Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Folge des Digitalbooms: Elektronikteile sind knapp

Digitalität boomt: Elektronik hat in sämtliche Lebensbereiche vom Auto bis zur Schlafzimmerbeleuchtung Einzug gehalten. Doch die hohe Nachfrage bringt auch Nachteile mit sich.



Computer-Platine
Ein Mann zieht ein Kabel von der Platine eines Computers ab. In diesem Jahr sind Halbleiter und andere elektronische Bauteile so knapp wie seit langem nicht.   Foto: Ole Spata/Illustration

Der allgegenwärtige Digitalboom hat für die Industrie einen unerfreulichen Nebeneffekt: In diesem Jahr sind Halbleiter und andere elektronische Bauteile so knapp wie seit langem nicht.

Erstmals gab es in den vergangenen Monaten nach Angaben aus der Branche Mangel bei Allerwelts-Bauteilen wie Kondensatoren oder Widerständen. «Am stärksten betroffen waren die Autohersteller und die Automatisierungsindustrie», sagte Christoph Stoppok, Geschäftsführer des Fachverbands Electronic Components and Systems (ECEI). An diesem Dienstag beginnt in München die Electronica, mit mehr als 3000 Ausstellern die internationale Leitmesse der Branche.

Folge der Knappheit sind lange Lieferzeiten und höhere Preise - wiewohl der Fachverband sich zu letzterem Thema nicht äußert. Aktuell ist der Höhepunkt der Knappheit nach Stoppoks Angaben zwar überschritten, da sich die Konjunktur abschwächt. Vollständig normalisiert hat sich die Lage aber nach Industrieangaben bisher nicht.

«Das Außergewöhnliche ist dieses Mal, dass auch passive Bauelemente und andere Produkte knapp waren, insbesondere Mehrschicht-Keramikkondensatoren», sagte Stoppok. Passive Bauelemente heißen passiv, weil sie ein elektrisches Signal in einem Schaltkreis nicht verstärken können, dazu gehört Massenware wie Widerstände oder Kondensatoren.

Zwei Faktoren haben zu der Knappheit beigetragen: die seit Jahren andauernde gute Konjunktur und die Tatsache, dass in Industrieprodukten immer mehr Funktionen elektronisch geregelt werden.

Beispiel Auto: Vom Bordcomputer über Motorsteuerung und Fahrerassistenzsysteme bis zu Komfortfunktionen wie der Sitzheizung sind eine Vielzahl elektronisch gesteuerter Schaltungen notwendig. «In aktuellen Audi-Modellen sind mittlerweile zum Teil mehr als 100 vernetzte Steuergeräte im Einsatz», heißt es bei der Ingolstädter VW-Tochter.

«Der Anteil von Halbleitern und passiven Bauelementen ist innerhalb der letzten Jahre ebenfalls stark angestiegen», sagte eine Sprecherin. «So sind in einem voll ausgestatteten Premiumauto bis zu 10.000 Halbleiter und ein Vielfaches davon an passiven Bauelementen - Kondensatoren, Widerstände und so weiter - verbaut.»

Produktionsverzögerungen gab es nach Audi-Angaben nicht. «Wir haben die Anzeichen für die aktuelle Marktsituation frühzeitig erkannt und uns darauf eingestellt», sagte die Sprecherin. «Wir sehen für 2019 in einigen Bereichen aber weiterhin ein forderndes Marktumfeld.»

Auch beim Münchner Rivalen BMW heißt es, die Knappheit elektronischer Bauteile sei nicht gänzlich abgestellt, aber beherrschbar. Beide Autohersteller legen großen Wert auf gute Beziehungen zu ihren Lieferanten. Denn nicht nur die Autoindustrie geht davon aus, dass bedingt durch den technischen Fortschritt der Bedarf an elektronischen Bauteilen in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Geradezu einen Boom gibt es bei Sensoren, die in immer mehr Lebensbereichen zum Einsatz kommen - seien es optische Sensoren für Autos, medizinische Sensoren zur Messung von Körperfunktionen oder industrielle Sensoren für die Überwachung von Maschinen.

Die Elektronisierung wird nach Einschätzung von Fachleuten in den nächsten Jahren massiv voranschreiten. In der Industrie sind Automatisierung und Robotik derzeit zwei ganz große Themen - und ohne elektronische Messung und Steuerung nicht denkbar.

Und auch das Alltagsleben wird technologisch komplexer - ob E-Bike, mobiles Bezahlen im Geschäft oder selbstregelnde Heizung. Der Zentralverband der Elektronik- und Elektrotechnikindustrie (ZVEI) schätzte im April, dass die weltweiten Umsätze mit Mikroelektronik von 2017 bis 2022 um knapp 90 Milliarden auf eine halbe Billion Dollar zulegen werden.

Dementsprechend haben sich so viele Aussteller zur Electronica angemeldet wie noch nie: Mehr als 3000 Unternehmen wollen an dem viertägigen Branchentreffen teilnehmen. Auch zwei große Münchner Unternehmen spielen in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten eine maßgebliche Rolle auf dem Elektronikmarkt: Bei Halbleitern zählt der Münchner Konzern Infineon zur Weltspitze, bei LEDs und optischen Sensoren Osram.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2018
10:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autofirmen BMW Elektronik und Elektrotechnik Halbleiter Infineon Technologies AG Maschinen- und Geräteteile Osram GmbH Sensoren und Sensortechnik
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Siemens

09.07.2020

Siemens-Aktionäre billigen Aufspaltung

Siemens wird wie geplant aufgespalten. Die Aktionäre haben die Ablösung des Energiegeschäfts mit großer Mehrheit genehmigt. Davor hatten sie viele Fragen - und Siemens-Chef Joe Kaeser forderte einen Weg aus der Kohle. » mehr

Dax

06.02.2020

Dax nähert sich langsam wieder Rekordhoch

Neue Entwicklungen im Handelsstreit zwischen China und den USA haben Anleger am Donnerstag in ihrer jüngsten Kauflaune bestärkt. » mehr

Dax

03.06.2020

Dax bügelt Corona-Crash immer mehr aus

Weitere Vorschusslorbeeren von Anlegern für die Weltwirtschaft in Zeiten des Coronavirus haben den deutschen Aktienmarkt auch am Mittwoch kräftig angetrieben. » mehr

Dax

28.05.2020

Börsenrally geht weiter - Experten mahnen

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag seinen Erholungskurs fortgesetzt. Nach einem Schlussspurt im späten Handel beendete der Dax den Tag mit einem Aufschlag von 1,06 Prozent auf 11.781,13 Punkte. » mehr

Autostandort

29.06.2020

Viel Kurzarbeit an Autostandorten und in Tourismusregionen

In der Corona-Krise haben viele Betriebe in Deutschland zu Kurzarbeit gegriffen. Von Region zu Region gibt es aber erhebliche Unterschiede. Besonders Kreise mit starker Autoindustrie oder viel Tourismus sind betroffen. » mehr

Dax

23.07.2019

US-Haushaltseinigung und Hoffnung auf Billiggeld treiben Dax

Eine Haushaltseinigung in den USA sowie die Aussicht auf noch mehr billiges Geld von den Notenbanken haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag angetrieben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vermisstensuche bei Zell Zell

Vermisstensuche bei Zell | 10.07.2020 Zell
» 18 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2018
10:53 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.