem vielleicht noch aus dem Lateinunterricht bekannt. Doch sie sind mehr als verstaubte Vokabeln - sie stehen für krumme Dinger in der Finanzwelt und massiven Schaden für den Staat. Nun... » mehr

Olaf Scholz

17.11.2019

Bundesfinanzminister plant Spezialeinheit gegen Steuerbetrug

Die Aufarbeitung des größten Steuerskandals der deutschen Geschichte beschäftigt Ermittler seit Jahren - und neuerdings auch Richter. Allein mit so genannten «Cum-Ex»-Geschäften wurde der Staat um Milliarden geprellt. » mehr

Deutsche Bank

26.09.2019

«Cum-Ex»-Angeklagter: Deutsche Bank war eng eingebunden

Es geht um Milliarden, die dem deutschen Fiskus durch dubiose Aktiengeschäfte über Jahre entzogen wurden. Vor dem Bonner Landgericht werden die Deals der Finanzbranche aufgearbeitet. Die Angeklagten, zwei britische Banke... » mehr

Commerzbank

10.09.2019

Commerzbank: Durchsuchungen wegen «Cum-Ex»-Aktiendeals

Zur Aufarbeitung des größten Steuerskandals der deutschen Geschichte suchen Staatsanwälte weitere Beweise - dieses Mal bei der Commerzbank. Das Institut steht im Verdacht, bei umstrittenen Aktiendeals zu Lasten der Staat... » mehr

«Cum-Ex»

11.12.2019

Erster «Cum-Ex»-Strafprozess: Privatbank Warburg will zahlen

Die Bankenvertreter sitzen im Bonner Landgericht in zweiter Reihe - hinter den zwei Angeklagten. Die meiste Zeit hüllen sich die Anwälte der Finanzwelt in Schweigen, wenn über die «Cum-Ex»-Finanzgeschäfte gesprochen wird... » mehr

«Cum-Ex»-Prozess

29.10.2019

Zeuge im «Cum-Ex»-Prozess: Staat selbst förderte Steuerdeals

Für Investoren klingt es nach wundersamer Geldvermehrung: Einmal Steuern zahlen, aber mehrfach Geld vom Fiskus zurückbekommen - so geschehen bei «Cum-Ex»-Deals. Bei einem Gerichtsprozess kommt ein Zeuge zu Wort, der auch... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

index2.jpg Schöneck

Frankenpost-Redakteurin läuft den "Winterhunderter“ | 25.01.2020 Schöneck
» 4 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 Regensburg

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 | 24.01.2020 Regensburg
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 11. 2019
11:37 Uhr



^