Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Fehmarnbeltquerung: Bahn weist Rechnungshof-Prognose zurück

Wie teuer wird die Fehmarnbeltquerung in der westlichen Ostsee? Klar ist: Schon jetzt werden die Kosten deutlich höher angesetzt als die ursprünglichen Planungen. In einer neuen Prognose legt der Bundesrechnungshof noch einmal nach - zum Unmut der Deutschen Bahn.



Fehmarnsund
Die Fehmarnsundbrücke hinter blühenden Feldern. In dem Bereich soll die Hinterlandanbindung für die geplante Fehmarnbeltquerung entlang führen.   Foto: Carsten Rehder/dpa

Die Deutsche Bahn hat Prognosen des Bundesrechnungshofs über die Kosten der geplanten Fehmarnbeltquerung in Höhe von 3,5 Milliarden Euro scharf zurückgewiesen.

«Die im Bericht des Bundesrechnungshofs aufgestellten Kosten sind schlicht falsch und entbehren jeder Grundlage», teilte der Konzern mit. Die Kosten der Schienenanbindung lägen nach derzeitiger Planung bei 1,7 Milliarden Euro. «Zusätzlich sehen die Planungen einen Risikopuffer von 1,1 Milliarden Euro für etwaige Baukostensteigerung und noch nicht bekannte Risiken vor», hieß es.

Der Fehmarnbelt ist eine 18 Kilometer breite Wasserstraße in der westlichen Ostsee. Das Projekt sieht vor, sie mit einem Tunnel zu unterqueren.

Die geschätzten Kosten von 7,4 Milliarden Euro für das eigentliche Bauwerk übernimmt Dänemark. Mit der Eröffnung wird nicht vor 2028 gerechnet. Auf deutscher Seite ist vor allem die Schienenanbindung kostspielig. So sollen 55 Kilometer neu gebaut werden, gebündelt mit der Trasse der Autobahn 1.

Der Rechnungshof geht in einem Bericht vom 10. Oktober an den Haushaltsausschuss des Bundestags von Kosten in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro aus.

Der Bericht liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet. «Angesichts der aktuellen Verkehrsprognosen ist es fraglich, ob der Nutzen des Projekts so steigt, dass die zu erwartenden Kosten unter wirtschaftlichen Aspekten gerechtfertigt sind», heißt es darin.

Der Rechnungshof hat eigenen Angaben zufolge in seine Prognose auch die Kosten für die Querung des Fehmarnsunds zwischen der Insel Fehmarn und dem Festland einbezogen. Diese klammert die Bahn in ihren eigenen Berechnungen aus, weil noch nicht klar sei, welche Planungsvariante dort überhaupt umgesetzt werde.

Gegner des Projektes hatten in der Vergangenheit mehrfach die erheblichen Kostensteigerungen kritisiert. Bei Abschluss des Staatsvertrages zwischen Deutschland und Dänemark im Jahr 2008 zur Errichtung des Ostseetunnels war Deutschland noch von Kosten in Höhe von 817 Millionen Euro für die Hinterlandanbindung ausgegangen.

Dieser Betrag bezog sich allerdings auf ursprüngliche Planungen, lediglich die bestehende eingleisige Bestandstrasse auszubauen. Anschließend war das Projekt erweitert worden, «insbesondere, um bei den von der Maßnahme Betroffenen die Akzeptanz zu erhöhen», wie der Rechnungshof schreibt. «Inzwischen sollen von den geplanten 88 Ausbau-Kilometern 55 Kilometer neu gebaut werden, gebündelt mit der Trasse der Bundesautobahn 1.» 

Trotz der neuen Prognose des Rechnungshofs hält Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an dem Bau fest. «Das Projekt ist und bleibt eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben im Norden», sagte Günther der Deutschen Presse-Agentur. Dies sehe auch Dänemark so. «Es bleibt dabei, dass wir die neuen Möglichkeiten nutzen wollen, die sich aus dem Projekt ergeben.»

Die Grünen im Bundestag wiederum begrüßten den Bericht. «Die feste Fehmarnbelt-Querung droht zum neuen Stuttgart-21 zu werden», teilten der haushaltspolitische Sprecher im Bundestag, Sven-Christian Kindler, sowie der Grünen-Abgeordnete Konstantin Notz mit. «Gut, dass der Bundesrechnungshof hier erneut den Finger in die Wunde legt.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
15:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesrechnungshof CDU Daniel Günther Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Haushaltsausschüsse Haushaltspolitik Kosten Milliarden Euro Schleswig-Holsteinische Ministerpräsidenten Stuttgart 21
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Deutsche Bahn

26.05.2020

Rechnungshof kritisiert Milliardenhilfen für die Bahn

Wochenlang ist kaum jemand Bahn gefahren, viele Züge waren trotzdem unterwegs. Nun soll die Rechnung dafür beglichen werden. Doch es gibt Zweifel, ob sauber abgerechnet wird. » mehr

Bahn - Arriva-Zug

18.09.2019

Rechnungshof fordert mehr Kontrolle der Bahn

Neue Gleise, mehr Fahrzeuge, mehr Kunden: Damit mehr Menschen Zug fahren, pumpt der Bund Milliarden in die Bahn. Muss er dem größten Staatskonzern auch genauer auf die Finger gucken? » mehr

Leere Plätze

01.05.2020

Bahn braucht Finanzspritze von acht bis zehn Milliarden Euro

Die Corona-Pandemie trifft die ohnehin finanziell schwer angeschlagene Deutsche Bahn. Das Passagieraufkommen ist auf 10 bis 15 Prozent gesunken. Jetzt will der bundeseigene Konzern mehr Geld vom Staat. Doch Oppositionspo... » mehr

Grenze zu Dänemark

29.05.2020

Dänemark öffnet Grenzen für deutsche Touristen

Erleichterung für Dänemark-Fans: Deutsche Touristen dürfen bald wieder einreisen. Doch Einschränkungen bleiben. Volle Zufriedenheit über die Entscheidung aus Kopenhagen gibt es in Schleswig-Holstein längst nicht. Auch Mi... » mehr

Demonstration der Touristikbranche

12.06.2020

Überbrückungshilfen für besonders bedrohte Firmen

Wegen der Corona-Pandemie stehen viele Firmen kurz vor dem Aus. Die Bundesregierung will sie unbürokratisch über die nächsten Monate retten - in der Hoffnung, dass es dann wieder von alleine läuft. » mehr

Gleisbaustelle

09.11.2019

Milliarden für die Bahn - Wettbewerber wenden sich an EU

Elf Milliarden Euro will der Bund der Deutschen Bahn über eine Kapitalerhöhung bis 2030 zukommen lassen. Die Konkurrenten fürchten, dass sie dabei zu kurz kommen - und reagieren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vermisstensuche bei Zell Zell

Vermisstensuche bei Zell | 10.07.2020 Zell
» 18 Bilder ansehen

Selber Wiesenfest unter Corona-Bedinungen Selb

Selber Wiesenfest-Wochenende im Zeichen von Corona | 12.07.2020 Selb
» 29 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
15:01 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.