Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

Wirtschaft

Glyphosat-Prozess gegen Monsanto beginnt turbulent

Bayers über 60 Milliarden Dollar teurer US-Zukauf Monsanto muss sich in den USA erneut wegen seiner Unkrautvernichter mit dem umstrittenen Herbizid Glyphosat als Wirkstoff vor Gericht verantworten. Der Großprozess in San Francisco startete direkt mit einem Eklat.



Bayer-Tochter Monsanto
Monsanto muss sich in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat verantworten.   Foto: Seth Perlman/AP

Aufregung zum Prozessauftakt: Beim großen US-Rechtsstreit um mögliche Krebsgefahren glyphosathaltiger Produkte der Bayer-Tochter Monsanto ging es gleich am ersten Verhandlungstag richtig zur Sache.

Der zuständige Bundesrichter Vince Chhabria drohte der Klägerseite wegen angeblicher Verstöße gegen die Prozessordnung mit Sanktionen. Kläger Edwin Hardeman macht den Unkrautvernichter Roundup für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich und wirft Monsanto vor, die Risiken bewusst verschwiegen zu haben.

Für die Leverkusener Bayer AG, die Monsanto vergangenes Jahr für rund 63 Milliarden Dollar (55 Mrd Euro) übernommen hatte, ist der Rechtsstreit hochbrisant. Denn es handelt sich um einen «Bellwether Case» genannten Musterfall in einem Massenverfahren, der richtungsweisend für viele weitere Klagen ist.

Insgesamt ist Bayer mit rund 9300 US-Klägern konfrontiert, Hunderte Fälle unter dem Bundesgesetz sind bei Richter Chhabria in San Francisco gebündelt. Im September hatte der Konzern bereits eine Niederlage vor einem anderen US-Gericht erlitten, diese Entscheidung ging jedoch in Berufung.

Der zweite Prozess begann am Montag (Ortszeit) turbulent. Richter Chhabria warf Klägeranwältin Aimee Wagstaff vor, gezielt vom Thema abgewichen zu sein, um die Jury in unzulässigerweise Weise zu beeinflussen. Hintergrund: Chhabria hatte im Januar entschieden, das Verfahren in zwei Teile zu trennen - zunächst geht es um die Frage, ob Monsanto-Produkte krebserregend sind. Nur wenn die Klägerseite dies ausreichend belegen kann, würde verhandelt, ob das Unternehmen Risiken verschwiegen hat. Die Anwältin habe sich an diese vorgegebene Linie in ihrem Auftaktplädoyer jedoch nicht gehalten.

Chhabria verdonnerte sie per gerichtlicher Anordnung, noch im Laufe des Tages eine schriftliche Erklärung zu ihrem Verhalten abzugeben. Zu ihrer Verteidigung schrieb Wagstaff, sie habe sich den Anweisungen des Gerichts zu keinem Zeitpunkt widersetzt, obwohl sie sogar oft unterbrochen worden sei, ohne dass die Verteidigung dies gefordert hätte. Der Richter führte laut Prozessbeobachtern insgesamt ein striktes Regime und wies auch Bayers Anwalt Brian Stekloff an, bestimmte Unterlagen seiner Präsentation nicht der Jury zu zeigen.

Bayer weist die Anschuldigungen gegen Monsanto energisch zurück. «Während wir großes Mitgefühl mit Herrn Hardeman haben, unterstützt die umfangreiche wissenschaftliche Forschung zu glyphosat-basierten Herbiziden über vier Jahrzehnte hinweg die Schlussfolgerung, dass Roundup nicht für seine Krankheit verantwortlich ist», teilte der Konzern in einer Stellungnahme zum Prozessauftakt mit. Bayer beruft sich auf über 800 Studien, die belegen sollen, dass der Unkrautvernichter sicher ist - bei vorschriftsgemäßer Anwendung.

Die US-Kläger stützen sich ebenfalls auf diverse Studien, zuvorderst auf die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Monsantos Unkrautvernichter 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen einstufte. Beim ersten Prozess vor Chhabrias Gericht sollen jetzt etliche Experten zum Thema gehört werden. Es steht ein regelrechter Anhörungsmarathon an - in den nächsten Wochen soll an je vier Tagen pro Woche rund sechs Stunden lang verhandelt werden. Insgesamt geht das Gericht davon aus, dass der Prozess vier bis fünf Wochen dauern wird.

Die Grünen nutzten den Beginn des Prozesses erneut für harsche Kritik am deutschen Dax-Konzern. «Bayer muss endlich aktiv zur Aufklärung über Monsanto-Mauscheleien und die tatsächlichen Glyphosat-Gefahren für Umwelt und Gesundheit beitragen», forderte Harald Ebner, der Fraktionssprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik. Der Versuch des Konzerns, mit hochgerüsteter Verteidigung und juristischen Tricks den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, sei zum Scheitern verurteilt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
14:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayer Bayer AG Carcinogenität Dollar Glyphosat Konzerne Milliarden Dollar Monsanto Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Glyphosat-Prozess

28.03.2019

Glyphosat-Klagewelle: Wird Monsanto zum Milliardengrab?

Der teure Zukauf Monsanto bringt Bayer immer stärker unter Druck. Wegen ihres umstrittenen Unkrautvernichters wurde die Tochter nun erneut zu hohem Schadenersatz verdonnert. Was bedeutet das 80-Millionen-Dollar-Urteil fü... » mehr

Roundup

04.06.2019

Neuer Ärger für Bayer wegen Monsantos Unkrautvernichter

Die Kritik an Bayer nach der Übernahme von Monsanto lässt nicht nach. Nachdem der Konzern eine Milliarden-Strafe an ein Rentnerpaar in den USA gezahlt hatte, steht nun in einem anderen Land juristischer Ärger vor der Tür... » mehr

DeWayne Johnson

11.10.2018

Wird das Glyphosat-Urteil gegen Monsanto gekippt?

«Keine klaren und überzeugenden Beweise» - hinter dem 289 Millionen Dollar schweren Urteil im Rechtsstreit um angebliche Krebsgefahren glyphosathaltiger Unkrautvernichter von Monsanto steht plötzlich ein großes Fragezeic... » mehr

Glyphosat

16.07.2019

Keine Entspannung bei Bayer wegen Glyphosat

Mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto hat Bayer sich viel Ärger ins Haus geholt. Bei einer von zahlreichen Glyphosat-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken reduzierte ein Richter nun zwar die Strafe erheblich, a... » mehr

Glyphosat

07.03.2019

Behörde muss Zugang zu Glyphosat-Studien gewähren

Lange stritten die EU-Staaten um die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Eine Rolle spielten dabei Studien zum Krebsrisiko des Mittels. Die EU-Lebensmittelbehörde muss diese nun nach einem Ur... » mehr

Glyphosat

13.11.2018

Mehr Glyphosat-Klagen gegen Bayer

Mit der Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto ist Bayer zu einem Riesen geworden auf dem globalen Agrarchemie-Markt. Doch die neue Konzerntochter brockt den Leverkusenern juristische Querelen ein, die noch lange dauern ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frankenpost-Firmenlauf 2019

Frankenpost-Firmenlauf 2019 | 19.07.2019 Untreusee Hof
» 395 Bilder ansehen

Plassenburg-Open-Air mit Stahlzeit

Plassenburg-Open-Air mit Stahlzeit | 16.07.2019 Kulmbach
» 9 Bilder ansehen

FC Eintracht Bamberg - SpVgg Bayern Hof 6:4

FC Eintracht Bamberg - SpVgg Bayern Hof 6:4 | 20.07.2019 Bamberg
» 34 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
14:51 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".