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Wirtschaft

Ex-Chef Zetsche wird doch nicht Daimler-Aufsichtsrat

Als Dieter Zetsche im vergangenen Jahr als Daimler-Vorstandschef abtrat, war sein Wiedereinstieg schon fest vereinbart. 2021 sollte er neuer Chefaufseher beim Autobauer werden. Doch daraus wird nichts.



Zetsche
Dieter Zetsche bei einem Auftritt im Februar dieses Jahres.   Foto: Peter Steffen/dpa

Das angepeilte Comeback von Ex-Vorstandschef Dieter Zetsche beim Autobauer Daimler hat sich zerschlagen.

Nach anhaltender Kritik von Investorenseite an diesen Plänen macht der einstige Topmanager einen Rückzieher - und eröffnet beim Stuttgarter Konzern damit die Suche nach einem neuen Chefaufseher, der den scheidenden Amtsinhaber Manfred Bischoff von 2021 an ablösen soll. Zetsche begründete seinen überraschenden Entschluss in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» damit, dass er von einigen Investoren von vorneherein «nicht als Hoffnungsträger, sondern als Belastung» angesehen werden würde - «nein, das brauche ich nicht».

Zetsche (67) war von Januar 2006 bis Mai 2019 Vorstandschef beim schwäbischen Autobauer, ehe er seinen Posten an Ola Källenius abgab. Allerdings war damals in den Führungsgremien verabredet worden, dass Zetsche - nach einer Abkühlphase - 2021 den Aufsichtsratsvorsitz vom inzwischen 78-jährigen Bischoff übernehmen sollte.

Diese Pläne stießen allerdings zuletzt auf immer mehr Kritik bei Daimler-Aktionären. Zetsche wird unter anderem vorgeworfen, sich zum Ende seiner Zeit als Vorstandschef auf den Rekorden der zurückliegenden Jahre ausgeruht und wichtige Weichenstellungen vor allem für den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen zu haben. Die derzeitige Krise sei - mal abgesehen von unmittelbaren Folgen der Corona-Pandemie - hausgemacht. Zumal auch der Diesel-Skandal in Zetsches Amtszeit fiel, der Daimler weltweit erheblich an Ansehen und obendrein Milliarden für teure Vergleiche kostete.

Auch aktuell schreibt der Konzern tiefrote Zahlen, verbuchte im zweiten Quartal einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro. Jetzt soll kräftig gespart werden. Zuletzt war der Abbau von 10 000 bis 15.000 Stellen weltweit kolportiert worden. Medien hatten sogar von bis zu 30.000 Jobs berichtet. Der Autobauer nennt keine Zahlen.

Zetsche sagte, er habe im Sommer lange darüber nachgedacht, ob sein ursprünglicher Entschluss, kommendes Jahr in den Daimler-Aufsichtsrat zurückzukehren, noch gelte. «Natürlich hätte ich diese Aufgabe gerne gemacht. Ich glaube auch, dass ich sie gut gemacht hätte», sagte er, bekannte jedoch: «Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich dem Unternehmen einen Dienst tue. Und ob ich mir einen Gefallen tue, wenn ich diese Aufgabe jetzt übernehme.»

Mit einigen Großinvestoren im Rücken hätte er sich bei einer Wahl auf der Hauptversammlung zwar gute Chancen ausgerechnet, die nötige Mehrheit zu bekommen. «Aber die Frage ist: Zu welchem Preis? Ich glaube, dass eine Kampfabstimmung dieses Unternehmen mit seinen 300.000 Mitarbeitern, an dem mir sehr viel liegt, zumindest für eine gewisse Zeit belastet hätte.» In letzter Konsequenz habe er sich dazu entschieden, «dass ich das nicht will, dass ich darauf verzichte». Daimler teilte mit, man nehme Zetsches Entscheidung «mit großem Respekt zur Kenntnis».

Zu der Frage, wer nun neuer Aufsichtsratschef werden könne, gab sich Zetsche zurückhaltend. «Da bin ich raus, darüber habe ich keine Entscheidungen zu treffen.» Auch ein Sprecher des Autokonzerns äußerte sich nicht näher. Zuletzt war für den Fall eines Zetsche-Rückziehers spekuliert worden, ob der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser diesen Posten übernehmen könne. Der 63-Jährige sitzt aktuell als einfaches Mitglied im Daimler-Aufsichtsrat.

Ungeachtet des Umbaus sind Investoren skeptisch, ob Daimler nicht zu spät in die Elektrospur eingebogen ist. Dass US-Konkurrent Tesla an der Börse ein Vielfaches wert ist, bewertet Zetsche aber noch nicht als entscheidend. «Die Finanzmärkte versuchen, die Zukunft vorwegzunehmen. Und sie sind heute der Meinung, dass Tesla eine wertvollere Zukunft als Daimler hat.» Er aber sei überzeugt, dass der Vergleich in fünf bis zehn Jahren «völlig anders aussehen» werde.

© dpa-infocom, dpa:200926-99-718249/3

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Veröffentlicht am:
27. 09. 2020
11:08 Uhr

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