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Wirtschaft

Gerry Weber in der Krise: Modekonzern stellt Insolvenzantrag

Aus der westfälischen Provinz heraus eroberte Gerry Weber den Modemarkt. Lange Zeit war das Unternehmen ein Fixstern am Modehimmel. Doch jetzt kämpft der Konzern ums Überleben.



Gerry Weber
Ein Trockenbau-Monteur hängt ein Schild mit dem Schriftzug «Gerry Weber» an einer geschlossenen Filiale der Modemarke ab.   Foto: Violetta Kuhn

Die Filialen des Modeherstellers Gerry Weber und seiner Tochterfirmen wie Hallhuber oder Samoon gehören zum festen Inventar in deutschen Innenstädten. Doch jetzt scheint die Zukunft des Modeimperiums aus der westfälischen Provinz in ernster Gefahr.

Heute stellte die Muttergesellschaft Gerry Weber International mit rund 580 Mitarbeitern beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Ziel sei es, das Unternehmen zu sanieren.

Betroffen von dem Insolvenzantrag ist zunächst nur die Muttergesellschaft mit den Marken Taifun und Samoon. Für Tochtergesellschaften wie Hallhuber seien keine Anträge gestellt worden, betonte das Unternehmen. Der Geschäftsbetrieb soll in vollem Umfang weitergeführt werden. Die Finanzierung des Modeanbieters sei nach derzeitigem Stand bis ins Jahr 2020 gesichert, hieß es.

Notwendig wurde der Schritt durch das Scheitern der Gespräche des Modeherstellers mit Banken und Gläubigern über die weitere Finanzierung des Konzerns. Der Modekonzern schuldet nach Informationen des Branchenfachblatts «Textilwirtschaft» Schuldschein-Gläubigern rund 218 Millionen Euro. Bereits im November hatten die Gläubiger dem Unternehmen eine Stundung für eigentlich anstehende Zahlungen gewährt.

Gerry Weber mit den Kernmarken Gerry Weber, Hallhuber, Samoon und Taifun kämpft seit längerem mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. In den vergangenen Monaten hatten sich die schlechten Nachrichten jedoch gehäuft. Zuletzt hatte das Unternehmen Mitte Januar seine Gewinnprognose nach unten korrigieren müssen. Dadurch stieg der erwartete Vorsteuerverlust für das Geschäftsjahr 2017/18 auf über 192 Millionen Euro. Grund waren unter anderem Probleme bei der bislang als Hoffnungsträger geltenden Tochter Hallhuber.

Der Modehändler kämpft dabei an vielen Fronten. Unter anderem leidet er am Siegeszug des Onlinehandels im Modemarkt. Im E-Commerce ist das Unternehmen bislang nur schwach positioniert. Außerdem haben die Marken des Konzerns an Attraktivität verloren. «Wir haben unser Produkt besonders für die Kundinnen im Alter von 50 plus nicht weiterentwickelt», sagte das Management am Freitag in einer Telefonkonferenz zu den größten Fehlern. Das Image der Kernmarke sei bieder und altbacken geworden. Gleichzeitig ist der Wettbewerb durch Konkurrenten wie H&M oder die Inditex-Tochter Zara härter geworden.

Weitere Managementfehler verschärften die Situation. So übernahm sich Gerry Weber mit der Eröffnung zu vieler eigener Läden. Versuche, mit Personalabbau, Ladenschließungen und Umstrukturierungen gegenzusteuern, kamen erst spät. Auch seien die Händler nicht bedarfsgerecht beliefert worden, räumte der Vorstand am Freitag ein. Das für den gesamten deutschen Textilhandel schwierige Jahr 2018 mit seinem nicht enden wollenden, heißen Sommer, der die Kunden aus den Fußgängerzonen vertrieb, verschärfte die Situation für Gerry Weber dann noch einmal.

Alleine ist Gerry Weber auf dem deutschen Modemarkt mit seinen Problemen nicht. Auch andere bekannte Namen wie Esprit oder Tom Tailor kämpfen mit roten Zahlen. Einer der Gründe: Die Ausgaben der deutschen Verbraucher für Bekleidung sind in den letzten 25 Jahren kaum noch gewachsen. Gleichzeitig nimmt der Online-Handel den Geschäften in den Einkaufsstraßen einen immer größeren Teil der Umsätze weg. «Es ist ein gnadenloser Ausleseprozess», urteilte kürzlich Peter Frank von der Münchner Handelsberatung BBE.

Doch das ist nicht alles. «Dem Modemarkt fehlt es an tiefgreifenden Innovationen», klagte kürzlich das Fachblatt «Textilwirtschaft». Mode an sich und auch der stationäre Modekauf hätten an Strahlkraft verloren. Stattdessen gäben die Verbraucher ihr Geld lieber für neue Smartphones, gutes Essen oder einen Kurztrip nach Paris aus.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 01. 2019
17:15 Uhr

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25. 01. 2019
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