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Wirtschaft

Eurokritik aus Italien verschreckt - Dax im Minus

Nach der kurzen Erholung zum Wochenstart sind die Anleger am deutschen Aktienmarkt wieder abgetaucht. Italien als Schreckgespenst der Börsen kehrte zurück. Eurokritische Aussagen aus den Reihen der populistischen Regierungsparteien belasteten.



Börse Frankfurt
Händler verfolgen im Handelssaal der Börse in Frankfurt die Kursentwicklung.   Foto: Boris Roessler

Kurz vor dem Handelsende konnte der Dax seine Verluste dank neuer Rekorde an der Wall Street aber noch verringern. Der deutsche Leitindex schloss mit einem Abschlag von 0,42 Prozent bei 12.287,58 Punkten. Der Index der mittelgroßen Werte MDax sank um 0,84 Prozent auf 25.956,93 Zähler.

Auslöser der jüngsten Turbulenzen war ein Radiointerview mit Claudio Borghi, dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses in der italienischen Abgeordnetenkammer, gewesen. Dieser hatte gesagt, er sei «sehr überzeugt», dass Italien mit einer eigenen Währung die gegenwärtigen Probleme lösen könnte.

Auch wenn führende Politiker umgehend den Verbleib in der Eurozone versicherten, kam es erneut zu einem starken Anstieg der Risikoaufschläge für italienische Anleihen. Der Euro geriet unter Druck und fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen bei 1,505 Dollar.

Auf Unternehmensseite stieg die zuvor im Tagesverlauf noch schwächelnde Infineon-Aktie am Nachmittag an die Dax-Spitze. Ein Händler verwies auf positive Nachrichten aus der Autosparte zum Auftragseingang. Zum Handelsschluss notierte das Papier des Chipherstellers mit mehr als 3 Prozent im Plus.

Auch Autowerte schlugen sich teils deutlich besser als der Gesamtmarkt: Die Regierungskoalition hatte sich nach langem Streit auf einen Diesel-Plan geeinigt: So sollen etwa Besitzer älterer Fahrzeuge in Regionen mit besonders schmutziger Luft neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen bekommen. «Die Einigung gibt Anlegern ein wenig Sicherheit zurück, denn es hätte für die Unternehmen schlechter kommen können», kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Daimler zogen als einer der Dax-Favoriten um 2 Prozent an, BMW legten um knapp 1 Prozent zu. Noch offen bleibt derzeit die Frage nach den umstrittenen Motor-Nachrüstungen. Die Aktien des Nachrüstungs-Experten Baumot brachen um fast 20 Prozent ein.

Bei den Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) fiel das Plus mit 0,29 Prozent eher moderat aus. Die Marke VW hatte in den USA im September einen Absatzrückgang hinnehmen müssen. Dass Audi-Chef Rupert Stadler mit sofortiger Wirkung aus den Vorständen von VW und Audi ausscheidet, half dem Kurs nur kurzfristig. Stadler war im Juni wegen Betrugsverdachts und Verdunkelungsgefahr im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal verhaftet worden.

Skeptische Analystenstimmen beförderten die Siemens-Aktien mit minus 2,65 Prozent an das Dax-Ende. Analyst Michael Hagmann von der britischen Investmentbank HSBC hatte seine Kaufempfehlung für die Aktien gestrichen, weil er mit Blick auf das Ergebnis mit einem Übergangsjahr für den Industriekonzern rechnet.

Personelle Veränderungen im Aufsichtsrat verhalfen den schwer angeschlagenen Papieren von Tele Columbus zu einem Kursaufschlag von 8 Prozent - und damit zum Spitzenplatz im Index der kleineren Börsenwerte SDax. Vor allem der Rücktritt des Vertreters des Großaktionärs United Internet sorgte für Spekulationen, dass von dieser Seite etwas bevorstehen könnte.

Die Italien-Turbulenzen verunsicherten auch an den europäischen Börsen: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,74 Prozent auf 3388,99 Zähler. In Paris fiel das Kursminus ähnlich hoch aus, die Börse in London schloss etwas tiefer. In New York stand der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit rund einem halben Prozent im Plus, nachdem er zuvor eine Bestmarke gesetzt hatte.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,34 Prozent am Montag auf 0,27 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,36 Prozent auf 140,77 Punkte. Der Bund Future legte um 0,50 Prozent auf 159,60 Punkte zu. Der Eurokurs notierte zuletzt bei 1,1559 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,1543 (Montag: 1,1606) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8663 (0,8616) Euro.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 10. 2018
18:54 Uhr

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