Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Wirtschaft

Forscher mahnen Überprüfung komplexer Regeln für Banken an

Auf die Finanzkrise reagierten Politik und Aufseher mit schärferen Regeln für Banken. Immer wieder beklagte die Branche in der Folge «Überregulierung» - zu Recht? Eine umfassende Studie gibt Antworten.



Frankfurter Bankenviertel
Das Bankenviertel in Frankfurt am Main. «Die Regulierung nach der Finanzkrise hat ihre Begründung», resümieren die Autoren der Studie.   Foto: Frank Rumpenhorst

Nach Einschätzung von Frankfurter Forschern haben sich die als Lehre der Finanzkrise 2007/2008 auf breiter Front verschärften Regeln für Banken in der Summe bewährt.

«Unser Fazit: Die Regulierung nach der Finanzkrise hat ihre Begründung, die Maßnahmen wirken, und es zeigt sich in der Folge auch eine Verbesserung der Stabilität im Finanzsektor», sagte der Finanzwissenschaftler Rainer Haselmann der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

In einer im Auftrag des Bundesfinanzministeriums erstellten Studie kommen Haselmann und seine Kollegen am Forschungszentrum SAFE an der Frankfurter Universität allerdings zugleich zu dem Ergebnis, dass die Regulierungskosten sehr hoch sind - gerade für kleinere Institute. «Viele Banken sprechen von «Regulierungswahnsinn»», schilderte Haselmann. «In diese Bewertung werden zum Teil aber auch Dinge wie die Niedrigzinsen oder Trends wie Digitalisierung, die das Filialgeschäft weniger profitabel machen, mit 'reingemischt.»

Dennoch plädieren die Studienautoren für eine Entschlackung mancher Vorgaben. «Angesichts der Vielzahl der Maßnahmen ist es angezeigt zu überprüfen, in welchen Bereichen man Regulierung vereinfachen kann», sagte Haselmann. «Man könnte zum Beispiel die Komplexität zurückführen, indem man für Banken Anreize schafft, in gewissen Kennzahlen einen Wert freiwillig zu übersteigen - zum Beispiel beim Eigenkapital - und diese Institute dann an anderer Stelle entlasten.»

Banken müssen heute deutlich dickere Eigenkapitalpolster haben, um für mögliche Schieflagen vorzusorgen. Institute in Not sollen in der Regel nicht mehr mit Steuermilliarden gerettet werden. Verschärft wurden auch die Regeln für die Auszahlung von Boni, damit Banker nicht wegen falscher Anreize mehr riskante Geschäfte machen.

Nach einer Analyse der Bilanzdaten von 858 deutschen Banken für die Jahre 2010 bis 2016 kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Deutschlands Banken sind heute besser in der Lage, mögliche Risiken zu verkraften. «Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten, die das Eigenkapital der Banken übersteigt, ist gesunken und ebenso die Höhe der etwaigen über das Eigenkapital hinausgehenden Verluste», heißt es in der Studie.

In einigen Bereichen gebe es allerdings noch Reformbedarf, schreiben die Autoren: etwa bei einer europaweit einheitlichen Regulierung der Risiken von Staatsanleihen oder beim Umgang mit sogenannten notleidenden Krediten, also Krediten, bei denen die Schuldner Schwierigkeiten mit der Rückzahlung haben.

Zudem sei «noch nicht eindeutig genug geregelt, dass Banken in Schieflage nicht mehr mit Steuergeldern gerettet werden», sagte Haselmann. «Das System zur Abwicklung von Instituten muss noch nachgeschärft werden. Eine Trennung von Staat und Banken halten wir für ganz wichtig.»

Ein Fragezeichen machen die Studienautoren hinter die Sinnhaftigkeit der regelmäßigen großangelegten Krisentests für Europas Banken unter Federführung der Bankenaufsicht EBA. «Wir halten es für geboten, den EBA-Stresstest klar zu hinterfragen», sagte Haselmann. «Diese Tests sind extrem aufwendig und am Schluss ist die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Szenarien immer sehr fraglich - gerade was die Vergleichbarkeit der einzelnen Ländern angeht.»

Die Bundesregierung hatte sich im Sinne einer Förderung des Finanzplatzes Deutschland vorgenommen, sich für eine «zielgenaue, wirksame und angemessene Finanzmarktregulierung» einzusetzen. In ihrem Koalitionsvertrag hielten Union und SPD weiterhin fest: «Dort, wo es notwendig ist, werden wir auf eine Nachjustierung auch auf europäischer und internationaler Ebene hinwirken. Wir wollen dabei insbesondere kleine Institute entlasten, soweit von ihnen geringe Risiken für die Finanzstabilität ausgehen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
12:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Banken Banken - Deutschland Bankenaufsicht Bundesministerium der Finanzen Deutsche Presseagentur Eigenkapital Eisenbahn-Bundesamt Finanzkrisen Finanzwissenschaftler Gefahren Institute Kredite Rettung SPD
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Commerzbank und Deutsche Bank

18.03.2019

Aussicht auf Großbanken-Fusion beflügelt Aktionärs-Fantasien

Gespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank beflügeln die Fantasie der Börsianer. Kritiker weisen dagegen auf die Schattenseiten eines möglichen Zusammengehens hin. » mehr

Deutsche Bank und Commerzbank in Frankfurt

16.03.2019

Verdi fürchtet bei Großbankenfusion um Zehntausende Jobs

Wie sinnvoll wäre eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank? Kritiker sehen vor allem die Gefahr, dass das Personal kräftig zusammengestrichen wird. » mehr

Commerzbank und Deutsche Bank

10.03.2019

Deutsche Bank lotet «inoffiziell» mit Commerzbank Fusion aus

Nationale Champions von Weltrang wünscht sich die Bundesregierung - nicht nur in der Industrie. Seit Monaten wirbt Berlin auch für stärkere deutsche Banken. Nun könnten dem politischen Druck Taten folgen. » mehr

NordLB

03.11.2018

Schlechte Noten trotz erster Fortschritte bei der NordLB

Nach dem jüngsten Bankenstresstest hat die NordLB als deutsches Geldhaus mit der schlechtesten Kapitalquote einen neuen Superlativ. Überraschend kommt das nicht. Doch die Bank hat längst reagiert. Sie sieht sich vielmehr... » mehr

Frankfurter Bankenskyline

28.11.2018

Brüssel sieht Rückgang fauler Bank-Kredite

Ausfallgefährdete Kredite in den Bankbilanzen sind eine der größten Altlasten der schweren Finanzkrise in Europa. Die Kommission sieht hier große Fortschritte. Die EU-Staaten sollten sich daher nicht mehr gegen politisch... » mehr

Frankfurter Bankenskyline

02.11.2018

Stresstest: Europas Banken für Krisen besser gewappnet

Nach der Finanzkrise mussten Kreditinstitute ihre Kapitalpuffer deutlich verstärken. Das hat sich ausgezahlt, wie der jüngste Krisentest zeigt. Aber nicht jeder Vorstand kann sich entspannt zurücklehnen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Selb: Auto prallt gegen Baum Selb

Unfall Selb | 22.03.2019 Selb
» 6 Bilder ansehen

Black Base mit DJ Kurbi

Black Base mit DJ Kurbi | 17.03.2019 Hof
» 54 Bilder ansehen

Playoff 4: Selber Wölfe - Hannover Indians 4:1 Selb

Wölfe im Viertelfinale | 22.03.2019 Selb
» 58 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
12:13 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".